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„Ich war nie die Ulknudel oder der Klassenclown“: Komikerin Martina Hill präsentiert wieder „Knallerfrauen“.

Die Schöne aus "Switch reloaded" 

Martina Hill: "Bin nicht auf Krawall gebürstet"

München - Komikerin Martina Hill spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über „Knallerfrauen“, Perückenparaden, Geschlechterrollen und die Angst vorm Fliegen.

Ob Heidi Klum, Sonya Kraus oder Daniela Katzenberger – wenn Martina Hill mit schriller Stimme und noch schrilleren Outfits Stars und Sternchen parodiert, dann erkennt manchmal nicht einmal ihre eigene Mutter die wandlungsfähige Schauspielerin. Die Blondine aus „Switch reloaded“ (Pro Sieben) und der „heute show“ (ZDF) zählt zu den komischsten Frauen im deutschen Fernsehen, viele halten sie für die neue Anke Engelke. In ihrer eigenen Sketchshow „Knallerfrauen“ (wieder von heute an freitags um 22.30 Uhr bei Sat.1) nimmt sich die 38-jährige Berlinerin zur Abwechslung mal keine Stars vor, sondern spielt ohne jegliche Hemmungen ganz normale Frauen, die in absurde Situationen geraten.

In den „Knallerfrauen“ geht es ja ganz schön derb zu. Sind Sie privat auch so hemmungslos?

Ganz im Gegenteil, privat bin ich eher zurückhaltend, gar nicht auf Krawall gebürstet. Ich würde niemals einer wildfremden Frau an die Brust fassen. Und genau das ist die Idee – die Frauen in „Knallerfrauen“ machen oder erfahren Sachen, die im echten Leben absolut undenkbar wären.

Was war das Knalligste, das Sie sich je getraut haben?

Ich bin mal aus 4000 Metern Höhe aus einem Flugzeug gesprungen, obwohl ich extreme Flugangst habe. Aber ist es nicht normal, dass man sich gegen das Fliegen sträubt und Panik kriegt? Ich finde es eigentlich eher seltsam, dass nicht das ganze Flugzeug vor Entsetzen schreit, sondern dass ich immer die Einzige bin, die da hyperventiliert. Jedenfalls habe ich mal einen Tandemsprung gemacht und mich sogar dabei filmen lassen, quasi als Schocktherapie. Das war ein ganz furchtbares Erlebnis, das mache ich nie wieder.

Hat der Fallschirmsprung gegen die Flugangst geholfen?

Nein, leider nicht. Ich vermeide das Fliegen, wo es geht und fahre viel mit der Bahn. Nur wenn die Termine so liegen, dass es gar nicht anders möglich ist, steige ich ins Flugzeug und schlucke meine Angst tapfer runter.

Sie haben derzeit vermutlich viele Termine, Sie sind im Aufwind, viele bezeichnen Sie schon als die neue Anke Engelke...

Ich finde Anke super, ich bin ein absoluter Fan von ihr. Je mehr Komikerinnen es gibt, desto besser. Frauenpower! Rivalität bei der Arbeit ist kein guter Begleiter, das hat in der Comedy nichts zu suchen.

Apropos Frauenpower – wollen Sie mit Ihrer Sketchshow, in der sich Frauen drastisch danebenbenehmen, bewusst an Geschlechterrollen kratzen?

In einigen Sketchen spielt das sicherlich eine Rolle. Aber in erster Linie will ich die Zuschauer zum Lachen bringen. Wenn ich zum Beispiel eine taffe, schicke Businessfrau spiele, die immer alles im Griff hat, im nächsten Moment aber aus Versehen vor ihren Kollegen pupst, dann hat das eine enorme Fallhöhe. Es macht Spaß, damit zu spielen, und die Zuschauer mögen es hoffentlich.

Fehlt Ihnen der missionarische Eifer, der Gesellschaft über den Weg des Humors den Spiegel vorzuhalten?

Total – wenn ich überhaupt eine Mission habe, dann ist es zu unterhalten, sonst nichts. Humor ist bei mir mehr Intuition als Verstand. Wenn ich Humor definieren soll, komme ich ins Stottern, das ist mir alles viel zu verkopft.

Sie wurden mit der Satireshow „Switch reloaded“ bekannt, in der Sie verschiedene Prominente wie Heidi Klum parodieren. Haben Sie schon in der Schule Lehrer und Mitschüler nachgeäfft?

Ich war nie die Ulknudel oder der Klassenclown – aber auch nicht die Ruhige aus der letzten Reihe. Ich war immer eher die große Brillenschlange mit der sozialen Ader, die im Mathetest abguckt und häufig draußen vorm Klassenzimmer steht, weil sie im Unterricht zu viel gequatscht hat.

Und wann hat Ihre Karriere als Parodistin angefangen?

Mit der Comedy fing es erst 2003 bei einem Comedycasting in Köln an. Die Aufgabe war, irgendwas zu machen, was lustig ist. Ich habe mich dann in Parodien auf Sonya Kraus und Ally McBeal versucht, und habe es tatsächlich ins Ensemble der Sketchshow „Happy Friday“ in Sat.1 geschafft. Bis dahin hatte ich mit Comedy gar nichts am Hut.

War es ungewohnt, dass Sie sich für „Knallerfrauen“ nun nicht hinter der Maske eines Prominenten verstecken konnten?

Ja, für mich ist es relativ neu, Comedy ohne Perücken, Masken oder aufwendige Kostüme zu drehen. „Switch reloaded“ ist ja im Vergleich zu „Knallerfrauen“ die reinste Perückenparade, da stand ich fast nie als ich selbst vor der Kamera. Selbst meine Mutter hat mich als Bill Kaulitz von Tokio Hotel nicht wiedererkannt. Bei „Knallerfrauen“ trete ich schlicht und unverkleidet auf und bewege mich in Alltagssituationen. Es ist schon ein Unterschied, ob man in den Spiegel schaut und sich selbst nicht mehr erkennt, um dann in die Vollen zu gehen, oder ob man ohne Maskerade Mut zur Hässlichkeit beweisen muss. Beides hat seinen Reiz.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

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