Geldstrafe für Patrick Lindner wegen Steuerhinterziehung

- München- Schlagerstar Patrick Lindner ist wegen Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe von 432 000 Euro verurteilt worden. Das Münchner Amtsgericht hielt den 43-Jährigen am Dienstag für schuldig, dem Fiskus in den Jahren 1993 bis 1996 umgerechnet 166 000 Euro durch unzulässige Abschreibungen vorenthalten zu haben. Der Sänger nahm das Urteil mit unbewegter Miene entgegen. Er kündigte Berufung an und sagte, das Finanzamt habe nichts gegen ihn in der Hand - "das ist eine reine Indiziengeschichte".

<P>Lindner hatte in den Steuererklärungen für 1993 bis 1996 angegeben, er habe seine Villa im Münchner Millionärsvorort Grünwald an seinen Manager und Lebensgefährten Michael Link (36) vermietet. Nach Auffassung des Gerichts jedoch wohnte Lindner dort schon damals mit seinem Partner Link zusammen. Deshalb habe er die Kosten für die erlesene Einrichtung und auch die Zinsen für die umgerechnet rund 2,5 Millionen Euro teure Villa nicht als Mietabschreibungen steuermindernd geltend machen dürfen.</P><P>Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe von 720 Tagessätzen à 700 Euro, zusammen also 504 000 Euro, gefordert. Das Gericht verhängte 720 Tagessätze zu 600 Euro und ging dabei davon aus, dass Friedrich Raab - so der bürgerliche Name des Angeklagten - jährlich rund 230 000 Euro zur Verfügung hat. Sein Verteidiger Hartmut Mohr hatte vergeblich Freispruch gefordert und erklärt, steuerrechtlich komme es nicht auf das Zusammenwohnen an, sondern auf eine gemeinsame Haushaltsführung - und die sei nicht nachgewiesen worden.</P><P>Die Staatsanwaltschaft hatte mehrere Zeugen für den Nachweis aufgeboten, dass Lindner und Link damals schon als Paar zusammen wohnten. Zeitungsinterviews von 2002 wurden vor Gericht verlesen, in denen beide ihr zehnjähriges Zusammensein bejubelten. Und dann waren da noch die Abrechnungen in Lindners angeblich eigentlichem Domizil, einer Luxus-Eigentumswohnung in Dachau. Dort fielen die Kosten für Heizung, Strom und Telefon plötzlich drastisch ab, 1995 betrug der Stromverbrauch gerade mal sieben Kilowattstunden - weil Lindner da schon in Grünwald wohnte, wie die Staatsanwaltschaft erklärte.</P><P>Zum Abschluss der Beweisaufnahme hatte Staatsanwältin Renate Baßler wissen wollen, warum Lindner für die Vermietung der Villa keine Kaution verlangt und warum er dort auch den Strom bezahlt habe. "Strom ist doch ein typischer Verbrauch des Mieters", betonte die Vertreterin der Anklage. "Gibt es ein Gesetz, das vorschreibt, dass ich das nicht machen darf", fragte Lindner sichtlich genervt zurück. Er blieb aber die Antwort schuldig, warum er in anderen vermieteten Wohnobjekten den Strom sehr wohl von seinen Mietern zahlen lasse.</P><P>Linder habe die Villa mit Gardinen, Möbeln, Betten, Bettwäsche, sogar mit Pflanzen und Übertöpfen ausgestattet, betonte die Staatsanwältin. "Das spricht dafür, dass der Angeklagte die Villa selbst genutzt hat - für einen Mieter kauft man so etwas nicht." Dem schloss sich der Amtsrichter an. "Wenn man alles zusammen sieht, hat das Gericht überhaupt keinen Zweifel, dass die beiden zusammen gewohnt haben, und zwar als Paar", sagte Richter Stephan Kroner in der Urteilsbegründung.</P><P>Strafmildernd wurde berücksichtigt, dass die Delikte schon länger zurückliegen und das Finanzamt einige Zeit für seine Arbeit brauchte. Wenn Lindner zeitnäher vor Gericht gestellt worden wäre, hätte er eine Freiheitsstrafe auf Bewährung bekommen, betonte der Richter. Eine deutliche Strafe sei auch zur allgemeinen Abschreckung nötig - "weil die Fälle sich häufen, das ist zum kleinen Volkssport geworden".</P>

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