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Markus Söder sah besonders Shrek-lich aus.

Beckstein als Claudia Roth

Fastnacht in Franken: Söder ganz Shrek-lich

Veitshöchheim - Bayerns Polit-Promis haben sich bei der Kultsendung „Fastnacht in Franken“ ein hartes Rennen um das ausgefallenste Kostüm geliefert.

Update vom 5. Februar 2015: "Waltraud und Mariechen" werden wieder mit dabei sein - und natürlich darf auch ein Auftritt von Markus Söder in ausgefallenem Kostüm nicht fehlen. In der Vorschau zur "Fastnacht in Franken" 2015 aus Veitshöchheim lesen Sie, worauf Sie sich freuen können und was dieses Jahr alles neu ist.

Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) verkleidete sich als Claudia Roth, als Sonnenblume fungierte seine Frau Marga.

Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) lief am Freitag in Veitshöchheim im Outfit der Grünen-Politikerin Claudia Roth auf - einschließlich wallender bunter Gewänder, grell geschminkter Augen und der markanten Frisur. „Ich habe gehört, dass ich ihr Lieblingsgegner bin“, sagte Beckstein. „Und ich schätze sie als jemanden, der sehr andere Auffassungen als ich hat. Sie ist für mich der Prüfstein meiner Toleranz.“

Fastnacht in Franken 2014 - Bilder von der Prunksitzung

Fastnacht in Franken 2014 - Bilder von der Prunksitzung 

Finanzminister Markus Söder kam als Filmfigur Shrek, den Kopf komplett grün geschminkt und mit Antennen-Ohren. „Ich bin halt jetzt der Franken-Shrek, manchmal sogar noch der Seehofer-Shrek, wenn es sein muss“, kommentierte er.

Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer schwang als Löwenbändigerin die Peitsche, Wirtschaftsministerin Ilse Aigner verkörperte Karl Valentin. Ministerpräsident Horst Seehofer (alle CSU) kam wie üblich ohne Kostüm - er trug eine rote Fliege und ein Einstecktuch zum schwarzen Anzug.

Die TV-Prunksitzung des Fastnacht-Verbands ging am Freitag in die 27. Runde.

So fis wurde gegen die Großkopferten gefrotzelt

„Monarchische Züge“, „Trotzphase“ und „Windrad-Münchhausen“ - Ministerpräsident Horst Seehofer musste sich bei den fränkischen Narren einiges anhören. Nach seinen Wahl-Höhenflügen im Vorjahr nahm die Kultsendung „Fastnacht in Franken“ den CSU-Chef ganz besonders ins Visier. „Stimmt es eigentlich, dass Sie bei Ihrer Vereidigung gesagt haben: „So wahr ICH Gott helfe“?“, fragte ihn Sitzungspräsident Bernd Händel. Und erzählte, aus Seehofers Umfeld sei zu vernehmen, dass er Schloss Neuschwanstein schließen wolle. „Wegen Eigenbedarfs.“

Seehofer lachte tapfer über die Frotzeleien - so wie die übrigen Prominenten aus Bayerns Politik und Kirche, die am Freitag scharenweise zum Quotenrenner in den 10 000-Einwohner-Ort Veitshöchheim gepilgert waren. Eine Verkleidung verweigerte Seehofer wie üblich, eine knallrote Fliege musste reichen.

Ganz anders seine Minister: So schwang Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer als Löwenbändigerin („spezialisiert auf Großkatzen“) die Reitpeitsche und nannte die Verkleidung eine treffende Verbildlichung ihres Amtes. Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein begeisterte ausgerechnet als Grünen-Politikerin Claudia Roth, grell geschminkte Augen und die markante Frisur inklusive. „Das ganze Jahr über ist es ja eigentlich nur zum Heulen, dann wird es heute hoffentlich zum Lachen sein“, sagte er - Roth ist für emotionale Auftritte bekannt.

Das Gelächter gab es dann vor allem auf Kosten der Ehrengäste. Die Politikerschelte hat bei der erfolgreichsten Sendung des Bayerischen Fernsehens Tradition. Da wurde Ex-Landwirtschaftsministerin Aigner zur „Schutzheiligen sämtlicher deutscher Salatgurken und der Dinkelkost“ erklärt, Bayerns Schulminister Ludwig Spaenle zum „Mann mit den G-Punkten“ - und Seehofer auch mal zur toten Hose. Natürlich nur als Abkürzung für „Totaler-Erfolgs-Horst-Seehofer“.

Genüsslich filetierten die Komiker das Verhältnis des Ministerpräsidenten und seiner beiden „Königskinder“. So nannte die Bauchredner-Nilpferddame Amanda die Minister Aigner und Söder, die Ambitionen auf Seehofers Nachfolge haben. „Reise nach Jerusalem“ könne man an diesem Abend jedenfalls nicht spielen, warnte Sitzungspräsident Händel. „Was glauben Sie, wie schnell der Söder auf'm Herrn Seehofer seinem Stuhl wär'?“

Aigner kam übrigens als Schriftsteller Karl Valentin, Finanzminister Söder als Filmfigur Shrek: „Ich bin halt jetzt der Franken-Shrek, manchmal sogar noch der Seehofer-Shrek, wenn es sein muss.“ Auch die Verwandten-Affäre im bayerischen Landtag, die Maut-Debatte und die Bundeswehr-Drohnen waren Thema im politischen Rundumschlag.

Die TV-Prunksitzung des Fastnacht-Verbands Franken ist ein Phänomen. Bundesweit schalten mehr als drei Millionen Zuschauer ein, wenn der Ort vor den Toren Würzburgs zur Narrenhochburg auf Zeit wird. Die Sendung lebt von ihrer ureigenen Mischung aus Wortwitz, Polit-Gags, Tanzgarden-Akrobatik und jeder Menge Lokalkolorit. Für viele der „Fastnacht“-Stars wie Komiker Michl Müller war die Show ein Sprungbrett.

Typisch ist auch das knallbunte Rokoko-Ambiente - Frohsinn unterm Kronleuchter. Diese pseudo-fürstliche Herrlichkeit beschränkte sich aber auf den Saal selbst: Im Foyer hingen heuer die Kabelschläuche von der Decke, von außen war der Veranstaltungsort noch ein Rohbau. Die Mainfrankensäle werden zurzeit saniert.

„Der Saal ist neu, der Inhalt alt, das Haus im Bau und nicht bezahlt“, ulkte denn auch die Altneihauser Feuerwehrkapell'n, die als „Ausländer“ aus der Oberpfalz traditionell über die Gastgeber herziehen dürfen. „Der Gipfel fränkischer Verblendung ist aus Veitshöchheim diese Sendung.“

Süffisant lästerten sie sogar über den Bocksbeutel - die bauchige Weinflasche ist eine Art Wahrzeichen Frankens. „Sprich: In Ursprung und Geschmack ist's vom Ziegenbock der Sack. Und das schlägt sich hin und wieder bis heut' im Wein aus Franken nieder“, so das vernichtende Urteil der Feuerwehrkapell'n. Die Franken nahmen es gelassen - und erklärten die Gäste kurzerhand zur „laut ADAC beliebtesten Blaskapelle Bayerns“.

dpa

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