Glückwunsch, Sir Mick!

München - Rollende Steine setzen kein Moos an. Wer das begriffen hat, den überrascht nichts.Mick Jagger, Frontmann der Rolling Stones, feiert diesen Samstag seinen 65. Geburtstag

Und nichts deutet darauf hin, dass er Recht hatte, als er einst davon sang, wie nervig es doch sei, alt zu werden (in dem Song "Mothers Little Helper", 1966). Im Gegenteil: Wer Martin Scorseses Konzertfilm "Shine a Light" im Frühjahr im Kino gesehen hat, den Mitschnitt eines Stones- Auftritts im Herbst 2006 im New Yorker Beacon Theatre, erlebte Jagger impulsiv und kein bisschen müde.

Dennoch: Dieser Michael Phillip Jagger wurde erst im Lauf der Karriere zur Rampensau, zum "street fighting man", dem Straßenkämpfer auf den Konzertbühnen dieser Welt, dessen Hüften kreisen, dessen Körper Musik zu sein scheint und dessen Arme in pathetischen Gesten den Liedern den Weg von der Bühne hinab weisen ins Publikum, das willig den kochend- stampfenden Rhythmus der Nummern aufsaugt. Seine Auftritte sind immer auch Versprechen gewesen für die Normalbürger, dass das Leben mehr zu bieten hat. Gut möglich, dass er deswegen in den Sechzigerjahren so verhasst war in der wohlerzogenen Welt der Erwachsenen, als sich die Rolling Stones daran machten, den Rock-Zirkus zu erobern. Sie dominieren ihn bis heute, im Jahr 46 nach ihrem ersten Konzert - und aus den Buben mit Milchgesichtern wurden Multimillionäre, die deswegen längst nicht ihre rebellische Attitüde aufgegeben haben.

Wozu können "Sex, Drugs and Rock n Roll" einen Menschen bringen? Im Fall von Mick Jagger etwa zu einer Galerie schöner Frauen, mit denen er zeitweise sein Leben teilte (um einige zu nennen: die Münchnerin Uschi Obermeier, die Sängerin Marianne Faithfull, Model Bianca Jagger, die er 1971 heiratete, Frankreichs heutige Präsidentengattin Carla Bruni, Topmodel Jerry Hall, mit der er von 1990 bis 1999 verheiratet war); sieben Kindern (die, die von ihm anerkannt wurden), zu einem Adelstitel und einem Millionenvermögen.

Dass er letzteres gut verwaltet (und die Band zur wohl reichsten der Welt gemacht hat), überrascht nicht. Jagger war ein recht erfolgreicher Schüler, der mit 18 Jahren die Aufnahmeprüfung an der "London School of Economics" bestand. Wunschberufe des Studenten der Volksund Politikwissenschaft: Anwalt, Jurist, Politiker. Nichts deutete also auf eine Musikerkarriere hin. Wie auch? Jagger wurde 1943 in Dartford in der englischen Grafschaft Kent in bürgerliche Verhältnisse geboren: der Vater Lehrer; die Mutter, eine Australierin, arbeitete zeitweise als Kosmetikberaterin.

Der Junge liebte den Blues wie ihn Chuck Berry oder Muddy Waters spielten, dessen Song "Mannish Boy" (mit der Zeile "Im a rollin stone - Im a man.") den Stones-Gitarristen und Mitbegründer Brian Jones zum Bandnamen inspirieren sollte. Eben diese Blues-Musik liebte auch Keith Richards, der gemeinsam mit Jagger zur Grundschule ging. Die beiden verloren sich danach jedoch aus den Augen - und trafen sich zufällig wieder, als sie am Bahnhof von Dartford auf Zug nach London warteten. In Jaggers Gepäck: Platten von Berry, Waters und Co. Die jungen Männer kamen auf Musik zu sprechen, der Weg zur Gründung der Rolling Stones war frei. Seit dem Tod von Jones, der 1969 in einem Pool ertrunken war, ist das Duo Jagger/ Richards das kreative Herz der Gruppe.

Während Richards, der heuer im Dezember seinen 65. feiern kann, auch im Alter ein exzessiver Rock-Rüpel bleibt, vollzog Jagger im Lauf der Jahren den Wandel zu jenem "man of wealth and taste", den er im großartigen und von Sittenwächtern einst angefeindeten "Sympathy for the Devil" besang: Der wohlhabende Mann mit Geschmack und Stil liebt Cricket, ist Ehrenpräsident der Londoner Universität, Ehrenmitglied der "London School of Economics and Political Science", wo er selbst studierte, - und darf inzwischen den Titel "Sir" tragen.

Denn im Jahr 2003 wurde Jagger, der sich in der Zeit der Drogenexzesse "Seine satanische Majestät" rufen ließ, von Ihrer Majestät, Königin Elisabeth, zum Ritter geschlagen - wegen der "Verdienste um die populäre Musik". Richards, auch das zeigt die unterschiedlichen Charaktere, kochte vor Wut, wollte gar die damalige Welttournee absagen. Schließlich sei der Titel "Sir" etwas für "Kriecher und Leute wie Phil Collins". Jagger kümmerte die Gifterei nicht. Der zweifache Großvater ist also angekommen im Establishment und genießt seine gutbürgerliche Rockerexistenz - auch wenn auf der Bühne heute manchmal die Puste ein bisschen knapp wird: "Ich hab immer das Problem, dass man schon allein zum Singen eine gewisse Physis und auch Sauerstoff braucht. Wenn man zuviel davon beim Tanzen verbraucht, dann bleibt zum Singen nichts übrig", verriet er. Bei dem verfilmten Konzert im Beacon Theatre gab es allerdings ein viel größeres Problem: Die Scheinwerfer, mit denen Martin Scorsese die Show ausleuchten wollte, drohten eine solche Hitze zu entwicklen, dass Feuergefahr bestand. Geht nicht, entschied der Regisseur: "We cannot burn Mick Jagger". Aber wirklich nicht.

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