"Ich bin nur ein kleiner Volkssänger"

- Das Schicksal nimmt auf Geburtstage keine Rücksicht. Am Donnerstag - zwei Tage vor seinem 65. Geburtstag - musste Schlagerstar Heino seine Tochter Petra zu Grabe tragen. Heinz-Georg Kramm, so der bürgerliche Name des Sängers, feiert am heutigen Samstag mit gemischten Gefühlen. Wenige Tage vor dem tragischen Unglück sprach der Schlagerstar am Rande der Musikantenstadl-Premiere in Salzburg mit unserer Zeitung über Playback-Auftritte, Jugendwahn und die Entwicklung der volkstümlichen Musik.

<P>Viele Menschen reden nicht über Geburtstage.</P><P>Heino: Damit habe ich überhaupt kein Problem. Ich habe keine Angst davor, alt zu werden.<BR>Zur Musik: Sie sagen, dass Sie sich mit dem neuen Album (Kult Vol. 3 - Deutschland deine Lieder, d. Red.) von den volkstümlichen Liedern absetzen wollen.</P><P>Heino: Die volkstümliche Musik ist neu strukturiert, neu geschrieben. Meine Lieder stammen aus einer ganz anderen Zeit. Als ich 1964 begonnen habe, sang ich Lieder, die vor und nach der Jahrhundertwende komponiert wurden. Beispielsweise die so genannten Fahrtenlieder "Jenseits des Tales" oder "Wir lieben die Stürme". Ich setze mich von der volkstümlichen Musik ab, weil ich altes Liedgut singe. Andere Künstler wollen das nicht mehr singen. Ich möchte aber nicht dem Jugendwahn verfallen wie andere.</P><P>Aber wenn Künstler nur alte Lieder singen würden, dann gäbe es keine Entwicklung.</P><P>Heino: Absolut richtig. Nur ebenso richtig ist es, dass das alte Liedgut ausstirbt, wenn wir uns nicht daran erinnern. Und erinnern funktioniert am besten durch wiederholen. Wir haben ja sehr schöne Lieder in unserer Kultur. Ich bin, glaube ich, der Einzige, der dieses Liedgut pflegt.</P><P>Haben Sie keine Angst, dass Sie auf diese Weise die jüngeren Generationen nicht erreichen?</P><P>Heino: Nein. Wenn ich auf das junge Publikum aus wäre, dann müsste ich ein ganz anderes Repertoire singen. Dann würde ich mir aber die älteren Fans verprellen. Bereits zu Beginn meiner Karriere wurde gesagt, dass ich für die Alten singe. Wenn ich damals nicht das alte Repertoire gesungen hätte, wäre ich heute vielleicht gar nicht mehr da.</P><P>Dann haben Sie es aufgegeben, für die junge Generation zu produzieren?</P><P>Heino: Ich glaube nicht, dass ich die Jugend bekomme, indem ich derart produziere, wie Jugendliche heute selber produzieren. Dafür bin ich viel zu alt.</P><P>Einmal haben Sie Jung und Alt vereint. Ich spreche vom Enzian-Rap aus dem Jahre 1988.</P><P>Heino: Das war leider nicht meine Idee. Damals kamen junge Produzenten auf mich zu, spielten das Band vor und baten um meine Mitwirkung. Ich fand das Klasse. Die haben ihren Nerv. Die wissen, wie man so etwas angehen muss. Ich kann den jungen Nerv nicht mehr treffen. Auch wenn ich Musik studiert habe.</P><P>Bei einem Blick in die Hitparaden stolpert man mit viel Glück über Andrea Berg und die Flippers. Warum tut sich der Schlager so schwer?</P><P>Heino: Da gibt es viele Gründe, aber: Wenn ich unbedingt in die Charts will, weiß man doch, wie das heute funktioniert. Da muss die Schallplattenfirma aber auch mitspielen. Die pressen 50 000 bis 60 000 Singles oder CDs an, geben die Dinger raus und auf einmal tauchen im Handel 50 000 bis 60 000 Alben auf. Wie viel wieder zurückkommen, weiß aber niemand. Aber das ist absolut nicht mein Ding. Da betrüge ich mich doch selbst.</P><P>Über Sie wird gemunkelt, dass Sie oftmals auf der Bühne nicht selber singen, sondern dass die Musik vom Band kommt.</P><P>Heino: Ich bin noch nie mit Playback aufgetreten. Das ist eine Lüge. Okay, im Fernsehen schon, da geht es nicht anders. Aber ansonsten habe ich das nicht nötig.</P><P>Auch nicht bei Konzerten?</P><P>Heino: Nie! Ich bin der Einzige, der live noch nie mit Playback aufgetreten ist. Überall wo man mich engagiert, muss man meine Band übrigens auch buchen.</P><P>Zum Deutschen Liedgut gehört auch die Nationalhymne. Samt aller ihrer Strophen. Einmal haben Sie für die Aufnahme des "Deutschlandliedes" Ärger bekommen.</P><P>Heino: ... ach, das war im Jahr 1977. Damals wurde ich von Ministerpräsident Hans Filbinger beauftragt, die Hymne für das Land Baden-Württemberg zu singen. Er wollte das Deutschlandlied an den Schulen lehren. Ich habe mich dann beim damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel erkundigt, und der sagte mir: "Heino, alle drei Strophen sind Bestandteil der Hymne. Und alle drei Strophen dürfen gesungen werden." Die Empfehlung war, dass man nur die dritte Strophe in der Öffentlichkeit singen darf. Daran habe ich mich immer gehalten.</P><P>Im Jahr 2001 haben Sie sich einen Traum erfüllt: Sie standen vor Publikum auf der Bühne in Las Vegas, auf der Elvis seinen letzten Auftritt absolvierte. Wovon träumen Sie noch?</P><P>Heino: Im kommenden Jahr stehe ich 50 Jahre auf der Bühne. Durch den jahrelang anhaltenden Erfolg habe ich mir alle Träume schon erfüllt.</P><P>98 Prozent der Deutschen kennen Heino. Vor Ihnen liegt nur Ex-Bundeskanzler Kohl. Wann überholen Sie ihn auf der Bekanntheitsskala?</P><P>Heino: Um Gottes willen. Das will ich doch gar nicht. Herr Kohl hat sich das ja redlich verdient. Herr Kohl war ein guter Staatsmann, ich bin nur ein kleiner Volkssänger.</P><P>Ein kleiner Volkssänger, der weint, wenn ein Film kein Happy-End hat? </P><P>Heino: Ja, weil ich mich ärgere, dass das Pärchen nicht zusammengekommen ist. Ich habe halt gerne ein Happy-End. Wenn ich das nicht bekomme, bin ich sehr traurig.</P><P>Wäre das Leben ein Comic, würden Sie am liebsten die Rolle des Troubadix aus Asterix und Obelix einnehmen. Heino gefesselt und geknebelt, während alle anderen feiern?</P><P>Heino: Ich kenne dieses Bild. Man hat mich immer ein bisschen mit Dreck beworfen, belächelt. Deshalb habe ich mir diese Figur ausgesucht.<BR><BR></P>

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