+
Schriftstellerin Ilse Aichinger gestorben.

Trauer um österreichische Dichterin

Ilse Aichinger mit 95 Jahren gestorben

Wien - Sie galt als eine der sprachmächtigsten Autorinnen Österreichs. Kurz nach ihrem 95. Geburtstag ist Ilse Aichinger gestorben. Sie hatte zeitlebens eine große Todessehnsucht.

Ihr Werk galt den einen als präzis-poetisch, auf die anderen wirkte es streng, hellsichtig und oft geisterhaft: Die österreichische Dichterin Ilse Aichinger ist am Freitag mit 95 Jahren in Wien gestorben, wie ihre Tochter Mirjam Eich der Deutschen Presse-Agentur in Berlin sagte. Mit Erzählungen, Gedichten und Hörspielen gehörte Aichinger zu den berühmten Nachkriegsautorinnen weit über die Alpenrepublik hinaus.

Ihr Roman „Die größere Hoffnung““ machte Aichinger 1948 schlagartig bekannt. Das Buch dreht sich um eine Gruppe jüdischer Kinder im Wien der Nazi-Zeit. Die Furcht vor der Verfolgung wird darin zur Hoffnung auf etwas Größeres: Auf Leben und Tod, der Annahme des Leidens und Mut zur Angst.

Spätere Werke waren Hörspiele wie „Knöpfe“, Erzählungen wie „Eliza, Eliza“ oder „Kleist, Moos, Fasane“ und Gedichte („Verschenkter Rat“, 1978). In ihrer eigenwilligen, geheimnisvoll verrätselten Sprache verband Aichinger analytische Beobachtung mit poetischer Kraft. Als sie 2002 den Ehrenpreis des Ehrenpreises des Österreichischen Buchhandels erhielt, wurde der Toleranz-Charakter ihres Werks gewürdigt. Es beschreibe „auf vielschichtige Weise die Möglichkeiten, die Barrieren zwischen konstruktivem Zusammenleben und gegenseitigem Unverständnis zu überwinden“.

Die Dichterin stammte aus einer jüdischen Familie, die Mutter war Ärztin, der Vater Lehrer. Traumatisch erlebte sie die Trennung von ihrer Zwillingsschwester, die mit einem der letzten Kindertransporte nach England geschickt wurde.

Sie selbst überlebte die Nazi-Zeit mit ihrer Mutter in einem Versteck nahe der Gestapo-Zentrale in ihrer Geburtsstadt Wien. Nach dem Krieg begann sie ein Medizinstudium, das sie abbrach. In den 50er Jahren war sie wiederholt zu Treffen der „Gruppe 47“ eingeladen und erhielt 1952 im Ostseebad Niendorf für die Erzählung „Spiegelgeschichte“ die Auszeichnung der Gruppe. Der Text erzählt das Leben rückwärts - von der Bahre bis zur Wiege. Eine Todessehnsucht, ein Wunsch nach Auslöschung des Daseins durchzog ihr Leben. „Ich möchte weg sein, eigentlich nie dagewesen sein“, sagte sie einmal.

Bei einer der Tagungen lernte Aichinger auch den Schriftsteller Günter Eich kennen, den sie 1953 heiratete und mit dem sie zwei Kinder bekam. Eines davon ist die Tochter Mirjam Eich. Die Familie lebte lange Zeit in Bayern, bevor Ilse Aichinger nach dem Tod ihres Mannes nach Frankfurt/Main zog. Seit fast 30 Jahren lebte sie wieder in Wien.

Gleichzeitig mit ihrem schriftstellerischen Wirken arbeitete sie auch als Lektorin. Aichinger wurde unter anderem mit dem Petrarca-Preis, dem Nelly-Sachs-Preis, dem Georg-Trakl-Preis sowie dem Kafka-Preis ausgezeichnet.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Cathy Hummels entzückt ihre Fans mit heißem Bikini-Foto aus dem Ibiza-Urlaub
Nach dem Besuch in Wimbledon postet Cathy Hummels nun ein sexy Foto aus ihrem Sommerurlaub. Ihre Fans sind aus dem Häuschen.
Cathy Hummels entzückt ihre Fans mit heißem Bikini-Foto aus dem Ibiza-Urlaub
Vanessa Mai postet Bauchfrei-Foto - ihre Fans sind irrtitiert 
Helene Fischer und Vanessa Mai scheinen sich gerade ein Battle zu liefern, wer mehr Haut zeigt. Auf der Bühne, in den sozialen Medien. Jetzt hat Vanessa Mai ein Foto …
Vanessa Mai postet Bauchfrei-Foto - ihre Fans sind irrtitiert 
Madonna begeistert von ihrem Malawi-Projekt für Kinder
Blantyre (dpa) - US-Popstar Madonna hat sich bei einem Besuch eines von ihr unterstützten Zentrums für Kinderchirurgie in Malawi "begeistert" über dessen Arbeit gezeigt.
Madonna begeistert von ihrem Malawi-Projekt für Kinder
Dschungelcamp 2019: Diese Neuerung kommt in der nächsten Staffel
RTL hat schon länger angekündigt, dass es ein Dschungelcamp 2019 geben wird. Einige Promis haben bereits angekündigt, dass sie gerne Kandidaten in der Show wären - zudem …
Dschungelcamp 2019: Diese Neuerung kommt in der nächsten Staffel

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.