Harald Schmidt ist politischer

- Hamburg - Harald Schmidts erste ARD-Show in diesem Jahr war deutlich mehr auf die großen Themen Politik und Wirtschaft zugeschnitten als seine Auftritte bis Ende 2003 bei Sat.1. Am Mittwochabend ließ der 47-jährige Entertainer kaum einen Vorgang aus, der im politischen Geschehen in diesem Jahr eine Rolle gespielt hatte: den geplanten Besuch von US-Präsident George W. Bush in Deutschland, den von US-Außenministerin Condoleezza Rice geprägten Begriff des "Vorpostens der Tyrannei", die Diskussion um die Maut und den neuen Airbus.

2,26 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 13,1 Prozent) verfolgten die Späße. Schmidt und sein Beisitzer Manuel Andrack hatten sich selbst eine Million Zuschauer als Vorgabe gesetzt. Der Kabarettist erlaubte sich auch einen Seitenhieb gegen die anderen Late-NightTalks wie Kerner (Jahresdurchschnitt 2004: rund 1,6 Millionen), Beckmann (1,75 Millinen) und Maischberger (1,1 Millionen) - seine Premiere am 23. Dezember verfolgten 5,16 Millionen Menschen, und diese Zahl war damit auch sein Jahresdurchschnitt.<BR><BR>Dezent ging der 47-Jährige mit der Flutkatastrophe in Asien um, die er nur am Rande streifte: Die Welt sei enger zusammengerückt, sagte Schmidt eingangs seiner Show und ließ den Zuschauer zunächst glauben, er meinte den Tsunami. "Das liegt auch daran, dass George Bush zum zweiten Mal vereidigt wird", sagte Schmidt.<BR><BR>Den Mord am Modemacher Rudolph Moshammer verarbeitete er in einer Filmsequenz: Im Stile Moshammers am Steuer seines Rolls Royce fuhr Schmidt mit seinem Jaguar im Schritttempo am Kölner Hauptbahnhof entlang und bat Kompagnon Andrack in sein Auto.<BR><BR>Neu war an Schmidts Sendung, dass er Nachrichtenbilder aus der "Tagesschau" und den "Tagesthemen" verwendete, und Egon Hoegen, den Sprecher des ARD-Ratgebers "Der 7. Sinn", einsetzte. Der musste nicht Straßenverkehrstipps verlesen, sondern ein Gedicht ("Gefrorene, schwule Schildkröte") des jungen Musikers und Dichters Adam Green vortragen, Schmidts Gast am Donnerstag.

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