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Ein Geschenk muss nicht teuer sein. Es sollte aber den Vorlieben des Beschenkten entsprechen. Foto: Rolf Vennenbernd

"Ich muss noch antworten" - Schenken als Kommunikation

Berlin (dpa) - Unter dem Weihnachtsbaum liegen Computerspiele, Pullover oder Bücher. Doch warum beschenken wir uns eigentlich? Und was sagen die Geschenke über uns aus?

Manche Menschen greifen vor Weihnachten zu Rezeptbüchern und Stricknadeln, um Selbstgemachtes zu verschenken. Anderen wiederum ist es wichtig, dass ein Präsent vor allem eines ausdrückt: Ich habe für dich viel Geld ausgegeben. Was wir jemandem schenken, wirft auch ein Licht auf uns selbst, wie ein Experte sagt.

Warum schenken wir uns eigentlich etwas?

Wenn wir jemandem etwas schenken, kommunizieren wir, erklärt der Soziologe Holger Schwaiger aus Erlangen. Dafür wird ein besonderes Mittel genutzt - das Präsent. Das soziale Miteinander muss am Leben gehalten werden. "Da ist eben das Schenken eine besondere Art der Kommunikation." Die nicht vorbei ist, wenn man ein Geschenk bekommt: "Ich muss noch antworten." Nämlich in Form eines Gegengeschenkes.

Welche Rolle spielt der materielle Wert eines Präsentes?

Laut Schwaiger, der zum Thema Schenken geforscht hat, sollte der finanzielle Aspekt nicht im Zentrum stehen. "Das ist nicht der Sinn des Schenkens." Denn damit würden Beziehungen gepflegt - die Währung hierbei sei nicht Geld, es gehe um Gefühle und Sympathie. Dennoch achten zahlreiche Menschen sehr genau darauf, Preisschilder von Präsenten zu entfernen. Schwaiger sagt dazu: "Die Beziehung soll nicht in Euro kenntlich gemacht werden." In diesem Jahr wollen nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) die Menschen in Deutschland im Schnitt 285 Euro für Geschenke ausgeben - bei den Älteren ist es demnach eine deutlich höhere Summe als bei Jüngeren.

Wie verläuft eine Kommunikation mit Hilfe eines Geschenkes?

Mit einem Präsent möchte man zeigen: "Ich habe mich genau auf deine Vorlieben und Wünsche eingestellt und weiß: Das gefällt dir", sagt Schwaiger. Vor dem Schenken läuft meist ein längerer Prozess ab: Man muss herausfinden, was der andere mag und das Geschenk besorgen - oder selber basteln, je nachdem. Schwaiger: "Das Geschenk ist nur der Kulminationspunkt des Schenkens."

Es geht aber noch weiter, oder?

Nach der Übergabe des Geschenkes sollte man sich freuen und bedanken, "selbst wenn das Geschenk nicht so gut ankommt", sagt der Experte. Alles andere wäre ein Fauxpas. "Man soll oder darf ein Geschenk nicht weiterschenken. Man darf es auch nicht zurückschenken."

Wenn Schenken eine Art der Kommunikation ist: Was sagt dann ein misslungenes Geschenk über eine zwischenmenschliche Beziehung aus?

Man kann zwar irgendetwas schenken, um der Tradition zu folgen. "Aber ich habe es nicht geschafft, mich auf die Wünsche und Vorlieben des zu Beschenkenden einzulassen", betont Schwaiger. Die Frage ist dann: Welche Qualität hat eine Beziehung, wenn man nicht weiß, was meiner Freundin oder Mutter wirklich gefallen würde?

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