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Hubertus von der Hohenlohe

Extravaganter Prinz spricht

Von der Hohenlohe im Interview: „Man braucht eigentlich kein Flugzeug mehr“

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Seine Anzüge sind legendär, sein Leben eine rauschende Party. Im Interview spricht Hubertus von der Hohenlohe unter anderem über sein Leiben und den Jetset, den es so nicht mehr gibt. 

München - Das Leben – eine einzige rauschende Party. Wer so groß wird, zwischen Schönen, Reichen und Superstars rutscht entweder ab oder muss sich selbst erfinden. Hubert von Hohenlohe (58), einst als jüngster Prinz von Ira und Alfons von Hohenlohe im legendären Luxushotel „Marbella Club“ aufgewachsen, hat sich gleich mehreren Dingen verschrieben: der Musik (u.a. mit Falco), dem Design (entwirft Clubs und Suiten für den Marbella Club), dem Fernsehen (in seiner Trend-Sendung Hubertusjagd porträtiert er Städte und deren Menschen) und bekanntermaßen dem Skifahren (mehrfach startete er bei Olympia und Weltmeisterschaften für Mexiko, wo er 1959 auch geboren wurde). Legendär sind seine schrägen Anzüge: Poppig, witzig, ausgefallen – wie seine Kunst. Die hängt jetzt auch in München, im Restaurant Blauer Bock von Hans Jörg Bachmeier. Dort traf ihn tz-Kolumnistin Maria Zsolnay zum Interview – über seine Kunst, sein Leben zwischen Marbella, Bologna und Wien und vorallem über die Welt des Jetsets, in die Hubertus hineingeboren wurde, doch die so nicht mehr existiert...

Hineingeboren in Reichtum und Luxus könnten Sie doch jetzt nur noch Golfspielen. Aber Sie sind mit 58 Jahren anscheinend hungriger denn je aufs Leben....

tz-Kolumnistin Maria Zsolnay im Interview mit Hubertus von der Hohenlohe

Hohenlohe: Ich habe, glaub’ ich bis 40 zu wenig getan und zahl jetzt die Strafe dafür. Mein Onkel in Österreich hat gesagt, bis 50 hast du gar nichts gemacht, und jetzt arbeitest du wie ein Trottel. Er hat Recht, leider. Jetzt hab ich schon so einen kreativen Gemischtwarenladen beieinander...

Unter anderem verpassten Sie dem Gourmet-Lokal Blauer Bock mit Ihrer Kunst einen modernen Look.

Hohenlohe: Es war einfach bieder hier. Und in Unsicherheit und Not ist der Mittelweg der Tod. Jetzt ist es ein schickes, internationales Lokal geworden.

Was muss ich für einen echten Hohenlohe, wie er hier hängt, in die Hand nehmen?

Hohenlohe: So um die Zehntausend.

Ihre Inspiration?

Hohenlohe: Mein Leben ist one big collage. Ich habe ja die verschiedensten Sachen gemacht in meinem Leben, und das spiegeln die Bilder wieder. Fotografiert habe ich unter anderm in Sydney, Madrid, Denver, Florenz. Es sind kleine Szenen, die Geschichten erzählen. Im Endeffekt der gleiche Stil, wie immer, er hat sich nur etwas versophisticated.

Wo leben Sie zurzeit?

Hohenlohe: Gerade komme ich aus Wien, dort bin ich oft. Dann in Bologna, bei Simona (Simona Gandolfi, Cousine von Alberto Tomba, Anm.) meiner Lebensgefährtin. Aber auch in Spanien, in Marbella. Ich hab’ das Haus vom Vater zurückgekauft und es hergerichtet – es ist eine totale Pop-Oase geworden, wirklich cool. Wir sind sehr glücklich dort.

Und knüpfen ans Jetset-Leben Ihres Vaters Alfonso von Hohenlohe an in seinem legendären Marbella Club?

Hohenlohe: Meine ganze spanische Verwandtschaft hat dort Häuser. Die Hohenlohes sind wie ein Clan, eine Clique. Außerdem hab ich einen neuen Club aufgemacht, del Patio, eine Diskothek mit einem Pop-up-Store mit meinen Sachen.

