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Ryan Gosling und Emma Stone wurden für ihre Hauptrollen in „La La Land“ mit je einem Golden Globe ausgezeichnet.

„Toni Erdmann“ geht leer aus

Golden Globes: Musical „La La Land“ schreibt Geschichte

Los Angeles - Ein Drama über einen schwulen Schwarzen gewinnt den Hauptpreis bei den Golden Globes. Großer Gewinner des Abends ist aber ein nostalgisches Musical. Der deutsche Beitrag hingegen ist chancenlos.

Der Film „Moonlight“ von Regisseur Barry Jenkins hat den Golden Globe als bestes Filmdrama gewonnen. Das berührende Werk erzählt von einem jungen, schwulen Afroamerikaner. Der Film von Regisseur Barry Jenkins war mit sechs Nominierungen ins Rennen gegangen, bekam letztlich aber nur diesen einen Preis. 

Der große Abräumer der Gala war aber die als Favorit ins Rennen gegangene Musical-Romanze „La La Land“. Sieben Mal war die Hommage an das goldene Zeitalter des Musicals nominiert, sieben Mal gewann sie eine Trophäe. Das ist neuer Rekord bei den Globes: Bislang hielten „Einer flog über das Kuckucksnest“ und „Midnight Express“ den Globe-Rekord. Beide waren in den 1970er Jahren mit je sechs Trophäen geehrt worden.

Die Liebesgeschichte zwischen einem ehrgeizigen Jazzpianisten und einer aufstrebenden Schauspielerin setzte sich in der Kategorie „Komödie/Musical“ gegen "20th Century Women", "Deadpool", "Florence Foster Jenkins" und "Sing Street" durch. Außerdem gab es für das nostalgische Werk Preise für Regisseur Damien Chazelle (“Whiplash“), der damit damit Mel Gibson ("Hacksaw Ridge"), Barry Jenkins ("Moonlight"), Kenneth Lonergan ("Manchester by the Sea") und Tom Ford ("Nocturnal Animals") ausstach. Einen Golden Globe als Drehbuchautor erhielt Chazelle obendrein.

Emma Stone und Ryan Gosling tanzen und singen sich zum Sieg

Gegen Emma Stone als Hauptdarstellerin in einer Komödie waren Annette Bening ("20th Century Women"), Lily Collins ("Rules Don't Apply"), Hailee Steinfeld ("The Edge of Seventeen") und Meryl Streep ("Florence Foster Jenkins") chancenlos. "La La Land" sei "ein Film für Träumer", sagte Stone in ihrer Dankesrede. Hoffnung und Kreativität seien zwei der wichtigsten Dinge überhaupt. "Und darum geht es in diesem Film", sagte die Schauspielerin.

Stones Filmpartner Ryan Gosling bekam die Trophäe als bester Komödien-Hauptdarsteller in dem Film - Colin Farrell ("The Lobster"), Hugh Grant ("Florence Foster Jenkins"), Jonah Hill ("War Dogs") und Ryan Reynolds ("Deadpool") hatten das Nachsehen.

Deutsche Komponisten chancenlos gegen „La La Land“

Einen Golden Globe erhielt „La La Land“ zudem für seine Filmmusik sowie für den besten Song. Kein Glück beschieden war damit dem aus Frankfurt stammenden Star-Komponisten Hans Zimmer (59) und seinem Düsseldorfer Kollegen Volker Bertelmann.

Zimmer war zusammen mit den Musikern Pharrell Williams und Benjamin Wallfisch für die Filmmusik für den Film „Hidden Figures“ nominiert gewesen. Es war die 13. Nominierung für den zweifachen Globe-Gewinner („König der Löwen“, „Gladiator“). Bertelmann, bekannt unter dem Künstlernamen Hauschka, hatte zusammen mit dem amerikanischen Musiker Dustin O'Halloran den Soundtrack zu dem Film „Lion“ komponiert. Es war ihre erste Globe-Nominierung.

Kein Globe für „Toni Erdmann“

Deutsche Hoffnungen wurden in der Globe-Nacht enttäuscht. Die Vater-Tochter-Geschichte „Toni Erdmann“ von Regisseurin Maren Ade ging leer aus: Den Preis in der Sparte „bester nicht-englischsprachiger Film“ holte „Elle“ von Regisseur Paul Verhoeven nach Frankreich. Der Streifen setzte sich gegen Ades Vater-Tochter-Drama, den chilenischen Film "Neruda", den französischen Film "Divines" sowie die iranisch-französische Produktion "The Salesman" durch. 

Die französische Schauspielerin Isabelle Huppert wurde für „Elle“ mit dem Golden Globe als beste Drama-Schauspielerin ausgezeichnet.

