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Liebeskummer lohnt sich nicht: Hape Kerkelings Album klingt mehr nach Comedy als nach Schlager-Karriere.

Humorist bringt Schlager-CD heraus

Hape Kerkeling: Ich bin dann mal singen

München - Comeback auf Silberscheibe: Hape Kerkeling meldet sich zurück, mit einer Schlager-CD. Wir haben schon mal reingehört:

Ein Hape Kerkeling lässt sich nichts verbieten – und das Singen schon gar nicht. Schließlich hat der Universalunterhalter schon immer gesungen. Als Schüler in der Band „Gesundfutter“ mit 300 verkauften LPs. Dann beim herrlichen „Hurz“, der unvergessenen Klassik-Verlade auf höchstem Loriot-Niveau. Und natürlich als Uschi Blum, Schlagerdiva in der Spätphase, die ihm mit „Sklavin der Liebe“ beinahe einen Hit bescherte. Doch um ein komplettes Album aufzunehmen – dazu musste das einstige „Hannilein“ beinahe 50 werden. Im Dezember feiert das ewige große Kind Hape runden Geburtstag. Doch sein erstes Schlager-Album, mit dem er sich selbst beschenkt, gibt’s schon ab heute. Kerkelings neueste Reise: Ich bin dann mal singen.

Benannt hat er seine Platte „Ich lasse mir das Singen nicht verbieten“ nach einem 1974er-Feger von Tina York. An die Jack-White-Komposition, deren Text Hape leicht verändert hat, erinnert sich kaum mehr jemand. Und an die Schwester von Mary Roos erst recht nicht. Doch Schlager-Verehrer Kerkeling hat sie alle parat, die Stars und vor allem die Eintagsfliegen, die damals bei Dieter Thomas Heck durch die Studios der Berliner Union-Film flatterten, unter der Regie von Truck Branss, und beklatscht von Hitparaden-Oma Frieda Zölle. „Eigentlich wollte ich schon immer so wie die Schlagersänger werden, die ich aus meiner Kindheit und Jugend kenne oder die eine besondere Bedeutung für mich haben“, verrät Hape, der für sein Album die Titel aussuchte.

Herausgekommen ist ein liebevoll zusammengestellter und überwiegend obskurer Mix. Die meisten Songs stammen ursprünglich von Frauen. Ireen Sheers „Feuer“ singt Hape mit dem Originaltext von Jean Frankfurter, der heute für Helene Fischer leider keine so großartigen Songs mehr schreibt. Ein Frauentext ist das, der mit den Worten „Ich lass’ mich nicht von den Männern dressieren, hab’ ich geschworen“ beginnt. Hape singt ihn wie einst Mrs. Sheer, ganz schwüle Diva, und erklärt: „Soweit ich weiß, hat noch kein männlicher Schlagersänger einen Text gesungen, der ursprünglich für eine Frau geschrieben war und in dem sie einen Mann ansingt.“

An viele Künstler erinnern sich nur noch Hardcore-Heck-Fetischisten. „Herzen haben keine Fenster“ von Elfi Graf singt er, „Fahrende Musikanten“ von Nina & Mike, und „Porque te vas“ von Jeanette gleich in zwei Versionen, weil sich Hape nicht zwischen Deutsch und Spanisch entscheiden mochte. Oder „How Do You Do“, vom Holland-Duo Mouth & MacNeal, das er mit Mary Roos neu einspielte. Dazu gibt’s eine flirrende Disco-Version von „Hurz“. Und Horst Schlämmer schlämmert zusammen mit Gefährtin Gisela „Liebeskummer lohnt sich nicht“.

Dass Hape seine Schlager liebt und ehrt, hört man jedem der 16 Songs an, deren Produktion zwischen Opulenz mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg und bummsenden Beats schwankt. Dass es eine erstklassige Entscheidung war, Komiker zu werden und nicht Sänger, hört man allerdings auch – damals bei Heck hätte es Hape mit dünner Stimme schwer gehabt zwischen Dorthe Kollo und Chris Roberts, den Hitparaden-Fans Applaus zu entlocken. Das Ganze klingt dann doch mehr nach Comedy als nach später Schlager-Karriere. Aber: Man hört, wie viel Spaß er hatte. Wer alte Schlager liebt oder Hape oder am besten beides, der sollte sich das Hören nicht verbieten lassen.

Jörg Heinrich

Hape Kerkeling:

„Ich lasse mir das Singen nicht verbieten“ (Sony).

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