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Matt Damon spielt in „Der Informant!“ die Rolle seines Lebens.

Interview zum Filmstart

„George wird Brads Karriere zerstören“

München - Zum Filmstart spricht Steven Soderbergh über seinen neuen Film „Der Informant!“ sowie Matt Damon, George Clooney und Brad Pitt.

Schon für sein Debüt „Sex, Lügen und Video“ gewann Steven Soderbergh die Goldene Palme von Cannes. Zwölf Jahre später bekam er den Oscar als bester Regisseur für den Thriller „Traffic“. Mit „Out Of Sight“ machte er George Clooney und Jennifer Lopez zu Kinostars, mit „Erin Brockovich“ bescherte er Julia Roberts einen Oscar. Kassenerfolge feierte Soderbergh mit der „Ocean’s“-Trilogie.

 Beim Filmfest von Deauville sprachen wir mit dem 46-jährigen Filmemacher über seine Satire „Der Informant!“, die am Donnerstag in die Kinos kommt: Sie erzählt die unglaubliche, aber wahre Geschichte des biederen Technikers Mark Whitacre, der sich in einen Spion verwandelt.

Wie haben Sie reagiert, als Sie zum ersten Mal von Mark Whitacre hörten?

Ich war völlig fasziniert von seiner verrückten Laufbahn – und von diesem Typen, der zum hochkarätigsten Informanten der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte aufsteigt, sich aber ständig selbst Knüppel zwischen die Beine wirft. Er ist sozusagen nicht nur der Held der Geschichte, sondern auch sein eigener Gegenspieler. Ich hielt das für einen idealen Filmstoff. Die Story ist so aberwitzig, dass ich dachte: Als Zuschauer kann man dabei unmöglich ernst bleiben. Also habe ich mich entschlossen, eine Komödie daraus zu machen.

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Der Film passt perfekt zur derzeitigen Finanzkrise – er erlaubt Ihnen einige Seitenhiebe auf die Praktiken des Big Business.

Ja, aber ich glaube, nicht die großen Konzerne sind das Problem, sondern die Leute, die dort arbeiten. Gier und Korruption liegen offenbar in der Natur des Menschen, Ehrgeiz und Konkurrenzdenken sind angeboren. Diese Verhaltensmuster finden Sie nicht nur in multinationalen Firmen, sondern ebenso in Krankenhäusern und Obdachlosenheimen.

Spürt man die Auswirkungen der Krise auch im Filmgeschäft?

Ja. Alles schrumpft – die Budgets ebenso wie die Bereitschaft zum Risiko. Es werden weniger Filme gedreht, und man versucht im Prinzip nur noch, Erfolgsrezepte zu kopieren. Comicverfilmungen haben es leicht, aber ein ungewöhnliches Projekt wie „Der Informant!“ würde heute vermutlich kein grünes Licht mehr bekommen. Ich versuche trotzdem, weiter gegen den Strom zu schwimmen.

Matt Damon hat sich für die Titelrolle in „Der Informant!“ mit Wampe, Toupet und Schnauzbart völlig verwandelt.

Ja, wir haben ihn so gnadenlos hergerichtet, dass er sogar von Passanten nicht erkannt wurde. Ich wollte, dass er einen schwammigen Typen spielt, bei dem man nie genau weiß, woran man ist. Matt ist wunderbar wandlungsfähig – und er kennt überhaupt keine Angst. Für den Film hat er bereitwillig 15 Kilo zugelegt. Natürlich war ihm auch bewusst, dass man wahrscheinlich nur einmal so eine Rolle angeboten bekommt.

Ist er denn die Pfunde wieder losgeworden?

Ich war schockiert, wie schnell er wieder sein Normalgewicht erreicht hat. Kurz nach Ende unseres Drehs musste er in einem anderen Film einen attraktiven jungen Mann verkörpern – und es gibt offenbar keine bessere Motivation zum Abspecken als die Verpflichtung, vor einer Kamera zu stehen. Das sollte man eigentlich in jedes Diätprogramm aufnehmen!

Sie haben nun schon zum fünften Mal mit Matt Damon gearbeitet. Sind Sie Freunde geworden?

Ich verwende das Wort nur sehr sparsam – nicht zuletzt deshalb, weil ich finde, dass es blöd klingt, wenn man einen Filmstar als Freund bezeichnet. Also würde ich sagen: Nein, wir sind bloß Kollegen. George Clooney hingegen ist ein Freund von mir, und ich verrate Ihnen auch gerne, warum: Weil ich schon mal bei ihm daheim war. Im Gegensatz zu Matt hat mich George nämlich bereits zu sich nach Hause eingeladen!

Stimmt es, dass Clooney, Brad Pitt und Matt Damon einander beim „Ocean’s“-Dreh Streiche gespielt haben?

Ja. George hat damit angefangen. Aber der bisher spektakulärste Coup ist Brad gelungen: Vor den Dreharbeiten zu „Ocean’s Twelve“ in Rom hat er heimlich eine Anweisung an das italienische Filmteam verteilt, in der es hieß, es sei George Clooneys Wunsch, am Set ausschließlich als „Mr. Ocean“ angesprochen zu werden. Die Crew hat sich tatsächlich daran gehalten, und sogar die Zeitungen haben über den angeblichen Spleen berichtet. George war deswegen total angepisst, und er wird sich fürchterlich an Brad rächen. Er hat eine beängstigende Geduld: Wenn’s sein muss, wartet er zehn Jahre. Ich garantiere Ihnen, dass ihm eines Tages ein Knüller gelingt, der Brads Karriere zerstören wird.

 

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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