"Herbergers fliegender Schulmeister" wird 75

- Düsseldorf/Aachen - "Große Bahnhöfe" liebt Fritz Herkenrath nicht. "Da bin ich kein Freund von." Gefeiert wird im Aachener Stadtteil Walheim im kleinen Rahmen, auch wenn es um einen der Großen des deutschen Fußballs geht: "Sepp Herbergers fliegender Schulmeister", wie Herkenrath wegen seines Berufs als Lehrer oft genannt wurde, wird heute 75 Jahre alt.

<P>21 Länderspiele hat er im Tor der deutschen Nationalmannschaft bestritten, war mit Rot-Weiß Essen deutscher Meister (1955) und stand 1958 bei der Weltmeisterschaft in Schweden bis zum Halbfinale zwischen den Pfosten.</P><P>"Beim Singen all dieser Loblieder ist doch ohnehin die Hälfte geschwindelt", will Herkenrath wenig von öffentlichen Huldigungen wissen. Bescheiden verweist er darauf, dass "der Geburtstag meiner Frau Franziska viel mehr wert ist als mein eigener". Frau Herkenrath ist drei Tage jünger als der Jubilar, der eine kritische Distanz zum Fußball von heute hat: "Wir haben früher unseren Sport noch mit Herz bestritten."</P><P>Als Handball-Torwart machte der gebürtige Kölner mit 17 Jahren erste Gehversuche beim TV Dellbrück, ehe er zu Preußen Dellbrück ins Fußball-Tor wechselte. "Man hat mich einfach reingestellt und nicht wieder rausgelassen." Schon ein halbes Jahr später stand er in Sepp Herbergers Notizbuch. Der damalige Bundestrainer leitete an der Sporthochschule in Köln einen Lehrgang und bat Herkenrath hinzu - der Beginn einer Karriere, der ein krönender Abschluss versagt blieb.</P><P>1954 in der Schweiz war Toni "Fußballgott" Turek die unumstrittene Nummer 1, vier Jahre danach wurde Herkenrath im WM-Halbfinale in Schweden von Heiner Kwiatkowski abgelöst. "Fußball ist nicht Alles", war eine der Maximen Herkenraths, der bis zum Studien-Professor an der pädagogischen Hochschule Aachen aufstieg. Nebenbei schrieb er ein Buch über Fußball ("Mit dem Fußball um den Erdball").</P><P>Viel könnte der Jubilar erzählen, vom Streit seines Vaters mit Preußen Dellbrück, weswegen Herkenrath zum 1. FC Köln wechselte, dort aber hinter dem Niederländer Frans de Munck nur Reservist war. "Das war die bitterste Pille, die ich als Sportler schlucken musste." Nach 13 Oberliga-Einsätzen beim Geißbock-Club (1951/1952) wechselte Herkenrath zu Rot-Weiß Essen, wo er seine Karriere 1962 beendete. "Dort hatte ich meine allerbeste Zeit."</P><P>Reich geworden ist Herkenrath mit dem Fußball nicht. Eine Prämie steht ihm eigentlich noch zu. Bei einer Südamerika-Tournee 1954 hatte ein Spiele-Vermittler dem DFB-Team ein Honorar von 20 000 Dollar zugesichert - und verschwand mit dem Betrag. "Auf mein Geld warte ich bis heute", schmunzelt Herkenrath. Ein Empfang beim Papst oder beim argentinischen Staatspräsidenten entlohnten ihn auf andere Weise.</P><P>Fritz Herkenrath erfreut sich guter Gesundheit, genießt Spaziergänge mit seiner Frau oder Ausflüge mit dem Wohnmobil. Und das Leben in der Familie mit seinen zwei Töchtern, einem Sohn und fünf Enkelkindern.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trauer in der Modewelt: Azzedine Alaïa ist tot
Im Alter von 77 Jahren ist Modedesigner Azzedine Alaïa gestorben. Der Tunesier hatte seinen Durchbruch in den 1980er Jahren gefeiert.
Trauer in der Modewelt: Azzedine Alaïa ist tot
AC/DC-Legende Malcolm Young ist tot
Der AC/DC-Mitbegründer Malcolm Young ist tot. Das teilte die Rockgruppe am Freitag auf ihrer Webseite mit. Young wurde 64 Jahre alt.
AC/DC-Legende Malcolm Young ist tot
Ohne ihn gäb's kein "Highway to Hell": Malcolm Young ist tot
Hardrock-Klassiker wie "Highway to Hell" wären ohne ihn undenkbar gewesen. Der Gründer, Songwriter und ehemalige Gitarrist der Kultband AC/DC starb im Alter von 64 …
Ohne ihn gäb's kein "Highway to Hell": Malcolm Young ist tot
Ein Gig als Gesamtkunstwerk: Gorillaz begeistern in Berlin
Kann man eine Cartoon-Band live präsentieren, ohne dass der schräge Witz des Konzepts leidet? Die Gorillaz um Blur-Frontmann Damon Albarn beantworten diese Frage …
Ein Gig als Gesamtkunstwerk: Gorillaz begeistern in Berlin

Kommentare