"Toni Erdmann" hatte im Dezember bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises in Breslau triumphiert und insgesamt fünf Preise abgeräumt, darunter für den besten Film und die beste Regie. Die Tragikomödie geht auch für Deutschland ins Rennen um eine Oscar-Nominierung.

Der letzte deutsche Film, der den Golden Globe als bester Auslandsfilm nach Deutschland holte, war 2010 das Schwarz-Weiß-Drama „Das weiße Band“ von Michael Haneke.

Affleck bester Drama-Schauspieler

Casey Affleck nahm seinen ersten Golden Globe als bester Drama-Darsteller für seine Rolle in dem berührenden Familiendrama „Manchester by the Sea“ entgegen. Als beste Nebendarsteller wurden Aaron Taylor-Johnson für seine Rolle in "Nocturnal Animals" und Viola Davis für ihre Rolle in "Fences" geehrt.

Als bester Animationsfilm wurde die Disney-Produktion "Zootopia" ausgezeichnet.

„The Crown“ und „Atlanta“ siegen als beste Serien

„The Crown“ und „Atlanta“ wurden als beste Serien des Jahres ausgezeichnet. „The Crown“ erzählt die Geschichte der britischen Königin Elisabeth II. und gewann am Sonntagabend den Preis als beste Drama-Reihe. Sie läuft beim Internet-Streaming-Anbieter Netflix. „Atlanta“ handelt von einem ziellosen jungen Mann, der zum Manager seines rappenden Cousins wird. Die bei FOX laufende Reihe gewann den Golden Globe als beste Comedy-Serie. Zuvor war bereits „The People v. O.J. Simpson“ als beste Miniserie ausgezeichnet worden.

Meryl Streep nutzt Dankesrede zu Kritik gegen Donald Trump

Schauspielerin Meryl Streep nahm bei der Gala den Cecil B. Demille Preis für ihr Lebenswerk entgegen. Ihre Dankesrede nutzte die Hollywood-Ikone für eine emotionale Rede gegen den künftigen US-Präsidenten Donald Trump

Jimmy Fallon nimmt Trump auf die Schippe

Der künftige US-Präsident war auch Zielscheibe des Spottes bei dem Eröffnungsmonolog von US-Moderator Jimmy Fallon, der den Briten Ricky Gervais als Gastgeber des Abends ablöste. Die Hauptfigur in der Komödie „Florence Foster Jenkins“ sei die schlechteste Opernsängerin aller Zeiten gewesen. „Und selbst sie hat es abgelehnt, bei Donald Trumps Amtseinführung aufzutreten“, sagte Fallon - eine Anspielung auf die Tatsache, dass bisher kein Megastar bei der Feier zugesagt hat.

Die Verleihung sei „einer der wenigen verbleibenden Orte, an denen Amerika das direkte Wahlergebnis würdigt“, scherzte Fallon über die Tatsache, dass Hillary Clinton trotz knapp drei Millionen Stimmen mehr wegen des Wahlsystems verlor. Zuschauer bräuchten sich aber nicht über eine korrekte Auszählung zu sorgen, sagte Fallon weiter. „Alle Ergebnisse wurden zertifiziert von (der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft) Ernst und Young und Putin.“

Alle „Golden Globe“-Gewinner 2017 auf einen Blick

Die seit 1944 vergebenen Golden Globe Awards sind die wichtigsten Filmpreise nach den Oscars. Über die Gewinner entscheidet eine Gruppe von knapp 100 internationalen Journalisten, die seit langem in Hollywood arbeiten. Die Verleihungszeremonie findet traditionell bei einem lockeren Gala-Dinner statt.

Bestes Filmdrama: - „Moonlight“

Beste Komödie/Musical: - „La La Land“

Bester Schauspieler in einem Filmdrama: - Casey Affleck („Manchester by the Sea“)

Beste Schauspielerin in einem Filmdrama: - Isabelle Huppert („Elle“)

Bester Schauspieler in einer Komödie/Musical: - Ryan Gosling („La La Land“)

Beste Schauspielerin in einer Komödie/Musical: - Emma Stone („La La Land“)

Bester Nebendarsteller: - Aaron Taylor-Johnson („Nocturnal Animals“)

Beste Nebendarstellerin: - Viola Davis („Fences“)

Beste Regie: - Damien Chazelle („La La Land“)

Bestes Drehbuch: - Damien Chazelle („La La Land“)

Beste Filmmusik: - Justin Hurwitz („La La Land“)

Bester Filmsong: - City Of Stars, Justin Hurwitz aus „La La Land“

Bester Animationsfilm: - „Zoomania“

Bester nicht-englischsprachiger Film - „Elle“ (Frankreich)

Golden Globes: So prächtig putzten sich die Stars heraus

dpa/afp

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