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„Mei Kawasaki“: Fredl Fesl braust mit dem Rasenmäher durch seinen Garten.

„Ich geb weiter Gas“

Tausendsassa wird 70! Zu Besuch bei Fredl Fesl

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Fedl Fesl ist ein bayerisches Unikat. Der Kabarettist lässt sich auch von gesundheitlichen Rückschlägen nicht unterkriegen und plant eine große Feier zu seinem 70. Geburtstag. Ein Hausbesuch.

München - Dieser Freitag ist ein ganz besonderer Tag für alle Bayern. Denn er hat Geburtstag. Er, der Bayer den jeder kennt - und den einfach jeder mag: Fredl Fesl. Runde 70 Jahre wird er an diesem Freitag alt, der Tausendsassa, der das bayrische Musik-Kabarett mal so allein erfunden hat. Er, der mit seinem Anlassjodler so jede Halle von Passau bis nach Augsburg zum Brüllen brachte. Ja, alles Gute lieber Fredl! Unser tz-Redakteur Armin Geier hat den Jubilar kurz vor seinem Festtag daheim besucht - und mit ihm über seine Wünsche und sein Paradies gesprochen:

Fredl grinst frech, als er wieder aufs Gaspedal tritt. Sein roter Monster-Rasenmäher heult auf, dann flitzt er übers feuchte Gras. „Aus da Bahn“, ruft der Urbayer „Des is mei Kawasaki.“ Plötzlich reißt Fredl das Lenkrad blitzschnell herum, sein Gefährt dreht sich auf der Wiese im Kreis. Er lacht laut auf. „Des is immer a Gaudi. Vollgas!“

Halt! Hier muss dem beliebten Kabarettisten kurz mal widersprochen werden. Nicht der Rasenmäher ist die Gaudi. Nicht das wilde Fahren. Der Mann selbst ist es. Ja, Fredl Fesl ist einfach immer Kind geblieben - obwohl er an diesem Freitag 70 Jahre alt wird. „Erwachsenwerden ist etwas für die Großen“, stellt er selber dazu fest.

Fesl wünscht sich dreimal das Gleiche zum Geburtstag

Was sich der beliebte Kabarettist zum großen Festtag wünscht? „Dreimal das Gleiche“, erklärt er ernst, während er von seinem Gefährt steigt. „Dreimal Nichts. Einmal morgens, einmal mittags und einmal abends.“ Da ist sie - so eine typische Fredl-Antwort: witzig, frech und a bisserl absurd. Auch deshalb liebt jeder diesen legendären Liedermacher. Den Mann, dem wir den Anlass-Jodler, den Ritter Sepp oder die Sowosamma-Neger zu verdanken haben. Unsterbliche Kultur-Geschenke an Bayern.

Womit wir wieder beim Thema wären: An diesem Freitag wird er, der Fredl Fesl, unzählige Geschenke zu seinem Jubiläumstag bekommen. Ob er will oder ned. Aber er freut sich richtig auf sein Fest: „Ich mag es, wenn alle zusammenkommen. Wenn man alte Freunde sieht, Zeit hat, mal zu reden. Das macht das Leben lebenswert“, erklärt er.

Kabarettist und Redakteur: Fredl Fesl (l.) und Armin Geier von der tz machen es sich auf der Bank gemütlich.

120 Gäste kommen zur Feier ins Gasthaus

In einem Gasthaus in der Nähe von Landshut wird er seinen Jubeltag feiern. „So 120 Gäste kommen schon“, sagt er nicht ohne Stolz. Künstler-Kollegen wie die Schwarzmann Martina oder der Astor Willy - aber eben auch alte Schulfreunde und viele Verwandte. „Des werd lustig. Bei meinem 60. ging es jedenfalls bis spät in die Nacht hinein. Des wird desmoi ned anders, hoff i.“

Nein, die Lust am Leben hat sich Fredl Fesl nie nehmen lassen. Trotz Parkinson-Erkrankung. Trotz der heftigen Schmerzen an so manchen Tagen, dem Zittern der Muskeln. Wenn’s geht, gibt er Gas. „Natürlich ist die Krankheit eine Last, aber ich muss halt damit zurechtkommen“, stellt der Jubilar fest, während er in seinem Lieblingsstuhl auf der Terrasse seines Bauernhauses nahe Pleiskirchen Platz nimmt. Eins steht fest: Guad schaut er aus, braungebrannt, die hellwachen Augen funkeln. Vielleicht liegt’s an der vielen frischen Luft. Wenn die Krankheit ihren Griff etwas lockert, dann geht Fredl nämlich gern mit seinem Hund Mogli spazieren. Oder er maschiert den Hügel hinab, zu seinen Fischweihern und sieht dort nach dem Rechten. „Das ist halt mein kleines Paradies hier“, erzählt der gelernte Kunstschmied. „Hier kann ich basteln, einfach meinen Schmarrn machen. Ganz in Ruhe.“

