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Das große Rätsel Minirock

- Hamburg - Entzücken auf der einen Seite, blankes Entsetzen auf der anderen: Als im Herbst auf den Laufstegen von Mailand und Paris die Frühjahr-Sommer-Mode 2003 vorgestellt wurde, gab es tagelang nur ein Gesprächsthema: die provozierend kurzen Miniröcke. Jetzt, da die neue Saison ihre ersten Schatten voraus wirft, brandet die Diskussion wieder auf: Wird es die Mode der nackten Beine?

 "Ob sich der Mini auf der Straße durchsetzen kann, gehört zu den großen Modefragen des Sommers", sagt Elke Giese, in Berlin lebende Designerin beim Deutschen Modeinstitut. Eine genaue Vorhersage wagt sie nicht. "In den letzen Saisons hat es der kurze Rock jedenfalls nicht geschafft", dämpft sie die Erwartungen.<P>Die deutsche Ausgabe der Zeitschrift "Vogue" führt in ihrer Januar-Ausgabe eine vierseitige "Mini-Debatte" mit Pamphlets verschiedener Designer. Tom Ford, Kreativdirektor bei Gucci und Yves Saint Laurent, beispielsweise lässt außerhalb der Laufstege die Säume raus: "Die Modelle vom Laufsteg lassen wir für den Handel zehn Zentimeter länger fertigen." Und auch Varianten bis knapp übers Knie seien im Angebot.</P><P>Wo sich die Länge einpendelt und welcher Stil bevorzugt wird, bestimmt Frau letztlich selbst: Denn ganz vorn im Mode-Leitfaden durch das Jahr 2003 steht das Wort Individualität. Komplette Outfits werden kaum noch gekauft, prognostizieren Handelsbeobachter den neuen Trend im Konsumverhalten.</P><P>Der Mix zwischen den Stilen soll wieder mehr Spaß in die Mode bringen. Als Basis gilt die sportliche Richtung, die sich sowohl in der Athletik bedient, als auch im Wellnessbereich. Hinzu kommen Anleihen aus dem Militärbereich und dem Arbeitermilieu. Kombiniert mit romantischen und femininen Details kann die Mode so zum Abenteuer werden. Gegensätzliche Paarungen wie die Jogginghose zur High-Heels-Sandale oder das Kapuzenshirt zum Paillettenrock wird demnächst wohl öfter auf der Straße anzutreffen sein.</P><P>Die Farbpalette des Frühjahrs umfasst für die Dame viele Blautöne, Sand-Beige-Nuancen, Weiß, Pfirsich oder Zitrone und als glänzender Akzent Gold. Was den Stoff betrifft: Passend zum Sport erlebt die Baumwolle ein großes Comeback. Womit die modebewusste Kundin unbedingt ihren Kleiderschrank auffüllen sollte, fasst Elke Giese so zusammen: "Eine Hose im Piraten-Stil, eine in der weiten Cargo-Form, knappe Polos und einen kurzen Fliegerblouson mit Strickbündchen."</P><P>Der modebewusste Mann bewegt sich in ganz ähnliche Richtungen. Auch hier lösen sich die Bekleidungsvorschriften zu Gunsten persönlicher Stilfindung auf, kommen entscheidende Akzente vom Sport. Lässigkeit dominiert in allen Bereichen. Unter dem Smoking ein edles T-Shirt, zum Hemd statt der Krawatte Schal oder Tuch, die Ablösung des Anzugs durch das Einzelsakko sind Beispiele aus dem Ideen-Fundus.</P><P>"Das extrem Schäbige des vergangenen Jahres weicht einer ungebügelten Nachlässigkeit", sagt der Düsseldorfer Trendanalyst Volker Orthmann. Er sieht weiterhin Chancen für Vintage, dem Bekenntnis zum Alten und Gebrauchten, nur eben subtiler interpretiert. Helligkeit, Sonnen gebleichte Töne oder Waschungen prägen die Optik der neuen Männermode, Baumwolle und Leinen ihren Hang zur Natürlichkeit.</P><P>Am Hemd kommt im nächsten Frühjahr wohl niemand vorbei. "Es ist das Schlüsselelement schlechthin", beteuert Doris Hartwich. Die Designerin aus München mit eigener Herrenkollektion ist vom Erfolg des Klassikers überzeugt. "Man trägt Hemden als Jacke und sieht dennoch sehr angezogen aus. Die Möglichkeiten von Drucken über feine Reliefs bis zu geknitterten Oberflächen sind nahezu unbegrenzt."</P><P>Für den darauf folgenden Herbst-Winter prophezeien die Experten bereits eine weitere Vertiefung der neuen Modefreiheit. Unterschiedliche Kulturen vermengen sich ebenso wie konträre Stile, Farben, Stoffe und Muster. 2003 wird wohl ein Jahr, das auch Mut in der Mode erfordert.</P>

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