Harald Schmidt und andere TV-Turbulenzen

- Hamburg- Das Fernsehjahr 2003 endete mit einem Paukenschlag: Am Montagmorgen, 8. Dezember, gab die ProSiebenSAT.1 Media um 11.37 Uhr das Aus der "Harald Schmidt Show" bekannt. Nach acht Jahren trat der Komiker, der bei SAT.1 "lebenslänglich" durchhalten wollte, seinen Rückzug an. Für den Berliner Privatsender schloss das Jahr so mit ungeahnten Turbulenzen. Noch vor kurzem hatte SAT.1 wie der strahlende Sieger 2003 ausgesehen.

<P>Vier Tage vor Harald Schmidts Aus hatte SAT.1-Geschäftsführer Martin Hoffmann abrupt seinen Platz für seinen Nachfolger Roger Schawinski räumen müssen. Mit Hoffmann, dem 44-jährigen Juristen, war es dem Sender im Herbst gelungen, sich ein wenig aus dem Schatten des schier übermächtigen Konkurrenten RTL zu lösen. Hoffmann hatte in diesem Jahr mit Real-Reihen wie "Niedrig und Kuhnt" und "Lenßen & Partner" Boden gut gemacht und sich mit dem Zweiteiler "Das Wunder von Lengede" die Krone aufgesetzt. Im August war nach 18-monatigem Tauziehen Deutschlands größter TV-Konzern ProSiebenSAT.1 an den US- Milliardär Haim Saban verkauft worden.</P><P>Konkurrent RTL hatte Mühe, im Herbst den deutlichen Vorsprung zu wahren. Zwar ging das Konzept mit der Mischung aus bewährten Serien wie "Abschnitt 40" oder "Die Cleveren", Shows wie "Wer wird Millionär?" oder Boulevardmagazinen auf, der Marktführer konnte aber keine innovativen Zeichen setzen. Die Serie "Krista" wurde vorzeitig abgesetzt, der "Millennium Mann" funktionierte nicht, und "Der Bachelor" erwischte einen mäßigen Start. Die zweite Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" lief nicht sehr dynamisch an.</P><P>Die "Superstars" hatten RTL im März, auf dem Höhepunkt der Werbekrise, zu einem ungeahnten Höhenflug verholfen. Das Finale der aus England stammenden Show sahen rund elf Millionen Zuschauer. Daniel Küblböck und Sieger Alexander Klaws traten ihren Siegeszug an. Dieter Bohlen, der Macher und Chefjuror, ließ sich als Idol feiern. Die anderen Sender konnten den Castingshowboom nur begrenzt nutzen. RTL II erlebte mit der "Fame Academy" einen Rückschlag, die ARD mit "Deutschlands Talente" zu Gunsten der Fernsehlotterie eine regelrechte Pleite.</P><P>Die ARD musste noch die eine oder andere Enttäuschung wegstecken. Michel Friedman gab im Juli nach seiner Drogenaffäre den vorläufigen Rückzug aus dem Talkgeschäft bekannt, Gabi Bauer ist von den Marktanteilen her nach wie vor kein Ersatz, Sandra Maischbergers Start beim Ersten verlief schleppend. Mit Michael Spreng bei Maischberger wird zum Jahreswechsel der erste Redaktionsleiter das Feld räumen. Auch das Magazin "Bunte TV" erwischte nicht nur einen schwachen Start, sondern wurde noch ARD-intern von einigen Chefredakteuren scharf torpediert. Das Format wird zum Jahresende eingestellt.</P><P>Abschied nehmen hieß es im April von "Ally McBeal" bei Vox. Dieter Hildebrandt, Kabarettist aus Passion, gab am 2. Oktober bei der ARD seinen Ausstand. Still und leise verschwand Barbara Schöneberger im ZDF mit ihrer Show vom Bildschirm. Wo die begabte Nachwuchs- Entertainerin landen wird, ist offen. Für ehemals renommierte Namen wie Ingo Dubinski und Michael Schanze ist im überregionalen TV gegenwärtig überhaupt kein Platz mehr. Dagegen ist es Elke Heidereich gelungen, dem Buch mit ihrer ZDF-Sendung "Lesen!" zur Bildschirm- Renaissance zu verhelfen.</P><P>Neugier weckte RTL II mit der Actionserie "24", die im Frühjahr in die zweite Staffel gehen soll. Die Dokusoap "Frauentausch" wurde bei dem Münchner Sender zum Hit, "Afterwork TV", ein tägliches Magazin, wurde dagegen schon nach wenigen Tagen aus dem Programm gekegelt. Filme klappten und klappten nicht: Der Mehrteiler "Napoleon" erreichte im ZDF große Resonanz, "Casanova" (SAT.1) und "Mein letzter Film" (ARD) mit Hannelore Elsner müssen als Flops bezeichnet werden. Ein großes Comeback setzte in der ARD jedoch einen Höhepunkt: Die "Sportschau" mit der Fußball-Bundesliga ist so aktuell wie nie zuvor.</P>

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