Fesl freut sich über Zuwendungen

An diesem Freitag wird es mit dieser Ruhe vorbei sein. Zig Gratulanten werden vor der alten Holztür des Bauernhauses stehen und Fredl zu seinem runden Geburtstag gratulieren wollen. Und er wird sie lassen - weil es ihm gut tut: „Es fühlt sich schön an, wenn man merkt, man hat im Leben was Gutes gemacht. Etwas, was viele Leute begeistert hat.“ Bewunderer hat Fredl überall. Vor kurzem gestand sogar der Passauer Bischof Stefan Oster, seit seiner Kindheit „ein riesiger Fredl-Fesl-Fan“ zu sein. Da musste der Kabarettist schmunzeln: „Das hat mich überrascht, weil ich ja mit der Kirche jetzt ned so viel am Hut hab.“ Im Gegenteil: Die kam bei ihm so manches Mal recht schlecht weg. Aber es zeigt einfach nur wieder: Den Fredl mag halt jeder.

Und daran ist der Niederbayer ganz alleine selber schuld. Weil jeder, der den Fredl kennt, weiß: Es gibt kaum einen hilfsbereiteren, gastfreundlicheren Menschen. Der dennoch immer dieses Spitzbübische in sich trägt. „So bin ich halt. Ändern kannst du da nix mehr“, sagt er und nimmt sich ein großes Kuchenstück. Dann grinst er wieder: „Da fällt mir doch noch was ein, was ich mir zum Geburtstag wünsche: eine hübsche Pflegekraft mit viel Holz vor der Hütten. Ist ja ein runder Geburtstag.“ Fredl blickt frech zu seiner lieben Ehefrau Monika. Die lacht und antwortet nur: „Ja, träum weiter!“

Naturverbunden: Fredl Fesl genießt die Zeit im Grünen.

Der Polt gratuliert auch

Na logisch: Künstler können eigen sein - und eitel. Da mog der eine den gewissen andern ned. Da werd auch mal gestritten wie die Bürstenbinder. Einen aber gibt es, den verehrt jeder Kabarettist: eben den Fredl. Willy Astor bezeichnete den Niederbayern mal als „riesiges Vorbild.“ Mike Krüger nennt ihn einen „echten Freund“. Große Bewunderer vom Fredl sind auch die Kollegen Gerhard Polt und die Well-Brüder. Und daher zögerten die auch keine Sekunde, über unsere Zeitung einen ganz herzlichen Geburtstagsgruß an den Jubilar zu schicken:

„Lieber Fredl,

du als Veteran des Geburtstags-

wesens weißt ja schon wie man

mit Geburtstagen umgeht.

Im Gegensatz zu deinem ersten

Geburtstag, wo du diesem Ereignis noch verhältnismäßig hilflos

gegenübergestanden bist.

Dass dir das nicht mehr passieren kann, freut uns ungemein.

Lebe hoch!

Dein Polt und seine Well Brüder Charly, Michael und Stofferl“

Fredls wilde Welt

Alfred „Fredl“ Fesl wurde am 7. Juli 1947 im niederbayrischen Grafenau geboren. Als der Bub neun Jahre alt war, zog er mit seinen Eltern nach Greding im Altmühltal. Dort betrieben seine Eltern das Gasthaus „Zum Bayerischen“. Und Fredl erfand dort das „Ofenrohrfischen“, wie er in einem tz-Interview mal verriet. Er legte dort das blecherne Trumm in den Mühlbach und wartete bis Forellen in das Versteck schwammen. „Dann zog ich sie raus. Das war die schönste Zeit meines Lebens.“

Was mancher gar nicht weiß: der Fredl ist extrem stark. Er wurde zweimal oberbayerischer Juniorenmeister im Gewichtheben. Später ging er dann zur Bundeswehr - mit mäßigem Erfolg. Schnell teilte ihm der Hauptfeldwebel mit: „Glauben Sie mir, Fesl, ich bin froh, wenn Sie wieder weg sind.“

Er begann Kleinkunstbühnen zu besuchen. 1976 entstand im Münchner Theater im Fraunhofer seine erste Schallplatte mit dem Titel „Fredl Fesl“. Es folgten fünf Alben, die alle einschlagen wie eine Bombe. „Das Fußball-Lied“, „Ein Pferd hat vier Beiner“ - jedes Kind konnte diese Geschichten und Lieder Anfang der 80er Jahre nacherzählen.

1997 kam dann der harte Schlag: Bei Fredl Fesl wurde Parkinson diagnostiziert. 2006 zwingt ihn die Schüttelkrankheit dazu, von der Bühne abzutreten. Heute lebt er mit seiner Frau Monika in der Nähe von Pleiskirchen.

Armin Geier

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