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tz-Journalist Dierk Sindermann führte das Interview mit Angelina Jolie.

Es ist nicht immer alles rosig

Angelina Jolie: "Darum habe ich mich nackt gezeigt"

Los Angeles - Sie ist Mutter, Ehefrau, Schauspielerin, Regisseurin und UN-Botschafterin. Demnächst kommt Angelina Jolies neuer Film "By the sea" in die Kinos, das war für die Ehe eine enorme Belastung.

Auf in die Flitterwochen und drei Tage später pfeift die Ehe schon aus dem letzten Loch. Wo gibt's denn so etwas? Bei Angelina Jolie und Brad Pitt. Okay, hier gibt es Erklärungsbedarf. Die beiden hatten gerade geheiratet, da begannen die Dreharbeiten zum gemeinsamen Film “By the Sea”. Darin geht es um ein Ehepaar, das sich weder liebevoll noch sexuell etwas zu sagen hat. Da Angelina sowohl das Drehbuch schrieb als auch Regie führt und die Rolle der frustrierten Frau an der Seite vom (in der Realität) frischgebackenen Ehemann spielt, muss sie sich die Frage gefallen lassen:

War das der richtige Zeitpunkt, einen solchen Film zu machen?

Jolie: Ehrlicherweise gab es ein paar Tage, wo wir beide gedacht haben, dass das Ganze nicht die beste Idee war. Wenn wir wirklich grade am Anfang unser Beziehung gewesen wären und geheiratet hätten, dann wäre es wohl ein Desaster geworden. Aber wir waren ja schon vorher sehr lange zusammen und wollten bis zum Lebensende zusammen bleiben. Deshalb haben wir uns eingeredet, dass der Dreh ein guter Test für uns war.

Inwiefern ein Test?

Jolie: Wie weit wir uns auf unsere tiefe Liebe und Bindung verlassen konnten. Wir haben unter sehr intensiven Umständen miteinander arbeiten müssen. Es gab Problematiken, die uns auf eine echte Zerreißprobe gestellt haben. Ich gebe zu, dass wir teilweise ziemlich besorgt waren, dass es uns privat zu sehr runterziehen könnte.

Aber Ende gut, alles gut?

Jolie: Brad und ich sind der Meinung, dass es die besten Flitterwochen waren, die man sich vorstellen kann. Wir wissen nun, dass wir jeden Sturm gemeinsam durchstehen können. Dieses Gefühl ist einfach schön und gibt Sicherheit.

Jolies Kinder sollen auf die Realität vorbereitet sein

Eifersucht spielt im Film eine wichtige Rolle. Wie ist es damit privat? Immerhin sind Sie mit BRAD PITT verheiratet.

Jolie: (Lacht) Ich sehe das gar nicht so eng. Wenn ich merke, dass andere Frauen meinen Mann attraktiv finden, freue mich sogar für ihn. Für mich ist er der Vater meiner Kinder und mein bester Freund im Leben. Ich vertraue ihm. Nicht dass ich denke, dass er niemals einer anderen Frau hinterher schauen würde. Aber ich weiß, dass er unsere Familie niemals aufs Spiel setzen würde.

Wie sind Sie als Mutter - eher nachgiebig oder streng?

Jolie: Spielerisch. Ich kann mit meinen Kindern völlig ich selbst sein. Das ist das Allerwichtigste. Ich bin ehrlich zu ihnen und sage, was sie in der Welt erwartet. Ich will, dass sie vorbereitet sind und nicht später desillusioniert. Ich möchte, dass sie möglichst viel von der schönen Seite des Lebens erfahren, aber andererseits auch dafür dankbar sind, denn andere Kinder haben es weitaus schlechter.

Wie war es, als Regisseurin Ihren Mann herumzukommandieren zu können?

Jolie: Es war eine sehr ungewöhnliche Erfahrung. Die ersten Tage waren ziemlich schwierig, weil er mich so gut kennt. Er kann jede kleine Handbewegung, jeden hochgezogenen Mundwinkel richtig interpretieren. Wir mussten eine neue Art der Kommunikation miteinander entwickeln. Wir haben einen privaten Pakt geschlossen, dass wir so offen und ehrlich wie möglich zueinander sind, um erfolgreich zu sein. Brad war als Darsteller fantastisch und hat alles gegeben.

Brad Pitt musste Französisch lernen

Unter anderem musste er Französisch sprechen. Wie hat die Regisseurin ihn denn dazu gebracht?

Jolie: Da wir so viel Zeit in Frankreich verbringen, wollte er es schon seit langem lernen. Es ist eine so schöne Sprache. Deshalb habe ich ein paar französische Dialoge eingebaut, um ihn zu seinem Glück zu zwingen. Er hat hart an der Aussprache gearbeitet.

Sie haben in einem Interview zugeben, dass Ihre Beziehung nicht immer perfekt ist.

Jolie: Natürlich nicht. Wir streiten und haben Probleme wie jedes andere Paar auch. Es gibt Tage, da treiben wir uns gegenseitig in den Wahnsinn. Solange wir uns aber noch anbrüllen, geht es. Richtig gefährlich wird es, wenn ich plötzlich ganz still werde und in mich gekehrt bin. Dann gibt es nichts mehr zu diskutieren. Dann hilft nur noch Abstand von einander.

