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Die Queen zeigt sich ihrem Volk - auch am Donnerstag?

90. Geburtstag der Queen

Adelsexperte: "Vor ihr zu stehen ist ehrfurchtsvoll"

München - Am Donnerstag vollendet die Queen ihr 90. Lebensjahr. Adelsxperte Rolf Seelmann-Eggebert spricht über die starke Monarchin und verrät, wie Elisabeth II. feiern wird.

Rekorde über Rekorde. Queen Elizabeth II. (89) ist ein lebendes Denkmal, eine Identifikations- und Symbolfigur für den Großteil der britischen Bevölkerung. Am kommenden Donnerstag, dem 21. April, wird die Jahrhundert-Königin 90 Jahre alt. Große Feier? Fehlanzeige! Traditionell ist die große Jubiläumsparty erst für den Juni vorgesehen. Zu Ehren der Queen widmet die tz der Monarchin in ihrer Geburtstagswoche eine ganze Serie. Zum Auftakt sprachen wir mit dem Adelsexperten Rolf Seelmann-Eggebert (79), der seit knapp 40 Jahren über die Queen und ihre Familie berichtet.

Im Interview mit der tz verrät er, was für ein Gefühl es ist, die Königin persönlich zu treffen, welchen Geburtstagskuchen Elizabeth II. wohl bekommen könnte und welche Charaktereigenschaft er an der Monarchin besonders schätzt.

Herr Seelmann-Eggebert, 90 Jahre Elizabeth II. Warum fasziniert die Queen die Menschen?

Rolf Seelmann-Eggebert: Nachdem sie die Krone im Jahr 1952 in einer schwierigen Zeit übernommen hatte, gab sie dem Königshaus ihren Glanz zurück.

Warum war das nötig?

Seelmann-Eggebert: Das Königshaus befand sich in einem schwierigen Zustand. Erst dankte ihr Onkel, Eduard VIII. ab und ihr Vater musste als George VI. übernehmen. Dann brach der Krieg aus und ihr Vater starb vollkommen unerwartet. Elizabeths große Lebensleistung ist es, dass sie das überwunden hat und das Bild des Königshauses verändert hat. In ihrer Herrschaftszeit ist es teilweise bunt zugegangen. Aus den weltweiten Diskussionen - das beste Beispiel war ja die Scheidung von Charles und Diana - ist die Queen immer völlig unbeschadet hervorgegangen und hat über den Dingen gestanden.

Was ist sie für ein Mensch?

Seelmann-Eggebert: Auch wenn es im Königshaus drunter und drüber geht, die Queen macht Tag für Tag ihre Büroarbeit. Mir fällt sonst niemand ein, der so pflichtbewusst ist. Sie ist sehr besonnen und ruhig. Was ich an ihr ungeheuer bewundere, ist ihre Standfestigkeit und die Bereitschaft, sich für die Krone und für ihre Aufgabe einzusetzen. Und das auch noch über das 90. Lebensjahr hinaus, denn abdanken wird sie nicht.

Hat sie Fehler gemacht? Sprechen wir über das Jahr 1997 und den Tod von Prinzessin Diana.

Rolf Seelmann-Eggebert.

Seelmann-Eggebert: Für sie war mit der Scheidung vonCharles klar, dass Diana ihrer eigenen Wege geht. Sie selbst war nach dem Unglück nicht in London und das hat ihr das Volk übel genommen. Die Menschen waren der Auffassung, dass die Königin in solch einem Trauerfall nach London gehört. Das hat sie damals falsch eingeschätzt und innerhalb weniger Tage entfremdete sie sich von ihrem Volk. Ihre Ansprache an die britische Nation, die sie einen Tag vor dem Trauergottesdienst hielt, hat dies dann aber korrigiert. Sie sprach aus vollem Herzen davon, was für eine fabelhafte Frau und vor allem Mutter Diana gewesen ist.

Hat dieser Trauerfall das Königshaus und auch die Queen verändert?

Seelmann-Eggebert: Diana hat Nähe in das Haus gebracht und das wirkt bis heute. Es ist kein Sakrileg mehr, wenn ein Herr Obama seine Hand um die Schulter der Queen legen würde. Das kann sie mittlerweile aushalten.

Sie sprechen die Etikette an: Was ist in Gegenwart der Queen nicht erlaubt?

Seelmann-Eggebert: Sie wird nicht angesprochen, es wird gewartet, bis sie spricht. Und das tut sie auch nur, wenn sie Lust dazu hat. Ansonsten geht sie weiter. Außerdem muss das, was mit ihr unter vier Augen gesprochen wird, quasi wie ein Staatsgeheimnis behandelt werden.

