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Flamenco-Gitarrist Paco de Lucía ist tot.

Er starb mit nur 66 Jahren

Flamenco-Gitarrist Paco de Lucía ist tot

Madrid - Paco de Lucía brachte seine Gitarre zum Sprechen, Jammern, Flirten. Das Instrument war bei ihm geschwätzig wie ein altes Waschweib, frech wie ein übermütiges Kind am ersten Sonnentag oder verspielt wie ein junges Kätzchen, das einem Schmetterling nachjagt.

Wenn Paco de Lucía Gitarre spielte, klang das mal voller Sehnsucht, mal klang es aggressiv, dann wieder unglaublich sexy. Bei ihm schien das Instrument lebendig zu werden, Geschichten zu erzählen, Gefühlen zu offenbaren. Nun ist der große spanische Gitarrist 66-jährig in Mexiko gestorben.

Paco de Lucía hat die Musik der Gitanos aus Spaniens Süden einem Publikum auf der ganzen Welt bekanntgemacht. Dabei war Francisco Sánchez Gómez, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, gar kein typischer Flamenco-Musiker: Er stammte weder von Gitanos ab, noch war er ein Sänger.

Doch im Flamenco dominieren traditionell die Sänger, die Gitarristen dienen eher der Begleitung. „Der Gesang ist die wahre Identität des Flamenco“, räumte Paco de Lucía selbst einmal ein. „Ich habe immer versucht, mit der Gitarre zu singen. Von daher bin ich ein gescheiterter Sänger.“ Natürlich war das charmant untertrieben von diesem zurückhaltenden Musiker, der am 21. Dezember 1947 im südspanischen Algeciras geboren wurde, den Weggefährten als bescheiden charakterisierten und der Menschenmassen nach Möglichkeit mied. Das Singen übernahm an seiner Seite für viele Jahre der 1992 verstorbene Camarón de la Isla.

Paco de Lucía, der 1973 mit der Rumba „Entre dos aguas“ (Zwischen zwei Gewässern) den internationalen Durchbruch feierte, war nicht nur virtuoser Gitarrist mit schier unglaublicher Fingerarbeit auf dem Griffbrett. Er suchte auch konsequent nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten auf seinem Instrument. So wurde er zum Erneuerer des Flamenco. Besonders fasziniert war er von der Klangvielfalt des Jazz. Von 1977 an tourte er regelmäßig mit den Jazzgitarristen Al Di Meola und John McLaughlin. Das Live-Album des Trios, „Friday Night in San Francisco“ (1981), verkaufte sich bis heute mehr als zwei Millionen Mal.

Dass Paco de Lucías Leben so abrupt enden würde, war nicht zu ahnen: Offenbar traf ihn ein Herzinfarkt, als er gerade am Strand von Cancún mit seinen Kindern herumtollte. Und so traurig die Nachricht von seinem Tod ist, so tröstlich ist der Gedanke, dass er starb, während er das tat, was er am besten konnte: unbeschwert spielen.

Michael Schleicher

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