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Der Medienrummel beim Prozess um Oscar Pistorius ist enorm.

Zelle oder Hausarrest?

Welche Strafe bekommt Oscar Pistorius?

Pretoria - Unter starkem Polizeischutz hat im spektakulären Prozess gegen den südafrikanischen Paralympics-Star Oscar Pistorius das Ringen um das Strafmaß begonnen.

Die Verteidigung stellte den im September der fahrlässigen Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp schuldig erklärten Ex-Sporthelden als gebrochen Mann dar. Pistorius wäre mit Hausarrest ausreichend bestraft, erklärte ein von ihr beauftragter Sachverständiger am Montag. Die Staatsanwaltschaft strebt hingegen nach Einschätzung von Experten die Höchststrafe von 15 Jahren Haft an. Sie kann ihre Argumente an diesem Dienstag vorbringen und dazu auch eigene Zeugen aufrufen.

Pistorius folgte der Auseinandersetzung im südafrikanischen Pretoria mit versteinerter Miene und gesenktem Kopf. „Ich kann bestätigen, dass seine Gewissensbisse und sein Schmerz echt sind“, sagte die Psychologin und Trauma-Expertin Lore Hartzenberg, die Pistorius monatelang behandelte. Der einst angehimmelte Star des Behindertensports fühle sich „absolut wertlos“ seit er in der Nacht zum 14. Februar 2013 versehentlich das 29-jährige Model Steenkamp in seinem Haus erschossen hatte.

Pistorius habe in zahlreichen Sitzungen mit ihr spontan geweint. „Trauer und Schmerz haben ihn immer wieder überwältigt“, berichtete die Psychologin. Er habe bis heute keinen Weg gefunden, seine Schuldgefühle und das aus dem gewaltsamen Tod seiner Freundin resultierende Trauma zu überwinden.

„Oscar Pistorius mag ja ein gebrochener Mann sein, aber er kann sein Leben fortsetzen“, entgegnete Chefankläger Gerrie Nel im Kreuzverhör der Psychologin. Der Staatsanwalt deutete zugleich an, Pistorius könne in Wirklichkeit bereits wieder an die Fortsetzung seiner Karriere als Paralympics-Weltstar denken. Pistorius, dem als Kind beide Unterschenkel amputiert worden waren, hatte als Sprinter auf Hightech-Prothesen auch bei den Olympischen Spielen 2012 in London Furore gemacht.

Ein von der Verteidigung bestellter Sachverständiger legte dar, Pistorius sollte für die fahrlässige Tötung seiner Freundin nicht mehr als drei Jahre Hausarrest bekommen. In Kombination mit monatlich 16 Stunden gemeinnütziger Arbeit - etwa als Reinigungskraft - würde dies garantieren, dass er nicht rückfällig werde, erklärte der Sozialarbeiter im Strafvollzug, Mashaba Joel Maringa.

Der Staatsanwalt erwiderte, allein schon die Vorstellung, dass Pistorius mit Hausarrest davonkommen könnte, sei „schockierend“. Der Ankläger hatte ursprünglich einer Verurteilung wegen Mordes gefordert. Die Richterin akzeptierte jedoch die Version des angeklagten Pistorius. Er hatte beteuert, dass er überzeugt gewesen sei, auf einen Einbrecher zu schießen, als er in seinem Haus vier Mal mit einer großkalibrigen Pistole durch eine geschlossene Toilettentür feuerte.

Die Richterbank wurde am Montag von vier Polizisten - zwei auf jeder Seite - bewacht. Erstmals mussten alle Teilnehmer und Zuschauer der Verhandlung durch einen Metalldetektor gehen. Zuvor hatte es Drohungen sowohl gegen Pistorius, als auch die Richterin gegeben.

Welches Strafmaß Masipa festlegen wird, ist auch nach dem Schlagabtausch vom Montag offen. Es sei zwar klargeworden, dass die Verteidigung Kurs genommen habe „auf eine Strafe ohne jegliche Zeit im Gefängnis“, sagte der südafrikanische Rechtsexperte William Booth im Sender eNCA. „Doch beide Seiten verfügen über starke Argumente.“ Er wies unter anderem auf den gezielten Einsatz einer Waffe durch Pistorius hin.

Die Entscheidung werde die Richterin wohl bis Ende der Woche fällen, sagte der Sprecher der Nationalen Strafverfolgungsbehörde (NPA) Südafrikas, Nathi Mncube. Unklar ist, ob Pistorius im Falle einer Haftstrafe sofort ins Gefängnis muss. Bislang ist er auf Kaution frei. Möglich wäre, dass Staatsanwaltschaft oder Verteidigung Berufung einlegen. Dann könnte Pistorius bis zur Verhandlung vor einer höheren Instanz weiter gegen Kaution in Freiheit bleiben.

dpa

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