+
Hollywood-Reporter Dierk Sindermann mit Tom Hanks.

Interview zu "Brücke der Spione"

Tom Hanks flehte Spielberg an: "Feuer mich!"

Er kann Liebhaber, er kann Astronaut, er kann Kapitän. Und jetzt kann Tom Hanks auch Pastor. Und das sogar im wahren Leben. Im Interview mit dem Oscar-Preisträger erzählte er auch von seinem neuen Film und verriet Privates.

Bei der Hochzeit von Allison Williams traute der Hollywood-Star nämlich die Schauspielerin und ihren Kollegen Ricky van Veen. Wieso der 59-Jährige das durfte: Er hatte im Internet für 35 Dollar einen Kurs belegt und sein offizielles Trauungs-Zertifikat erhalten.

Kann man Sie ab sofort für den Gang zum Altar anheuern?

TH: Wer sich mein Honorar leisten kann, der soll mich kontaktieren. Dann bin ich sofort da. (lacht)

Ihr Hauptjob ist sicher lukrativer. In Ihrem neuen Film „Brücke der Spione“ spielen Sie einen patriotischen Rechtsanwalt, der der beauftragt wird, den russischen Spion Rudolf Abel gegen Gary Powers, den Piloten des abgeschossenen Spionageflugzeugs U2, auszutauschen. Was tut Tom Hanks für sein Land?

TH: Ich versuche informiert zu bleiben. Für mich ist der politische Prozess in unserem Land aber gerade ein Witz. Ständig wird versucht, Dinge wie Staatsbürgerschaft neu zu definieren. Es geht allein um Machterhalt der Politiker. Ich schwanke zwischen extremen Zynismus und extremen Optimismus. Das Problem ist zu wissen, wann was angebracht ist.

Hat der Film für Sie eine persönliche Relevanz?

TH: Natürlich. Ich bin 56 geboren und der Kalte Krieg hatte so richtig begonnen, als ich 5 war. Ich kann mich gut an die Angst meiner Eltern erinnern und auch an meine. Die Welt stand vor dem Abgrund. Der Kalte Krieg stand kurz davor, zum 3. Weltkrieg zu werden. Eine falsche Gebärde, ein Schuss – und alles wäre explodiert.

Sie sind mit Steven Spielberg befreundet. Macht das eine Zusammenarbeit leichter oder schwerer?

TH: Am Set ist er mein Boss, aber er vertraut mir auch. Was nicht heißt, dass ich ihn nicht ständig mit Ideen und Einwänden überhäufe (grinst). Oft liegen wir aber eh auf derselben Wellenlänge. Es gab ein, zwei Mal Momente, wo ich morgens ihm eine Stelle im Drehbuch unter die Nase gehalten und gebrummt habe: „Das ist totale Scheiße, das dreh ich nicht. Feuer mich.“ Es stellte sich heraus, dass er mit derselben Szene auch ein Problem hatte und sie bereits geändert war. Da konnte ich nur noch sagen „I Love you“ und meinen Hintern vor die Kamera bewegen.

Dieser Rechtsanwalt James Donovan, eine historisch ebenso relevante wie unbekannte Figur, entpuppte sich damals als knallharter Verhandlungspartner mit den Russen und dem DDR-Regime. Wie steht es bei Ihnen mit dem Verhandlungsgeschick? 

TH: Schlecht. Es ist ganz leicht, mich übers Ohr zu hauen. Ich kann noch nicht mal im Laden einen Discount raushandeln. Feilschen ist eine Sprache, die ich nicht beherrsche. Deshalb hat die Rolle mich auch sehr gereizt. Ich musste über meinen Schatten springen.

Als vierfacher Vater müssten Sie doch gelernt haben, mit Ihren Kindern zu verhandeln.

TH: Wer ist denn so verrückt und verhandelt mit seinen Kids? Das sind doch kleine Tyrannen und Diktatoren. Die wachen morgens auf und verbringen den Rest des Tages damit, dich herumzukommandieren. Erst wenn sie im Bett sind, kannst du durchatmen (grinst).

Ihre vier Kinder sind zwischen 19 und 37. Hatten sie es schwer, mit dem großen Namen Hanks in Hollywood aufzuwachsen? 

TH: Sie haben sich ganz gut damit arrangiert. Meine Frau und ich haben alles getan, um die Nebengeräusche unseres Jobs von ihnen fern zu halten. Als sie klein waren, fanden sie es zum Schießen, dass Dad ständig mit neuen Frisuren, Haarfarben oder Schnurrbärten herum lief. Sobald sie alt genug waren, hab ich sie überall hin mitgenommen. So konnten sie die Welt kennen lernen. Kein schlechtes Leben.

