Hochzeit ohne Kuss und Pomp

- Windsor/London - Königin Elizabeth II. (78) vermied auf den Stufen vor der St. George's Chapel von Schloss Windsor jeden Blickkontakt mit der Braut. Den Gottesdienst für die Frischvermählten verfolgte sie mit unbewegter Miene.

<P>"Die Queen ist keine Schauspielerin, an ihrem Gesicht kann man stets ablesen, wie sie sich fühlt", sagte der BBC-Kommentator. Beobachter hatten fast das Gefühl, die Beteiligten absolvierten die königliche Hochzeit im bescheidenen Rahmen nach dem Motto "Augen zu und durch". Nicht einmal einen Kuss erlaubten sich Prinz Charles (56) und Camilla (57).</P><P>Der Thronfolger zupfte während des kirchlichen Segens ständig nervös an seinen Manschetten und zwang sich vor der Kapelle sein Lächeln förmlich ab. Camilla mühte sich, ihren Kopfschmuck nicht vom Winde verwehen zu lassen. Beide hatten auch unsicher gewirkt, als sie zuvor Arm in Arm zögerlich aus dem Standesamt schritten. Erst im Rolls Royce strahlte die gerade zur Herzogin von Cornwall Erhobene und winkte den jubelnden Menschen zu.</P><P>Kein Vergleich war es zur rauschenden Märchenhochzeit von Charles und Diana Spencer im Jahr 1981, als sich Kutsche an Kutsche reihte und 600 000 Untertanen den Weg zur St Paul's Cathedral säumten. Majestäten und Hoheiten aus aller Welt hatten sich eingefunden. Am Samstag in Windsor waren es nur bis zu 20 000 Zaungäste und ein einziges Luxusauto für das Brautpaar, das nur wenige Minuten durch die Straßen der Kleinstadt fuhr.</P><P>Nach dem Willen von Königin Elizabeth II. sollte die Hochzeit ihres ältesten Sohns "maßvoll" und möglichst unauffällig über die Bühne gehen. Schließlich hatten Charles und Camilla in mehr als 30 Jahren leidenschaftlicher Beziehung ihre Ehen zerstört.</P><P>Deshalb war die Queen nicht einmal im Standesamt dabei - dafür aber wachte dort im kleinen Ascot-Raum die in Öl gemalte sittenstrenge Königin Victoria über die Trauungszeremonie. Die Standesbeamtin Clair Williams (45) hielt dem Brautpaar sicherlich keine Moralpredigt - sie ist selbst geschieden.</P><P>Einer königlichen Hochzeit angemessener ging es dann in der historischen St George's Chapel mit Klängen von Bach und Händel zu, als sich Charles im Frack und Camilla im golddurchwirkten hellen Kleid mit angedeuteter Schleppe vor dem Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, und den 800 geladenen Gästen ewige Treue gelobten. Doch auch dort musste sich das Brautpaar nach den Vorschriften der anglikanischen Kirche das Büßergewand anlegen und um Vergebung für die Schuld an ihren gescheiterten Ehen bitten: "Wir bekennen uns zu unseren mannigfaltigen Sünden und beklagen unsere Schlechtigkeit."</P><P>Die Fähnchen wedelnden Zaungäste am Straßenrand von Windsor sahen die Hochzeit offenbar entspannter als die Queen. "Wir sind gekommen, um Charles zu unterstützen, denn Unterstützung hat er ja offenbar nicht so viel bekommen. Wir haben ein bisschen Mitleid mit ihm", sagte Barbara Murray (41), die mit ihrer Familie in der Nähe des Standesamtes gezeltet hatte, um einen Blick auf das Brautpaar werfen zu können.</P><P>Auch die durchaus nicht unkritische britische Hofberichterstatterin Jennie Bond legte sich für den Thronfolger und seine Frau ins Zeug: Seelenverwandt seien die beiden, sie passten zusammen "wie ein bequemes Paar alter Pantoffeln". Den Untertanen des künftigen Monarchen predigte sie: "Wenn die Jahre vergehen und wir uns daran gewöhnt haben, die Herzogin von Cornwall an der Seite von Charles zu sehen, wird sie letztlich die Anerkennung bekommen, die ihr meiner Meinung nach zusteht: Königin Camilla genannt zu werden."</P>

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