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In „Florence Foster Jenkins“ spielt Hugh Grant den Lebensgefährten der untalentierten, hartnäckigen Sängerin.

Britischer Star-Schauspieler im Interview

Hugh Grant ganz ehrlich: „Ich lüge so oft wie möglich“

München - Eigentlich kennt man Hugh Grant eher als charmanten Herzensbrecher in romantischen Komödien. Doch der Brite kann auch ganz anders. Wir haben den Star-Schauspieler zum Interview getroffen.

Als charmanter Herzensbrecher stolperte Hugh Grant (56) stotternd durch romantische Komödien wie Vier Hochzeiten und ein Todesfall, Notting Hill oder Tatsächlich ... Liebe. Dass er auch anders kann, zeigt er in Florence Foster Jenkins: Da berührt er als aufopferungsvoller Lebensgefährte der Titelheldin (Meryl Streep), die als schlechteste Sängerin aller Zeiten berühmt geworden ist. Ein berührender Film für die Adventszeit, der jetzt in den Kinos läuft. Beim Filmfestival von San Sebastián sprachen wir mit dem Engländer.

Herr Grant, ist Regisseur Stephen Frears am Set eigentlich genauso wortkarg wie in Interviews?

Hugh Grant: In der Tat. Ich hatte richtig Schiss vor ihm, weil er so viele tolle Filme gedreht hat. Bei unserem ersten Treffen hatte ich rund 20 intelligente Fragen zum Drehbuch vorbereitet, doch er antwortete jedes Mal: „Keine Ahnung.“ Anfangs dachte ich, das wäre ein Spiel oder ein Test, bis ich begriff: Das ist seine Arbeitsweise. Es lässt die Dinge einfach geschehen – ähnlich wie Woody Allen, der seinen Darstellern auch nie Regieanweisungen gibt.

Wie oft haben Sie mit Meryl Streep vor der Kamera einen Lachanfall bekommen?

Grant: Sehr oft. In dieser Hinsicht konnte ich mich leider noch nie beherrschen. Deshalb musste ich auch mit dem Theaterspielen aufhören: Ich konnte einfach nicht ernst bleiben, wenn das Publikum über eine witzige Dialogzeile lachte. Meryl Streep hat meine Schwäche am Set schamlos ausgenutzt – wenn sie merkte, dass ich mich kaum zurückhalten konnte, hat sie extra aufgedreht, bis ich losprusten musste.

Wie war es, mit ihr zu arbeiten?

Grant: Nun, zunächst hatte ich furchtbar Angst, dass ich als jemand, der von der leichten Muse kommt, neben einem Schauspiel-Genie wie Meryl niemals bestehen könnte. Um meine Nerven zu beruhigen, habe ich zum ersten Mal in meiner Laufbahn intensiv recherchiert. Ich bin sogar nach New York geflogen, weil im Lincoln Center die Tagebücher und Briefe meiner Filmfigur St. Clair Bayfield aufbewahrt werden. Was ich da las, hat mich wirklich erschüttert.

Inwiefern?

Grant: Es wurde deutlich, dass er ein talentloser, gescheiterter Schauspieler war, der zeitlebens vergeblich um Rollen gebettelt hat. Das war der Schlüssel für meine Darstellung: Ich wollte den Zuschauern vermitteln, dass unter der Oberfläche dieses eleganten und eloquenten Gentlemans eine verzweifelte, tragische Existenz lauert.

Und auf welchen Gebieten würden Sie sich denn selbst als untalentiert bezeichnen?

Grant: Oh, ich fürchte, ich bin auf den meisten Gebieten eine talentfreie Zone. Ich wäre etwa schrecklich gern ein guter Rennfahrer und habe deshalb in den vergangenen Jahren in Schweden einige Autorennen bestritten – vermutlich eine peinliche Folge meiner Midlife-Crisis. Aber ich war schlichtweg miserabel. Immerhin sah ich in meinem Rennfahreranzug ziemlich schick aus. Fand ich zumindest.

St. Clair Bayfield sagt seiner Frau nicht die Wahrheit, weil er sie nicht verletzen möchte. Wie halten Sie es persönlich mit der Ehrlichkeit?

Grant: Von der Wahrheit habe ich noch nie viel gehalten – im Gegenteil: Ich finde es wichtig, so oft wie möglich zu lügen. Zum Beispiel immer dann, wenn eine Frau wissen will, wie sie aussieht. Das habe ich von meinem Vater gelernt. Der konnte das sehr gut. Auch bei der Beurteilung künstlerischer Leistungen ist Schwindeln stets angebracht. Wenn ich Leute frage, wie ich ihnen in einem bestimmten Film gefallen habe, antworten sie oft: „Darf ich offen sein?“ Dann sage ich: „Auf keinen Fall!“

Wie reagieren Sie, wenn eine Ihrer Erfolgskomödien im Fernsehen läuft?

Grant: Ich schalte um. Meinen Anblick ertrage ich einfach nicht. Wenn ich beim Zappen auf einen alten Film mit mir stoße, denke ich nie: „Wow, das war gut!“ Stattdessen schießt mir durch den Kopf: „Mist, die Szene hast du richtig versaut!“ Oder: „Warum zum Teufel hast du das getan?“

Manche dieser Filme sind aber gar nicht so übel …

Grant: Mag sein. Doch romantische Komödien waren noch nie mein Ding. Ich hätte mir diese Karriere nie freiwillig ausgesucht, bin bloß irgendwie auf diese Schiene geraten. Ich saß herum, wartete auf Angebote – und jahrelang waren die einzigen halbwegs guten Drehbücher, die ich zugeschickt bekam, eben romantische Komödien.

Hätten Sie lieber dramatischere Rollen gespielt?

Grant: O ja! Es ist interessanter und macht viel mehr Spaß, Charakterrollen oder Bösewichte zu spielen. Außerdem kann ich Ihnen verraten, dass romantische Helden verdammt heikel sind: Es ist schwer, sie zu verkörpern, ohne langweilig oder sentimental zu werden. Und ich bin mir nicht sicher, ob mir das immer gelungen ist. 

Marco Schmidt

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