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Jamie Dornan spielt den geheimnisvollen Christian Grey.

Eine Peitsche zum Valentinstag

"Fifty Shades of Grey": Interview mit Jamie Dornan

München - "Fifty Shades of Grey": Jetzt kommt der umstrittene Film in die deutschen Kinos. Hauptdarsteller Jamie Dornan sprach im Interview über seine außergewöhnliche Vorbereitung auf diese Rolle.

In “Fifty Shades of Grey” geht es richtig zur Sache. Jamie Dornan und Partnerin Dakota Johnson liefern 20 Minuten Sexszenen – bei einer Gesamtlänge von 100 Minuten Film. Rekord für einen Hollywood-Streifen in den letzten zehn Jahren. Trotzdem will der „Christian Grey“-Darsteller nichts davon hören, dass er in einem „Erotik-Film“ mitspielt.

Wie würden Sie es denn sonst nennen, wenn es im Schnitt alle fünf Minuten Sex auf der Leinwand zu sehen gibt?

Jamie Dornan: Bei Erotik denkt man gleich an Pornografie. Und das ist dieser Film für mich gar nicht. Es ist eine Liebesgeschichte. Fast schon im Sinne von Shakespeare. Zwei Leute, die eigentlich aus verschiedenen Welten kommen, finden zueinander. Weil sie beschließen, dass sie füreinander bestimmt sind.

Kritiker nennen die „Fifty Shades of Grey“-Bücher auch „Hausfrauen-Pornos“. So richtig geht es ja bei Ihnen aber nicht zur Sache, sonst wäre der Film ja nur für Erwachsene zugelassen.

Dornan: Unser Film sollte nie ein „Hausfrauen-Porno“ werden. Ich finde diesen Begriff eh total daneben. Natürlich geht es um Sex, eine ganz spezielle Art davon. Doch am Ende steht die Erfüllung von Fantasien und das Zueinanderfinden im Vordergrund.

Kennen Sie persönlich Leute, die dieselben Vorlieben wie Christian Grey haben?

Dornan: Nicht in meinem Bekanntenkreis. Ich glaube, er ist eher als das Symbol für eine Fantasie gedacht. Nicht als reale Person. Erst steht wie ein Superheld in den Comics für etwas Unerreichbares. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen Grey irgendwo gibt. Mit so viel Power und solch einen Look. Am ehesten kommt ihm noch George Clooney ziemlich fucking nah (lacht).

Konnten Sie sich mit Grey identifizieren?

Dornan: Er hat so viele Dinge, die ich nicht habe. Das geht schon los bei seinen Designer-Anzügen. Ich habe bestimmt kein Leben wie er. Mit Sportwagen oder einem fucking Helikopter. Ich brauche all diese materialistischen Dingen nicht.

Es gibt also gar keine Parallelen zwischen Ihnen?

Dornan: Doch. Sein Leben wird davon bestimmt, was er in seiner Kindheit an Schlimmem erlebt hat. Das hat etwas in ihm zerbrechen lassen. Ich kann das nachvollziehen.

Sie mussten als Kind auch ein Trauma überwinden?

Dornan: Als ich 16 war, starb meine Mutter an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ich bin deshalb zwar kein gebrochener Mensch, aber ich spüre immer noch Wunden, die nicht verheilt sind.

Hat der Vorort von Belfast, in dem sie aufgewachsen sind, Ihnen einen Fingerzeig auf die berufliche Zukunft gegeben?

Dornan: Ja. Er heißt Holywood. Mit einem „l“. Ich habe mir aber erst nicht viel aus der Schauspielerei gemacht. Ich war ein Rugby-Spieler und habe Musik gemacht. Ich hatte bis 2008 eine Folk-Rockband. "Sons of Jim." Aber das ist alles Schnee von gestern.

Dann zurück zu heute. Sie sind Familienvater.

Dornan: Das Timing für "50 Shades of Grey" war nicht ideal. Meine Frau Amanda war im achten Monat schwanger und wir mussten von London nach Vancouver umziehen. Unsere Tochter ist drei Tage vor der ersten Klappe zur Welt gekommen.

Gratulation! Wie fühlt es sich an, Vater zu sein?

