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„Das ist unsere Zeit“ – so heißt das neue A­lbum von ­Howard Carpendale, und damit geht er auf Tour.

Schlagerstar lebt im Hier und Jetzt

Howard Carpendale: "Ich bald 70? Das kann nicht wahr sein"

München - Dass er 69 ist, kann er selbst kaum glauben – und wer mit ihm spricht, gleich gar nicht. Klar also, dass Howard Carpendale noch lange nicht an Ruhestand denkt: Er ist wieder auf Tour, am Donnerstag kommt er in die Münchner Olympiahalle. Redakteurin Katja Kraft traf ihn zum Interview:

Ihr Album heißt: „Das ist unsere Zeit“. Was bedeutet Ihnen Zeit? 

Howard Carpendale: Zeit bedeutet für mich mehr als alles andere dieser ewige Versuch, im Hier und Jetzt zu leben. Das ist schwierig. Ich weiß, wie schwierig das ist, denn ich versuche es seit vielen Jahren. Das ist eigentlich der Sinn des Lebens, jeden Moment zu genießen, den man bewusst lebt. Und es ist eine Tatsache, dass es kaum ein Mensch schafft, wirklich bewusst zu leben – gerade in unserer heutigen Welt. Sonst hätten wir nicht die ganzen Kriege und den Mist.

Haben Sie für sich schon eine Antwort gefunden, wie man jeden Moment genießen kann?

Carpendale: Nun, es gibt Tricks, um sich wach zu machen. Aber im Prinzip sind wir, glaube ich, alle in einer Welt, in der wir Dinge automatisch machen, statt sich wirklich bewusst zu sein, was mache ich jetzt gerade?

Ist das schlimmer geworden durch Handy, Internet und die ständige Reizüberflutung?

Carpendale: Ob es schlimmer geworden ist, weiß ich nicht. Es ist sicherlich symptomatisch für ein weiteres Problem, das die Welt hat – dieses sich Verlassen auf Navigationssysteme. Da lehnt man sich zurück und lässt sich irgendwo hinfahren. Dabei wäre es besser, das Fenster mal runterzurollen und jemanden zu fragen: Wo ist das? Und wie ist es?

Was war die schönste Zeit in Ihrem Leben? Es gibt doch oft so Zeitspannen, über die man sagt: Wenn ich noch einmal zurückdürfte, dann ...

Carpendale: Ich glaube, es ist ein Armutszeugnis, wenn man nicht sagen würde: Heute ist auch toll. Doch es ist eine Lüge, wenn alle behaupten, alt werden ist so schön. Alt werden ist schwierig. Jedes Mal, wenn mir jemand sagt: „Du bist bald 70“, denke ich: Das kann doch nicht wahr sein! Ich fühle mich kein Stück danach. Ich bin unter meinen Freunden immer derjenige, der den meisten Blödsinn macht. Und ich hoffe, dass es so bleibt.

Was hält Sie jung?

Carpendale: Man muss authentisch sein. Es gibt junge Menschen, die alt sind und es gibt alte Menschen, die jung sind. Wenn Sie an einer Ampel einen tiefen Bass aus dem Auto neben Ihnen dröhnen hören, dann sitze möglicherweise ich darin. Ich will nicht anders werden. Ich will nicht sagen: Das ist zu laut.

Jetzt geht’s auf Tour. Hat man nicht irgendwann genug vom Touren?

Carpendale: Man hat genug von der Vorarbeit von Touren. Aber die muss sein. Interviews zum Beispiel (lacht). Das Reisen von Interview zu Interview nervt.

Aber das Touren an sich macht noch Spaß?

Carpendale: Ich bin krank geworden, als ich merkte, dass ich nie wieder auf der Bühne stehen werde. Ich mache nicht wegen der Kohle Konzerte. Es gibt eine gewisse Summe, die ein Mensch braucht, und das reicht. Das ist überhaupt mein Problem in der Welt: Es kann nicht sein, dass Menschen Milliarden besitzen und andere gar nichts. Da stimmt was nicht in unserer Welt, dass irgendjemand hungert und jemand anderes hat 50 Milliarden. Die Verteilung von Geld ist der größte Krieg, der auf dieser Welt stattfindet.

Tun Sie selbst etwas angesichts der Flüchtlingskrise, geben Sie selbst ab?

Carpendale: Mein Ziel ist es, 300.000 Euro im Jahr für die Welthungerhilfe zu verdienen. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es ist ein Anfang.

Das heißt, für Sie war nie das Geld, sondern immer die Musik der Antrieb?

Carpendale: Ich hab’ tatsächlich noch nie meinen Manager gefragt, was ich auf einer Tournee bekomme. Der klärt das. Das ist nicht mein Motivator. Das Geld ist schön, es ist da und man freut sich. Aber das ist nicht, was einen dazu treibt, 50 Jahre lang zu singen. Sondern es ist dieser sportliche Kampf, auf eine Bühne zu gehen – als Entertainer. Dieses Wort ist sehr wichtig. Ein Besucher, der sich seit Monaten freut, kommt um 20 Uhr, hat viel Geld dafür ausgegeben – und soll entsprechend unterhalten werden.

Interview: Katja Kraft

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