Günther Beckstein - im Internet bisher ein Nobody

"Ich schwöre Treue der Verfassung des Freistaates Bayern, Gehorsam den Gesetzen und gewissenhafte Erfüllung meiner Aufgaben, so wahr mir Gott helfe." Günther Beckstein steht im Bayerischen Landtag und spricht die Worte, die ihn ganz offiziell zum Ministerpräsidenten machen. Der bayerische Innenminister ist der bayerische Ministerpräsident. Und im Internet?

Beckstein kam 1943 in Hersbruck zur Welt. Er ist evangelisch-lutherisch, verheiratet, hat drei Kinder, und seine Frau heißt Marga. Er lebt in Nürnberg-Langwasser. Der ausgebildete Jurist begann seine politische Karriere 1973 als Bezirksvorsitzender der Jungen Union von Nürnberg-Fürth. 1993 berief ihn sein Vorgänger, Edmund Stoiber, als Innenminister in das bayerische Kabinett.

Wer Beckstein im Internet sucht, findet diese Daten - mehr nicht. Denn Beckstein, der neue Leiter der bayerischen Geschicke hat keine Homepage. Und selbst sein Lebenslauf auf der CSU-Seite reicht nur bis ins Jahr 2001.

Im Jahr 2007 ist es eigentlich Standard, im Internet präsent und unterwegs zu sein. Viele schaffen sich dort sogar eine zweite Existenz an. Das World Wide Web gibt Antworten und stellt Fragen, liefert Informationen und hilft sich eine Meinung zu bilden. Fast jeder Politiker nutzt dieses Medium, um sich vorzustellen. Dem Wähler die Chance zu geben, sich ein Bild zu machen, von der Person und seiner Arbeit.

Der Bundestagsabgeordnete Horst Seehofer (CSU) verrät, dass er als Kind auf ein Fahrrad gespart hat und dass sein größtes Unglück der Verlust von Freunden wäre. Sein Kollege Otto Schily (SPD) hat sich schon mit dem Dalai Lama über die Definition von Bewusstsein unterhalten, und für den Landtagsabgeordneten Franz Maget (SPD) soll das neue Bayern ein zeitgemäßes Familien- und Frauenbild haben. Auf der Homepage von Becksteins Vorgänger erscheint sogar schon Stoibers letzter Gruß und Dank an die Weggefährten. Überhaupt, Stoiber verrät viel von sich, seinem Privatleben und seiner Politik.

Doch von Günther Beckstein fehlt jede persönliche Spur. Wo seine Überzeugungen stehen könnten, gibt es Wein, roten und weißen. Auf www.beckstein.de stellt sich die Winzergemeinschaft Becksteiner vor, die sich in Beckstein bei Würzburg angesiedelt hat. Die stammt auch aus Franken, ob es noch mehr Gemeinsamkeiten gibt, bleibt ungewiss. Wer unter www.guentherbeckstein.de sucht, kommt auf die Seite der CSU Nürnberg und findet wieder einen veralteten Lebenslauf.

Ganz allein steht Beckstein nicht da, mit seiner Nicht-Existenz im Internet. Auch der Bundestagsabgeordnete Ludwig Stiegler (SPD) hat keine Homepage, und die des neuen CSU-Parteivorsitzenden Erwin Huber wurde auch vernachlässigt. Mehr als ein karger Lebenslauf und ein paar alte Bilder finden sich dort nicht.

Beckstein führt seit Jahren in Umfragen die politische Sympathie-Rangliste an, und das obwohl er klare Positionen bezieht, die nicht immer für die Allgemeinheit tauglich sind. Beckstein ist bekannt, auch sein Privatleben. Seine Ehefrau, die neue First Lady, gibt Interviews und spricht über die Familie. Für seine Öffentlichkeitsarbeit wählt Beckstein bislang andere Medien als das Internet. Dass er zur Zeit das Protokoll eines Ministerpräsidenten auswendig lernt, dass er eigentlich keine neuen Möbel in seinem Büro haben will, weil er für Äußerlichkeiten keinen Sinn hat, erfährt der Leser zum Beispiel aus dem Münchner Merkur.

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