Dornan: Es ist die beste Sache, die mir je passiert ist. Jeder Tag ist voller Freude und es wird immer nur noch besser. Egal wie viel ich um die Ohren habe, mein Stress löst sich auf, wenn ich meine Kleine halte. Ich liebe alles an ihr, selbst wenn sie sich auf meinem frischen Hemd übergibt und mich vier Mal nachts aufweckt.

Nebenher mussten Sie sich auch noch auf die Rolle vorbereiten.

Dornan: Ja, ich habe einen Schnellkurs in Sadomasochismus gemacht (lacht). Ich habe mir Bücher und Videos besorgt, im Internet gesurft und ein S&M-Verlies in Vancouver besucht.

Haben Sie mitgemacht?

Dornan: Nein. Nur zugeschaut. Es fand das zwar alles sehr faszinierend, aber nicht sexuell stimulierend. Ich kann allerdings nachvollziehen, wieso es Leute anturnt, dominiert zu werden.

Verraten Sie es uns.

Dornan: Es sind viele Leute darunter, die im Beruf Machtpositionen haben. Und für sie ist es lustvoll, sich heimlich zu unterwerfen.

Viele Frauen träumen von einem Mann wie Christian Grey. Was macht ihn so begehrenswert?

Dornan: Grey ist eine verbotene, mysteriöse Figur, die sehr viel Macht ausstrahlt. Und Macht ist eine sehr attraktive Qualität bei Männern.

Überrascht es Sie nicht, dass Sado-Sex dank „50 Shades of Grey“ salonfähig geworden ist?

Dornan: Überhaupt nicht. Es war schon immer populärer, als die meisten gedacht haben. In jeder Stadt gibt es Sadomaso-Clubs und Partys. Sie brauchen nur mal im Internet nachzuschauen.

Wie schafft man es trotz weltweitem Ruhm auf dem Teppich zu bleiben?

Dornan: Glauben Sie mir, meine Freunde sind das beste Gegenmittel gegen Abheben. Sie werden es mir nie erlauben. Wir piesacken uns immer gegenseitig. Damit zeigen wir unsere Zuneigung. Das muss etwas Irisches sein (lacht).

Sollten Männer ihren Frauen zum Valentinstag statt Rosen mal eine Peitsche schenken?

Dornan: Oh Mann, ich bin der Falsche für so eine Frage. Ich fand den Valentinstag immer albern, weil man ja nicht nur an einem Tag im Jahr seiner Frau oder Freundin romantische Gesten zeigen sollte. Aber ehe man SM-Spielzeug besorgt, sollte man vielleicht zuerst mit seiner Partnerin zusammen in den Film gehen. Vielleicht hinterher dann…(grinst)

Sie lassen auf der Leinwand die Hüllen fallen. Ziemlich oft.

Dornan: Ja, aber nicht vollständig. Was da unten (senkt den Blick in seinen Schritt) ist, wurde wie Trauben in einen Beutel verpackt.

Klingt eher komisch.

Dornan: Ja, manchmal haben Dakota (Johnson) und ich herzlich gelacht, wenn es vor der Kamera zur Sache ging. Das wirkte sehr entspannend.

Als Ex-Model dürften Sie keine Probleme damit haben, Ihren Körper zu zeigen.

Dornan: Jeder ist unsicher, wenn es um seinen Körper geht. Ich war sehr lange ein dürrer Boy. Ich habe viel Sport gemacht, fühlte mich aber nie muskulös genug. Und so geht es mir manchmal auch noch, wenn ich mich selbst im Film sehe. Glauben Sie mir, der Gedanke „Du siehst ja so toll aus“ kommt mir nie in den Sinn.

Fürchten Sie sich vor dem Rummel um Ihre Person, der auf sie zukommen wird?

Dornan: Nein. Meine größte Angst ist eine andere. Ich weiß, dass viele Fans wütend darüber sind, dass man mir die Rolle von Christian Grey gegeben hat. Weil ich nicht in das Bild passe, das sie sich von ihm gemacht haben. Ich hoffe nur, dass mich kein Verrückter bei der Premiere umbringt. So wie John Lennon.

Interview: Dierk Sindermann

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