Sie haben oft mit ihr gesprochen! Wann war das erste Mal?

Seelmann-Eggebert: Das muss im Jahr 1978 gewesen sein, als ich als Korrespondent nach London gegangen bin.

Und das letzte Mal?

Seelmann-­Eggebert: Das war im vergangenen Jahr in Berlin. Ich hatte das Vergnügen, beim Staatsbankett dabei zu sein. Da musste ich mir große Mühe geben, ihr nicht zu stark die Hand zu drücken. Sie muss so viele Hände im Laufe des Tages drücken, deshalb habe ich ihre Hand, die natürlich in einen weißen Handschuh gekleidet war, nur berührt. Das macht man so.

Hatten Sie ein Treffen, bei dem Sie sagen: Das war mein prägendstes?

Seelmann-Eggebert: Nein, ich war bei ihr ja auch nicht zum Tee eingeladen…

…keine Privataudienz?

Seelmann-Eggebert: Das ist nicht üblich, schon gar nicht für Journalisten. Sie hat in ihrem Leben noch nie ein Interview gegeben.

Was ist das denn für ein Gefühl, wenn sie den Raum betritt?

Seelmann-Eggebert: Vor allem im persönlichen Gespräch hat sie die Gabe, ihrem Gegenüber zu vermitteln: Die Queen spricht jetzt nur mit mir. Da schweift der Blick nicht ab und sie gibt dir das Gefühl: Du bist der Einzige auf der Welt, der mich wirklich fasziniert.

Das zeugt von Größe.

Seelmann-Eggebert: Sehr. Vor ihr zu stehen ist aber auch ehrfurchtsvoll. Von der körperlich kleinen Person, die sie ja nun mal ist, ist in diesem Moment nichts zu spüren.

Was ist Elizabeths beste Eigenschaft als Privatperson, abseits des Thrones und des Zeremoniells?

Seelmann-Eggebert: Sie ist sehr humorvoll, auch wenn man davon in der Öffentlichkeit nicht allzu viel mitbekommt.

Welche Art von Humor?

Seelmann-Eggebert: Sie soll ihre dreizehn Premierminister, die sie erlebt hat, sehr gut nachahmen können. Ich persönlich fand ihren Auftritt an der Seite von Daniel Craig als James Bond, bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2012, sehr gelungen. Sie hat diesen Spaß mitgemacht und die Welt war erstaunt, dass sie so humorvoll sein kann.

Es gibt auch die ein oder andere humorvolle Szene mit ihrem Ehemann Prinz Philip. Wie ist das Verhältnis der beiden?

Seelmann-Eggebert: Denken Sie an die Reden zur goldenen Hochzeit. Die waren von beiden Seiten aus so liebevoll, ehrlich und nachvollziehbar. Die Königin hatte immer einen starken Mann an ihrer Seite. Ein ideales Ehepaar.

Werden Sie am Donnerstag vor Ort sein und gratulieren?

Seelmann-Eggebert: Nein, da bin ich Hamburg, aber ich werde wieder die Feierlichkeiten im Juni, Trooping the Colour, übertragen.

Sie haben kein Geschenk für sie parat?

Seelmann-Eggebert: Nein, ich versuche dann im Juni meine Sache gut zu machen und die Parade ordentlich zu präsentieren. Das ist mein Geschenk.

Wird Elizabeth denn am Donnerstag feiern?

Seelmann-Eggebert: Es gibt keine opulente Feier, das ist dann für den Juni geplant. An ihrem Geburtstag wird sie sich nur kurz in Schloss Windsor zeigen.

Also ein Familientag?

Seelmann-Eggebert: Genau, das bleibt alles im kleinen Kreis. Sie wird einen Spaziergang im Schlossgarten machen und ihren Geburtstag mit der Familie feiern.

Und was für einen Geburtstagskuchen wird sie bekommen?

Seelmann-Eggebert: Womöglich wird Kate einen Kuchen backen. Sie hat ja schon einmal mit ihren Backkünsten überzeugt. Eine Königin, die 90 wird und alles hat, freut sich bestimmt über etwas Selbstgemachtes.

Macht sich die Queen eigentlich etwas aus ihrem Alter?

Seelmann-Eggebert: Sie legt großen Wert darauf, sich frei zu bewegen – weist ja auch immer wieder die helfende Hand zurück, die ihr aus dem Auto helfen soll. Was da im Hintergrund passiert, das wissen wir natürlich nicht. Aber ich habe schon einige 90-Jährige erlebt und da kann keiner mit der Queen mithalten. Sie ist ewig jung geblieben.

Interview: Dominik Laska

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