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Bundespräsident Joachim Gauck kommt am 10.05.2015 in Lübeck (Schleswig-Holstein) zur zentralen Gedenkfeier für den Schriftsteller Günter Grass in das Lübecker Theater.

Gedenken mit Wehmut und Respekt

Feierlicher Abschied von Günter Grass in Lübeck

Lübeck - Fast überlagerte bei der Gedenkfeier für Günter Grass in Lübeck die Politik die Kunst. Gäste und Redner würdigten seine Werke, aber fast noch öfter seine Einmischung, den politischen Menschen Grass.

Mit einer wehmütigen und auch politischen Gedenkfeier hat Deutschland Abschied von Günter Grass genommen. Knapp vier Wochen nach seinem Tod gedachten in seiner Wahlheimat-Stadt Lübeck 900 Gäste aus Kultur, Politik und Gesellschaft des Literaturnobelpreisträgers. Grass war am 13. April im Alter von 87 Jahren in Lübeck gestorben.

Der Hauptredner, US-Autor John Irving („Garp und wie er die Welt sah“) und enge Freund, würdigt Grass als einzigartig. „Es gibt keine Schriftsteller mehr - keine wie ihn.“ Grass habe immer verlangt, man müsse zornig bleiben. Nicht nur in dieser Hinsicht nehme er seinen Freund Günter Grass als Vorbild.

Irving erinnerte an den Spielzeughändler aus der „Blechtrommel“, von dem die Hauptfigur Oskar Matzerath seine Trommeln bezog. Er wisse jetzt, wie sich Oskar gefühlt habe, als dieser Mann, der Jude Sigismund Markus, von den Nazis in den Selbstmord getrieben, plötzlich nicht mehr da war. „Günter Grass war der König der Spielzeughändler. Jetzt hat er uns verlassen und alles Spielzeug aus dieser Welt mitgenommen“, sagte Irving.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte den Liternobelpreisträger als unerschütterlichen Mahner, der sich nicht zu schade gewesen sei, sich immer wieder mit der „stinkenden Realität“ auseinanderzusetzen. „Günter Grass steht wie kaum ein anderer für den Künstler als kritisches Korrektiv demokratischer Politik.“

Unter den Gästen waren auch zahlreiche SPD-Spitzenpolitiker. Grass hatte die Sozialdemokraten lange unterstützt, besonders Willy Brandt. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel betonte, Grass habe bis zuletzt auch gegenüber der SPD immer sein Prinzip der „kritischen Solidarität“ gelebt. „Er hat mir immer wieder Ratschläge gegeben, auch ungebeten. Am meisten wird mir der Schriftsteller Günter Grass fehlen.“

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) sagte: „Günter Grass war ein kolossal mutiger Mensch“, denn er habe sich immer wieder ohne Rücksicht auf sich selbst eingemischt. „Günter Grass wird fehlen. Als Schreiber ebenso wie als Störenfried.“

Der Autor Adolf Muschg sagte am Rande der Gedenkfeier, Günter Grass sei einer der wenigen Jahrhundertdichter. Der 33-jährige Schriftsteller Benjamin Lebert bedauerte: „Ich habe einen literarischen Großvater verloren.“ Der Schauspieler Mario Adorf lobte, Grass habe sich nie einfach zurückgelehnt, sondern seine Stimme erhoben.

Auch andere Sozialdemokraten würdigten Grass. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte: „Er war für mich ein kluger und sehr kritischer Ratgeber.“ Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz bekannte, Grass habe „uns alle fasziniert“. „Er war ein Demokrat, der sich immer eingemischt hat.“ Und Nordrhein-Westfalens Regierungschefin Hannelore Kraft bekannte: „Mir fehlt der Mensch Günter Grass.“

In der Gedenkfeier las die Grass-Tochter Helene das Gedicht „Mir träumte, ich müsste Abschied nehmen aus dem Buch „Die Rättin“ (1986). Darin heißt es: „Ich schreibe zum Schluß meinen Feinden ein Wort: Schwamm drüber - oder: Es lohnte den Streit nicht. Auf einmal habe ich Zeit.“

Mehrmals kam die Geburtsstadt von Grass, Danzig, zur Sprache. Das Oberhaupt Danzigs, Pawel Adamowicz, dankte Grass für seinen Einsatz für Danzig und Polen.

Grass wurde bereits Ende April im engsten Familienkreis in seinem langjährigen Wohnort Behlendorf im Süden Lübecks beigesetzt.

dpa

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