Iris Berben startet Lese-Tournee

- Hamburg - Angesichts der Wahlerfolge rechtsextremer Parteien in Sachsen und Brandenburg hält die Schauspielerin Iris Berben Aufklärung über die NS-Zeit und den Holocaust für unverändert aktuell.

"Diese unglaublichen Verbrechen muss man immer wieder ansprechen, gerade in der heutigen Zeit", sagte die 53-Jährige in einem dpa-Gespräch anlässlich ihrer neuen Theatertournee "Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier". Premiere ist am Samstag (6.11.) in Fürth. Berben liest dabei Auszüge aus den Tischgesprächen Adolf Hitlers und Tagebuch-Texte von Holocaust Opfern. Die Tournee führt durch 17 Städte in Deutschland und Österreich. <P>Die Schauspielerin will nicht hinnehmen, dass manche Menschen nicht mehr über das Thema Nationalsozialismus sprechen wollen. Gerade angesichts der Landtagswahlergebnisse, nach denen rechtsextreme Parteien in Parlamente eingezogen sind, sei jeder gefragt, sich gegen rechte Hetze zu engagieren. "Wie damals sind Rattenfänger unterwegs, die sich Probleme wie Arbeitslosigkeit und Mangel an Perspektiven zunutze machen." Solche Parteien zu wählen, sei keine angemessene Form von Protest. "Wir haben die Pflicht, uns anzustrengen und solche Zusammenhänge zu erkennen", sagt Berben.</P><P>Um Menschen aufzurütteln, mutet sie ihrem Publikum mit Regisseur Carlo Rola einen unbequemen Leseabend zu. "Ich freue mich über jeden, der das auf sich nimmt." Beim Lesen der Aufzeichnungen von Hitlers Tischgenossen Henry D. Picker sei sie fassungslos über die Bösartigkeit hinter dem Geplauder. In menschenverachtender Weise lässt sich der Diktator aus über die Rolle der Frauen, der Kirche und der Kinder für seine machtpolitischen Pläne. "Nie widerspricht jemand, obwohl jedem Zuhörer hätte schlecht werden müssen", sagt Iris Berben. Sie selbst könne ihren Vortrag von Hitlers Ideen nur aushalten, indem sie gefühlsmäßig Abstand nehme.</P><P>Abseits der Öffentlichkeit setze sie sich seit 30 Jahren für die Aufklärung über den Nationalsozialismus ein. Bei vielen Besuchen in Israel hat Iris Berben gesehen, wie die Opfer der Nazis damit umgehen: "Feindlichkeit gegen Deutsche ist mir dort nie begegnet", schildert sie. Sogar ehemalige Häftlinge aus Konzentrationslagern seien auf sie zugegangen, um zu diskutieren.</P>

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