Kann man im Rampenlicht wirklich eine völlig normale Familie sein?

TH: Zu Hause schon. Da war ich nie Tom Hanks der Schauspieler, sondern nur ihr idiotischer Dad, der sie herumkutschierte. Der Typ, den sie mal gut finden und mal weniger, weil er was verbietet. Nur wenn wir zusammen in der Öffentlichkeit sind, kann man manche Dinge nicht verhindern. Zum Beispiel, dass manche Leute völlig ausrasten, wenn man in ein Restaurant kommt.

Ihre Frau Rita Wilson hatte im Mai eine Gesundheits-Krise: Brustkrebs.

TH: Es war allein ihre Entscheidung, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Es war sehr mutig. Genauso wie es sehr mutig gewesen wäre, es zu verschweigen. Es ist eine Krankheit, die uns alle treffen kann. Wir hatten das Glück, uns die beste medizinische Pflege erlauben zu können. Rita wollte einfach mit ihrem Schritt anderen Frauen in derselben Situation Mut machen.

Wie belastend ist so eine Diagnose für die Familie?

TH: Unbeschreiblich. Rita hatte es im Dezember herausgefunden. Das heißt, Weihnachten und Silvester hatten nichts mehr mit den fröhlichen Feiern der Vergangenheit gemein. Aber die Stärke meiner Frau ist grenzenlos. Sie hatte im Mai ihren Eingriff (eine doppelte Mastektomie) und hat grade ihre letzte Behandlung hinter sich - nach über 9 Monaten. Wir sind sehr dankbar dafür, dass es alles so gut aussieht. Und vor allem sind wir für die Unterstützung dankbar, die wir von allen Seiten bekommen haben.

Gibt es eine Rolle in Ihrer 35-jaehrigen Karriere, mit der Sie sich am liebsten identifizieren?

TH: (mit gespielter Empörung) Was für eine fiese Frage! Warum fragen Sie mich nicht gleich, welches Kind ich am liebsten habe? Wissen Sie, in jede meiner Rollen habe ich immer alles reingesteckt. Man weiß natürlich nie, was am Ende dann rauskommt. Am meisten in Erinnerung geblieben ist mir „Scott & Huutsch“ (deutscher Untertitel „Eine Dogge zum Knutschen“). Weil ein Ding nach dem anderen schief gelaufen ist. Versuchen Sie mal eine emotionale Verbindung mit einem Hund zu schaffen.

Für Ihren aktuellen Film „Brücke der Spione“ haben Sie zum dritten Mal innerhalb von zwei Jahren in Berlin gedreht...

TH:…in der für mich aufregendsten Stadt der Welt. Ich habe eine Menge Freunde dort. Ein echtes soziales Netzwerk. Leider war unser Drehplan so straff, dass ich kaum Zeit hatte, was Privates zu machen.

Wie gut ist eigentlich ihr Deutsch?

TH: Hören Sie bloß damit auf. Ich hab mir die App Duolingo runtergeladen. Damit renne ich durch die Gegend und murmele deutsche Worte, um sie zu behalten. So wie „Brieftasche“ (spricht das Wort fast akzentfrei auf deutsch aus). „MEINE Brieftasche“ (im Befehlston). Ich habe das sehr energisch zu Deutschen gesagt und sie, glaube ich, sehr erschreckt (lacht).

Sindermann

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Udo Lindenzwerg: "Bordeigene Kids" sind nix für ihn
Der selbsternannte Panikrocker hatte noch nie vor, ganz klassisch eine Familie zu gründen. An seiner Haltung hat sich bis heute nichts geändert.
Udo Lindenzwerg: "Bordeigene Kids" sind nix für ihn
Ranking: Ronaldo verliert Platz eins - an diese Frau
Das dürfte Fußball-Schönling Christiano Ronaldo stinken: Im Ranking der bestbezahlten europäischen Promis verlor er Platz eins - an eine Autorin.
Ranking: Ronaldo verliert Platz eins - an diese Frau
Eckart von Hirschhausen wird Chefreporter
Der Arzt und Entertainer geht unter die Magazinmacher. Ab Januar 2018 erscheint "Stern Gesund Leben" mit ihm auch auf dem Cover sechs Mal im Jahr.
Eckart von Hirschhausen wird Chefreporter
Yves-Saint-Laurent-Museum in Marrakesch eröffnet
Der französische Modeschöpfer (1936-2008) hat über die Jahre unzählige Haute-Couture-Kreationen entworfen. Die schönsten davon werden jetzt in einer Dauerausstellung …
Yves-Saint-Laurent-Museum in Marrakesch eröffnet

Kommentare