Friedländer erhält Preis des Deutschen Buchhandels

Frankfurt: - Frankfurt/Main - Der israelische Historiker und Holocaust-Forscher Saul Friedländer erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2007. Das teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Donnerstag in Frankfurt mit.

Die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 14. Oktober während der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche überreicht - drei Tage nach dem 75. Geburtstag Friedländers. Der Dachverband der deutschen Buchbranche "ehrt damit den epischen Erzähler der Geschichte der Shoah, der Verfolgung und der Vernichtung der Juden in der Zeit nationalsozialistischer Herrschaft in Europa", teilte der Stiftungsrat des Friedenspreises zum Auftakt der Buchhändlertage in Berlin mit.

"Saul Friedländer hat den zu Asche verbrannten Menschen Klage und Schrei gestattet, Gedächtnis und Namen geschenkt. Er hat den Ermordeten die ihnen geraubte Würde zurückgegeben, deren Anerkennung die Grundlage des Friedens unter den Menschen ist", heißt es in der Begründung der Jury. Friedländer sei "einer der letzten miterlebenden und mitlebenden Historiographen" des Völkermordes. Seine Bücher seien "dokumentarisch genau, stilsicher und mitleidend".

Als Zusammenfassung seiner wissenschaftliche Arbeit gilt das zweibändige Werk "Das Dritte Reich und die Juden", das auf Deutsch 1998 und 2006 veröffentlicht wurde. Friedländer gehe darin der Frage nach, "wie in einem hoch entwickelten Volk eines der größten Verbrechen der Weltgeschichte geschehen konnte".

Friedländer wurde am 11. Oktober 1932 als Pavel Friedländer in Prag geboren. 1939 emigrierte seine deutschsprachige Familie nach Frankreich. Der Sohn überlebte als Internatsschüler und getaufter Katholik unter dem Namen Paul-Henri Ferland, die Eltern wurden im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Nach dem Krieg wandte sich Friedländer dem Judentum zu, 1948 wanderte er nach Israel aus.

Nach dem Studium in Tel Aviv und Paris lehrt der Geschichtsprofessor in Genf, Tel Aviv und Los Angeles. Er lebt vorrangig in Los Angeles, hat drei Kinder und vier Enkel.

Der seit 1950 vergebene Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist eine der bedeutendsten Auszeichnungen Deutschlands. Mit dem Preis soll eine Persönlichkeit aus dem In- oder Ausland geehrt werden, die vor allem auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat. Wiederholt sind Historiker ausgezeichnet worden, zuletzt 1999 der Amerikaner Fritz Stern.

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