Handke verteidigt erneut Slobodan Milosevic

- Zagreb - Der Schriftsteller Peter Handke hat sich kurz nach dem Eklat um den Düsseldorfer Heine-Preis erneut auf die Seite des jugoslawischen Ex-Diktators Slobodan Milosevic gestellt.

Der im Frühjahr gestorbene Milosevic trage nicht nur keine Verantwortung für das Massaker an bosnischen Muslimen in Srebrenica 1995, er habe davon auch gar nichts gewusst, wurde Handke in einem aktuellen Interview der kroatischen Wochenzeitung "Globus" zitiert. Truppen der bosnischen Serben hatten nach der Eroberung der UN-Schutzzone Srebrenica im Juli 1995 bis zu 8000 gefangene Muslime hingerichtet. Das hatte das UN-Kriegsverbrechertribunal in einem Urteil gegen einen General 2001 festgestellt.

"Ich war beim Prozess gegen Milosevic, und es gab keinen Beweis, der ihn mit dem Massaker in Srebrenica in Verbindung bringen konnte. Er hat wahrscheinlich in jenem Moment davon gar nichts gewusst", zitierte ihn "Globus" auf kroatisch. Die Zeitschrift gilt als populäre Wochenillustrierte und berichtet über ein breites Themenspektrum.

Milosevic habe auch nicht den Krieg im ehemaligen Jugoslawien begonnen, sondern es waren die Slowenen, sagte Handke weiter. Er bezweifelte zudem die serbischen Artillerieangriffe auf die historische südkroatische Adriastadt Dubrovnik im Herbst 1991. "Ich denke, dass Dubrovnik nicht angriffen wurde, und falls es doch angegriffen wurde, dann nicht das Zentrum, nicht die Altstadt." Gerade in der Altstadt von Dubrovnik, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, hatten serbische Granaten 1991/1992 nach UN- Urteilen großen Schaden angerichtet und Menschen getötet.

Der Österreicher Handke (63) ist wegen seines Einsatzes für das frühere serbische Regime unter Milosevic umstritten. Der Ex-Diktator starb im März, bevor der Prozess gegen ihn vor dem UN- Kriegsverbrechertribunal in Den Haag beendet werden konnte. Der Schriftsteller war zur Beerdigung Milosevics am 18. März in dessen Geburtsstadt Pozarevac gekommen. "Das tat ich, weil mich seine Familie gebeten hat", wurde er von "Globus" zitiert.

Als Handke kürzlich der mit 50 000 Euro dotierte Heinrich-Heine- Preis der Stadt Düsseldorf verliehen werden sollte, kam es zum Eklat, weil sich im Stadtrat eine Mehrheit gegen die Jury-Entscheidung abzeichnete. Handke verzichtete daraufhin auf den Preis. Begründet hatte er dies damit, sich nicht weiter "Pöbeleien" von Lokalpolitikern aussetzen zu wollen.

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