Hans Modrow kämpft weiter für den Sozialismus

Berlin - Ein PDS-Veteran wird 80: Hans Modrow sagte wenige Tage vor seinem Geburtstag, sein Ziel sei weiterhin der Sozialismus. Im neu gegründeten 20-köpfigen Ältestenrat der Linken, den er leite, wolle er dafür sorgen, dieses Ziel im neuen Programm zu verankern.

Aus der aktiven Politik hat sich Hans Modrow inzwischen zurückgezogen. Bis 2004 saß er für die Linkssozialisten noch im Europäischen Parlament. Doch für seine Grundüberzeugung "einer gerechteren Gesellschaft in friedlichem Miteinander der Völker" will sich der Ex-Ehrenvorsitzende der PDS, die mit der WASG zur gesamtdeutschen Linken fusioniert ist, weiterhin engagieren. "Und dieses Ziel heißt für mich weiterhin Sozialismus", sagt der gelernte Schlosser wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag am 27. Januar der Deutschen Presse-Agentur dpa. Im neu gegründeten 20-köpfigen Ältestenrat der Linken, den er leite, wolle er dafür sorgen, dieses Ziel im neuen Programm zu verankern.

Die drohende Klima-Katastrophe, die Ressourcenknappheit, die immer weiter auseinandergehende Schere zwischen Arm und Reich zeigten, dass der Kapitalismus diese Probleme nicht löse. "Wenn die Menschheit weiterleben will, wird sie mit dieser kapitalistischen Entwicklung ihre Chancen verspielen", ist Modrow überzeugt. 1949 sei er aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft bewusst in die neu gegründete DDR zurückgekehrt, obwohl seine Familie inzwischen im Westen bei Hamburg lebte. Er habe nach dem Sieg der Alliierten über den Hitler-Faschismus "immer eine neue, bessere Gesellschaft gewollt."

Fünf Monate lang stand Modrow im politischen Rampenlicht - als letzter DDR-Regierungschef der SED. Kurz nach dem Fall der Berliner Mauer wählte ihn die Volkskammer am 13. November 1989 als Nachfolger von Willi Stoph zum Vorsitzenden des Ministerrates. Bei den ersten freien Volkskammerwahlen am 18. März 1990 verlor die SED-Nachfolgerin PDS die Macht an die CDU. Modrow übergab am 12. April sein Amt an Lothar de Maizière (CDU).

Der langjährige SED-Funktionär galt vielen in der DDR als Hoffnungsträger. Er hatte sich kritische Distanz zur dogmatischen Führungsspitze bewahrt. Den DDR-Machthabern Erich Honecker und Erich Mielke galt Modrow als unsicherer Kantonist, der von der Machtzentrale Politbüro ferngehalten werden musste. 1973 wurde er in die Provinz verbannt, als SED-Chef in Dresden. Erst in den Wendetagen kehrte er nach Berlin zurück.

Dass auch die DDR den Sozialismus nicht umsetzte, räumt Modrow heute ein. "Wir sind mit uns selbst nicht klar gekommen, die sozialistische Planwirtschaft hat versagt." Vor allem die Verweigerung demokratischer Bürgerrechte bewertet er heute als großes Defizit. Die SED-Propaganda habe den Menschen stets die bessere Gesellschaft vorgegaukelt. "Man kann das Leben nicht ständig schön reden, wenn es in der Realität der Menschen nicht so gut ist."

Dennoch wendet sich Modrow entschieden dagegen, die DDR ausschließlich als Unrechtsstaat zu verteufeln. In der Bildungs- und Gesundheitspolitik habe es gute Ansätze gegeben, die die Bundesrepublik nicht übernommen habe. Den Bau der Mauer rechtfertigt Modrow noch heute. "Dass nämlich der 13. August 1961 eine unübersichtliche, gefährliche Lage zwischen den Blöcken klärte, die Berlin-Krise beendete und objektiv Voraussetzungen für die Entspannungspolitik lieferte", schrieb er in seinem jüngsten Buch "In historischer Mission - Als deutscher Politiker unterwegs".

Als er 2006 in einem Interview der Bundesrepublik eine Mitschuld am Bau der Mauer gab, irritierte der überzeugte Sozialist auch die eigenen Genossen. Die Position vertritt Modrow noch heute. "Der Warschauer Pakt hat die Mauer beschlossen, aber der Westen hat sie mitgetragen. Er hat sich nicht aktiv für den Abbau der Mauer eingesetzt, auch nicht bei den Vereinten Nationen", sagt Modrow.

Stolz ist der promovierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler heute noch darauf, dass er in seiner kurzen Zeit als DDR-Regierungschef die Ergebnisse der Bodenreform - die großen Enteignungen zwischen 1945 und 1949 - und den Erwerb volkseigener Häuser und Grundstücke für die DDR-Bürger (Modrow-Gesetz) festschreiben konnte. Seine Kritiker werfen ihm vor, die Grundstücke seien vor allem an Funktionäre verscherbelt worden.

dpa

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