Gibt es Dinge, mit denen Sie Brad zur Weißglut bringen?

Jolie: Ich werfe Sachen einfach in die Ecke oder lasse meine Brille überall liegen. Ich bin einfach etwas schlampig und das findet mein Mann sehr irritierend – mal vorsichtig ausgedrückt. Aber er tut dafür auch genug Dinge, die mich irritieren. Ich probiere oft, mir einfach einzureden, dass es mich nicht stört. Immerhin muss ich mit dem Mann bis zum Ende meines Lebens zusammen leben.

Sprich, Sie gehen Kompromisse ein?

Jolie: Das habe ich nicht gesagt. Ich habe aus meinen anderen Beziehungen gelernt, dass man sich selbst treu bleiben muss. Nur dann kann man die beste und stärkste Version von sich selbst sein. Wenn man sich ständig verbiegen muss, dann wird man unzufrieden. Das Ganze klappt aber nur, wenn dein Partner die selben Ziele hat wie du selbst. Und die selben moralischen Vorstellungen. Nur so bleibt man auf Dauer zusammen.

Jetzt sind ihre Kinder auch vor dem Gesetz gleich

Sie haben lange eine konventionelle Ehe abgelehnt. Jetzt sind sie nicht nur verheiratet, Sie haben sich auch den Nachnamen ihres Mannes zugelegt. Hat sich Ihre Einstellung verändert?

Jolie: Meine Kinder heißen schon länger Jolie-Pitt und ich wollte endlich so heißen wie sie, damit wir alle gleich sind. Ich denke immer noch nicht, dass man einen Trauschein braucht, um eine echte Familie zu sein. Das waren wir auch vorher. Aber es fühlt sich schon sehr gut an, dass es alles offiziell ist. Und für die Kinder ist es ein tolles Gefühl. Brad hat nach dem Ja-Wort Zahara und Maddox adoptiert, sodass alle unsere Kids nun völlig gleichgestellt sind. Für uns waren sie natürlich immer gleich, aber jetzt sind sie es auch vor dem Gesetz.

Sie sind in diesem Jahr 40 geworden und haben offiziell verkündet, dass sie es kaum erwarten können, 50 zu werden. Diesen Standpunkt können viele andere Frauen nur schwer verstehen…

Jolie: ...weil sie nicht meine genetische Vorbelastung haben. Die meisten Frauen in meiner Familie sterben in ihren 40ern weg. Deshalb freut es mich, älter zu werden. Es bedeutet, dass ich gesund bin.

Was bei Ihrer Vorbelastung keine Garantie ist.

Jolie: Deshalb habe ich versucht, mich so gut es geht gegen Krebs zu schützen. Mit Präventivmaßnahmen. Ich war noch mitten im Dreh, als Testergebnisse zurück kamen, die sehr bedenklich waren. Es war am Ende zwar kein Krebs, aber ein Weckruf, mich mit der Situation auseinanderzusetzen.

"Ich nehme weniger Projekte an"

Im Film zeigen Sie sich zum ersten Mal nach ihrer doppelten Mastektomie oben ohne. Ist Ihnen das schwer gefallen?

Jolie: Die Szene war ja schon geschrieben, bevor das Thema mit dem Eingriff überhaupt akut war. Ich wollte nach der OP die Badewannenszene so schneiden, dass man mich nicht nackt sieht. Doch dann habe ich darüber nachgedacht und entschieden, dass ich mich gerade deshalb zeigen sollte. Um anderen Frauen in meiner Situation zu beweisen, dass man noch immer sehr weiblich ist, auch wenn man nicht mehr ganz die selben Brüste hat wie vorher.

Hat sich Ihre Einstellung zum Leben nach einer Gesundheitskrise geändert?

Jolie: Ja. Ich nehme weniger Projekte an. Nur noch die, die mir wirklich sehr wichtig sind. Ansonsten habe ich beschlossen, nichts mehr zu machen, das meine Zeit mit meinen Kindern beschneidet. Ich will so viel Zeit wie nur möglich mit meiner Familie verbringen. Deshalb binde ich meine Kids in meine Arbeit ein. Mein Sohn Maddox hilft mir bei meinem neuen Projekt in Kambodscha als Produktions-Assistent, sein Bruder Pax macht Fotos und Shiloh zeichnet Bilder von den Sets. Eine echte Familienproduktion.

Europa muss grade eine Flüchtlingswelle bewältigen. Sie engagieren sich als UNO-Sonderbotschafterin schon seit 15 Jahren für Flüchtlinge. Wie sehen Sie die aktuelle Lage?  

Jolie: Die Staatschefs der europäischen Länder müssen unbedingt eine gemeinsame Strategie für die Verteilung und Aufnahme der Syrienflüchtlinge finden, sonst wird es keine richtige Lösung geben. Wir müssen alles tun, um eine humanitäre Krise abzuwenden. Natürlich bedarf es auch politischer Lösungen in den Kriegsländern wie in Syrien, um den Menschen langfristig wirklich zu helfen.

Das Interview führte Dierk Sindermann.

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