Fluchtversuch des Film-Bösewichts

Waldkraiburg - TV-Bösewicht Claude-Oliver Rudolph ist am Freitagabend nach der Premiere des Theaterstücks "La Strada" in Waldkraiburg festgenommen worden. Wegen nicht geleisteter Unterhaltszahlungen lag ein Haftbefehl gegen den 51-jährigen Schauspieler vor.

Als "großer Zampano" glänzte Rudolph in dem Stück, doch von dem eigentlichen Drama hinter den Kulissen bekamen die rund 400 Premieren-Zuschauer im Haus der Kultur in Waldkraiburg (Kreis Mühldorf) nichts mit. Noch während der Vorstellung waren mehrere Polizeibeamte in Zivil im Haus erschienen. Einen Abbruch der Premierenaufführung kurz nach der Pause konnten Vertreter der a.gon Theater GmbH und des städtischen Kulturamts gerade noch abwenden, sagte Regisseur und Produzent Stefan Zimmermann. Er habe Rudolph in Absprache mit den Beamten "nach der Vorstellung gebeten, in den Garderobenbereich mitzukommen, weil ihn die Polizei sprechen möchte". Darauf hatte Rudolph aber offenbar keine Lust: Auf dem Weg in die Garderoben versuchte der Schauspieler im Kostüm, über den hinteren Bühneneingang zu flüchten. Dort wurde er festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt. "Eine Panikreaktion", versucht Zimmermann das Verhalten seines Schauspielers zu entschuldigen. "Unmittelbar nach der Darstellung einer schweren und großen Rolle war er noch gar nicht in der Verfassung, überlegt zu handeln." Der Regisseur tritt damit auch Behauptungen entgegen, er habe die Flucht Rudolphs begünstigt.

Hintergrund für die spektakuläre Polizeiaktion sind nicht geleistete Unterhaltszahlungen. Wie die "Bild am Sonntag" berichtet, geht es dabei nicht um die beiden Kinder Oona-Lea (24) und Davide-Lino (15) aus der geschiedenen Ehe mit Schauspielerin Sabine von Maydell, sondern um eine bislang nicht bekannte uneheliche Tochter, die im Bereich Frankfurt lebt. Deren Mutter habe immer wieder vergeblich versucht, Rudolph zu erreichen und schließlich Anzeige erstattet. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Frankfurt bekam von der Theatertournee des Schauspielers in Deutschland Wind und erwirkte den Haftbefehl.

Claude-Oliver Rudolph war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er wolle sich nicht zu den Vorgängen äußern, so sein Regisseur. Wie der Theaterproduzent bestätigt, hat sein Hauptdarsteller eine Kaution in unbekannter Höhe hinterlegt. Daraufhin kam der Mime mit dem markanten Gesicht am Samstag wieder frei.

Nach Angaben der Geschäftsführerin des Münchner Tourneetheaterunternehmens, Iris von Zastrow, kann die Tournee wie geplant weitergehen. Bereits am Dienstag wird Claude-Oliver Rudolph wieder auf der Bühne stehen. Am 17. Oktober ist eine Vorstellung im Asam-Theater in Freising angesetzt.

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