Immer noch ein Party-Prinz, der die Nacht zum Tag macht.

Hohenlohe: Das ist das Einzige, wo ich merke, ich werde zu alt: Die Nächte gehen dort richtig lang. Um drei Uhr gehen die Leute erst aus. Das ist grauenhaft, das geht an die Substanz. Ich habe um drei Uhr morgens das Gefühl, ich muss ins Bett.

Na ja, Sie müssen am nächsten Tag ja nicht um acht Uhr am Schreibtisch sitzen.

Hohenlohe: Nein. Wir machen jetzt gezielt gute Feste, und wenn wir keine Lust haben liegen wir halt am Strand, relaxen oder fahren nach Tanger, nach Granada oder nach Ronda, wo wir ein Weingut haben. Die Gegend ist lässig und man braucht eigentlich kein Flugzeug mehr. Wir sind meist so sechs Wochen dort und machen Ausflüge mit einem kleinen Bentley-Cabrio. Und das macht Spaß (lacht). Dekadenz! Warum nicht?

Gibt es diesen Jetset noch, wie einst mit Gunter Sachs, den Gettys, den Grimaldis?

Hohenlohe: Ab und zu seh’ ich ihn. In St. Moritz, in St. Barth, ich seh’ ihn in St. Tropez, manchmal in Marbella. Aber es ist schwierig zu sehen, wer dazu gehört. Denn viele schmeißen nur mit dem Geld um sich und haben keinen Stil. Das Problem ist, die Generation von meinem Vater, von Gunter Sachs und so, die hatten wahnsinnigen Stil und so eine Leichtigkeit. Die haben nicht geprotzt, die hatten Spaß, waren kindisch. Jetzt ist es alles neureich geworden, mit viel weniger Stil.

Ich kann mich also auch in den Jetset einkaufen?

Hohenlohe: Ja, schon. Mit Geld kann man alles machen. Zum Beispiel den besten Tisch im besten Restaurant buchen. Money rules. Ein paar Stellen gibt es allerdings noch, wo du nicht reinkommst, in den Corviglia Club in St. Moritz zum Beispiel. Aber ich gehöre eigentlich nicht dazu.

Wie, Sie gehören nicht dazu?

Hohenlohe: Ich schaff das nicht immer überall zu sein – auf St. Barth, Capri, Monte Carlo, Saint-Tropez, zwischendurch zu den Big Events nach Salzburg, Venedig, London, New York. Gut, Rolf Sachs seh ich oft, der macht lustige Sachen in St.Moritz mit seinem Dracula-Club. Und in Marbella bin ich schon so ein Hauptfaktotum. Aber ich bin meist in Cortina d’Ampezzo.

Nicht gerade ein aktueller Hotspot des Jetsets...

Hohenlohe: Es hat eine kleine Dekadenz, total retro. Die Hotels sind schlecht, die Seilbahn so alt, dass man Angst hat runterzufallen. Das hat den Vorteil, dass die Pisten leer sind. So wie ich Ski fahre, in der Geschwindigkeit, kann ich in Kitzbühel nicht fahren. Es ist total überfüllt.

Heißt das, Sie trainieren wieder für Olympia?

Hohenlohe: Nein, ich trainierte nicht wieder, ich bin zwar gefahren, aber ich glaube nicht, dass ich nächstes Jahr fahren kann. Damit ich mich qualifizieren kann, muss ich echt fit sein, das wird sich nicht ausgehen. Ich hab zu viele andere Dinge zu tun.

Schade.

Hohenlohe: Na ja, ich werd’s probieren... (lacht verschmitzt) Aber es gibt einen Mexikaner, der besser ist als ich. Und die Qualifikationsregeln sind immer schwerer geworden.

Und Sie müssen sich das ganze Jahr fit halten, oder?

Hohenlohe: Ja mit Radlfahren, Springen, Sprints machen. Fit sein, ist das schönste Gefühl auf der Welt – nach Sex.

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