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Den Bildband in Händen: Gloria von Thurn und Taxis.

„Kinder, wir haben kein Geld mehr“

Gloria von Thurn und Taxis veröffentlicht Bildband - und spricht über Geldsorgen 

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München - Fürstin Gloria von Thurn und Taxis veröffentlichte am Montagabend den Bildband „Thurn und das Taxis - das Haus“. Bei der Präsentation zeigte sie sich nachdenklich.

Die Fürstin pleite? Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Noch ist die Schlosskasse gut gefüllt. Aber Gloria denkt auch in anderen Dimensionen. Allein die Heizkosten sind so teuer wie ein Mittelklassewagen, und bei 500 Zimmern tropft quasi täglich ein Wasserhahn, bröckelt eine Wand, quietscht ein Fenster. Deshalb sagt Mariae Gloria Fürstin von Thurn und Taxis (57) am Montagabend folgenden Satz: „Kinder, wir haben kein Geld mehr.“ Und meint damit den anwesenden Adel, der seine mehr oder weniger prunkvollen Schlösser schon lange selbst erhalten muss.

Die Fürstin, wie man sie in Blaublutkreisen respektvoll nennt, hat deshalb schon lange eine irdische Quelle angezapft: Sie füllt durch Schlossfestspiele, Weihnachtsmärkte, Führungen, Vermietungen und Souveniers die fürstliche Schatztruhe kräftig auf. Und weil ihr die knapp 120 000 Besucher im Jahr noch nicht reichen, rührt Gloria jetzt international die Werbetrommel. Mit dem neuen Hochglanzbildband Thurn und Taxis – Das Haus will sie „zum Beispiel Besucher aus London und New York“, so Gloria, nach Regensburg locken. Erschienen ist der Bildband auf Englisch und Deutsch, abgelichtet von dem Starfotografen Todd Eberle.

Respekt nach Typwechsel

„Den habe ich in Venedig an der Bar kennengelernt“, plaudert die Fürstin bei der Buchvorstellung in den Räumen von Sotheby’s am Odeonsplatz. Das Auktionshaus hat bereits nach dem Tod von Fürst J­ohannes († 1990) Kunstwerke in einer spektakulären Auktion versteigert, damit Gloria die beträchtliche Erbschaftssteuer (damals 45 Millionen D-Mark) zahlen konnte. Und nicht nur das. Gloria stieg von ihrer Harley ab, färbte ihre Haare vonRot auf Blond und krempelte die Ärmel hoch. Das brachte ihr den Respekt der Verwandtschaft ein: „Sie hat sich zu einer Topmanagerin gemacht“, sagt Tante ­Antonia ­Prinzessin zu Thurn und Taxis. Die 86-Jährige lebt am Starnberger See, fährt regelmäßig nach Regensburg oder lädt die Verwandtschaft in ihre Schlossgaststätte Hohenberg ein. „Dort haben wir auch heimlich den 30. Geburtstag von Fürst Albert gefeiert.“

100 000 Fotos

Fernanda-­Franziska Gräfin von Oppersdorff, eine Großnichte von Fürst Johannes, teilt mit Gloria die Leidenschaft für moderne Kunst. „Auch meine Bilder hängen bei ihr im Schloss.“ Das alles hat Todd Eberle in 100 000 Fotos eingefangen. „Er hat nachts gearbeitet und tagsüber geschlafen“, plaudert Gloria. „Künstler eben. Schön ist das Buch trotzdem geworden.“ Das bewunderten auch: die Ex-BRK-Präsidentin Christa Prinzessin von Thurn und Taxis, die jetzt im Allgäu ihren Ruhestand genießt, Inge Fürstin ­Wrede-Lanz, die noch die eleganten Jagdgesellschaften auf Schloss Emmeram erlebt hat und Dr. Peter Styra, der das Archiv und die Kunstwerke („aus zwei Jahrtausenden“) verwaltet.

Die Fürstin im Interview

Sie haben das Buch Ihrem Sohn Albert gewidmet. Warum ihm und nicht Ihren Töchtern?

Gloria von Thurn und Taxis: Die Verantwortung für das Schloss, das in dem Buch beschrieben wird, trägt mein Sohn. Er hat dieses Buchprojekt möglich gemacht. Deshalb ist es ihm gewidmet.

Es sind grandiose Aufnahmen, auch von Ihnen und ihren Kindern. Fühlen Sie sich mit Ihrer Persönlichkeit gut getroffen?

Thurn und Taxis: Es ist immer schwierig mit den eigenen Porträts, weil man sich selbst immer etwas anders sieht als der Fotograf. Aber die Bilder finde ich trotzdem toll.

Was ist Ihr Lieblingsraum im Schloss? Wo fühlen Sie sich am wohlsten?

Thurn und Taxis: Meine Lieblingsräume sind mein Büro und unsere Küche. Beide Räume habe ich so eingerichtet, dass sie sehr gemütlich sind und man sich dort gerne aufhält.

Gloria Gräfin von Thurn und Taxis, Heinrich Graf von Spreti, Gräfin Nicola Keglevich (v.l.n.r.)

Kennen Sie wirklich jeden Raum in Ihrem Schloss?

Thurn und Taxis: Mittlerweile ja, allerdings habe ich dafür viele Jahre gebraucht. Wieso soll ich auch auf den Speicher gehen? Letztes Jahr, bei der Dachsanierung war ich das erste Mal dort oben. Es war ein Erlebnis.

Wie viel Zeit, Geld und Energie investieren Sie in die Erhaltung und Ausstattung Ihres Hauses?

Thurn und Taxis: Der größte Teil meiner Arbeit dreht sich um das Schloss und seine Erhaltung . Das ist eine Mammutaufgabe, aber sie macht auch Spaß.

Was machen Sie selbst, was überlassen Sie Angestellten, Handwerkern, Innenarchitekten?

Thurn und Taxis: Die Ideen kommen von mir, dann müssen die Betriebswirtschaftler rechnen und die Architekten, Handwerker und die anderen Mitarbeiter umsetzen, was wir im Team für gut befunden haben.

Wie sehen Sie Ihr Haus? Als Museum? Als privates Refugium? Als öffentliches Bauwerk?

Thurn und Taxis: Unser Schloss ist historisches Erbe, ein Kulturgut, welches noch bewohnt wird. Dadurch bekommt es auch eine wärmere Atmosphäre als ein reines Museum. Die Menschen, die zu uns kommen, spüren das, und das ist mir ein Alleinstellungsmerkmal. Ein Schloss mit echter Prinzessin drin.

So ein Buch gewährt offene Einblicke in Ihr Haus. Warum haben Sie das überhaupt gemacht?

Thurn und Taxis: Um einem noch größeren Kreis die Schönheit und die Vielfältigkeit der Architektur und Einrichtung zu zeigen. Wir haben vom Mittelalter bis heute aus allen Epochen etwas zu zeigen. Hier wird Geschichte lebendig.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Jeff ­Koons und Todd Eberle zustandegekommen?

Thurn und Taxis: Todd Eberle hat ja für den Condé Nast Verlag jahrzehntelang Interiors aufgenommen, daher schien er mir geeignet, die Fotos zu machen. Außerdem hat Todd jahrzehntelang die Kunstwelt fotografiert, sodass durch ihn auch der Kreis der Kunstliebhaber auf unser Schloss aufmerksam werden könnte.

Maria Zsolnay

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