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Glaubt an eine Renaissance des Musikfilms: Schauspielerin Yvonne Catterfeld (33) spielt eine Hauptrolle in dem ZDF-Fernsehfilm „Nur eine Nacht“, zu sehen heute um 20.15 Uhr.

Interview

Catterfeld: „Irgendwie bin ich da reingerutscht“

München - Yvonne Catterfeld spricht im Interview über ihren Musikfilm „Nur eine Nacht“, singende Schauspieler und ihre „GZSZ“-Vergangenheit.

Lang, lang ist’s her, als die bezaubernde Ginger Rogers und der smarte Fred Astaire ein Liedchen trällernd über die Mattscheibe tanzten oder später Peter Alexander zusammen mit Heintje inbrünstig „Immer wieder kommt ein neuer Frühling“ schmetterte und damit ein Millionenpublikum zu Tränen rührte. Das ZDF erinnert (sich) an diese guten, alten Zeiten und will nun den Musikfilm wiederbeleben – mit Yvonne Catterfeld und Pasquale Aleardi in den Hauptrollen. „Nur eine Nacht“ heißt der Musikfilm (heute, um 20.15 Uhr), in dem ein ausgelaugter Musikproduzent (Aleardi) in kürzester Zeit eine neue Show entwickeln muss. Knapp 30 Gesangstalente treffen sich zum Casting und müssen sich auch vor der Gesangstrainerin (Catterfeld) – natürlich die verflossene Liebe des Produzenten – beweisen.

Frau Catterfeld, deutsche Musikfilme sind seit den Siebzigerjahren ausgestorben. Worin besteht die Schwierigkeit, dieses Genre wieder aufleben zu lassen?

Es ist vor allem die Angst, etwas Neues zu wagen. Ich bin überzeugt davon, dass viele in der Filmbranche gerne einen Musikfilm machen würden. Aber das scheitert oft an der Idee oder an der Courage. „Das funktioniert in Deutschland nicht“ – wie oft habe ich diesen Satz schon gehört! Und es wird auch behauptet, dass es keine Talente dafür gibt. Aber die gibt es. Das sieht man an Shows wie „The Voice“ und jetzt auch an unserem Film. Dabei muss der Gesang ja nicht perfekt sein. Es geht darum, an dem Punkt, wo Sprache endet, mit Musik noch einen drauf zu setzen, auf eine andere emotionale Ebene zu gehen. Ich glaube, wenn der Film jetzt funktioniert, dann könnten weitere folgen.

Sie haben in der Vergangenheit schon andere Angebote für Musikfilme abgelehnt. Weshalb?

Bei manchen fand ich die Geschichte einfach nicht originell genug und bei anderen war ich persönlich schon zu weit für meine Rolle. Ich hätte auch in diesem Film nicht eine Figur spielen können, die zu einem Casting geht. Das wäre nicht glaubhaft gewesen. Jördis Richter, die als Annika am Casting teilnimmt, hat im Prinzip mich gespielt, wie ich früher war. (Lacht.)

Wie war denn der Dreh mit den jungen Talenten?

Einfach toll. Die sind alle noch so locker und haben gleichzeitig einen unbändigen Willen, die Musik zu ihrem Beruf zu machen.

Der Musik mussten auch die Dialoge im Film weichen.

Die Musik steht klar im Vordergrund und man hat auch bei ein, zwei Szenen im Nachhinein noch Text herausgenommen. Das mag dem einen oder anderen zu wenig an Dialog sein, aber es ist nun mal ein Musikfilm. Das wurde konsequent umgesetzt. Natürlich hätte man sich vielleicht gewünscht, der einen oder anderen Figur mehr Raum und Tiefe zu geben, aber es ist auch ein Ensemblefilm, der durch das Zusammenspiel lebt.

Singende Schauspieler haben nicht unbedingt einen leichten Stand in Deutschland. Scheuen sich vielleicht deshalb viele Ihrer Kollegen, ihr Gesangstalent zu zeigen?

Das mag sein. Ich hatte diese Angst ja auch vor 13 Jahren. Bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ habe ich mitgespielt, um Geld zu verdienen fürs Musikstudium. Ein „singender  Soapie“ – das wollte ich auf keinen Fall werden. Aber irgendwie bin ich doch da so reingerutscht und habe lange daran arbeiten müssen, dies Image zu korrigieren. Deshalb kann ich die Angst verstehen. Ich finde es schade, dass es dieses Schubladendenken in Deutschland gibt. In den USA ist es ein Bonus, wenn man als Schauspieler auch noch singen kann.

Ihre Soap-Vergangenheit holt Sie immer wieder ein, oder?

Manchmal schon. Dabei ist es neun Jahre her, dass ich ausgestiegen bin. In dieser Zeit ist so viel passiert, ich habe mich weiterentwickelt und viele Kino- und Fernsehfilme gedreht., aber „GZSZ“ ist in manchen Köpfen noch immer drin.

Bereuen Sie diese Zeit?

(Überlegt.) Letztendlich wäre ich wohl ohne „GZSZ“ nicht so schnell zur Schauspielerei gekommen. Dafür bin ich dankbar. Würde mich aber heute jemand fragen, ob eine Soap der richtige Weg sei, um Schauspieler zu werden, dann würde ich davon abraten. Wer ernsthaft diesen Weg einschlagen möchte, ist am Theater besser aufgehoben. Wer berühmt und bekannt werden möchte, für den eignet sich auch eine Soap, aber das hat nichts mit dem zu tun, wohin ich wollte.

Das Gespräch führte Stefanie Backs.

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