"Is' schon soweit? I kimm!"

- Hamburg - Als nerviger Hausdrachen Else Kling in der Fernsehserie "Lindenstraße" ist Annemarie Wendl zur Kultfigur geworden. Nur vier Monate, nachdem die von ihr verkörperte Hausmeisterin auf dem Bildschirm den Serientod gestorben ist, erlag die Schauspielerin Annemarie Wendl in ihrer Münchner Wohnung am Sonntag einem Herzversagen.

Das teilte der Westdeutsche Rundfunk am Montag mit. Wendl wurde 91 Jahre alt. Sie gehörte zum "Lindenstraßen"-Team der ersten Stunde. Von 1985 an mischte sie sich 21 Jahre ins Leben der "Lindenstraßen"-Bewohner ein.

Unvergesslich sind ihre grantigen Attacken im Treppenhaus. Mit Kopftuch und Kittelschürze wachte Wendl als Else Kling über Sitte und Anstand im Haus Lindenstraße 3, hetzte gegen Schwule, Ausländer und Ehebrecher und empörte sich über Schmutz allerorten. Doch schon bei der Ankündigung ihres Ausscheidens aus dem Team von Produzent Hans W. Geißendörfer im Mai dieses Jahres war klar: Die "Lindenstraße" und ihr Publikum hatten Wendl alias Kling tief in ihr Herz geschlossen. "Die "Lindenstraße" ohne Else Kling ist so ähnlich wie "Dallas" ohne J.R.", trauerte ein Fan.

Ihr Serienaus in Folge 1069 war sanft: "Is' schon soweit? I kimm!", sagte sie lächelnd im Fernsehen zu einer imaginären Stimme und verließ die Welt. Der Abschied vom Bildschirm nach Jahrzehnten war ihr nicht leicht gefallen. Doch Wendl, die 2005 einen Schlaganfall erlitten und mehrere Lungenentzündungen zu verkraften hatte, war aus gesundheitlichen Gründen dazu gezwungen. "Mir fiel die Entscheidung furchtbar schwer", sagte die Münchnerin im Mai. "Aber meine gesundheitlichen Probleme und mein Alter zwingen mich dazu. Ich kann einfach nicht mehr. Ich habe Probleme mit dem Laufen, habe unglaublich viel abgenommen und bin dadurch nicht in der Lage, regelmäßig zwischen meinem Wohnort München und dem Drehort Köln zu pendeln."

Die 1914 in Trostberg in Oberbayern geborene Schauspielerin war vor ihrem Einzug in die "Lindenstraße" vor allem im Theater zuhaus gewesen. Viele klassische Theaterrollen hatte sie im Repertoire, immer wieder bewies sie ihre Wandlungsfähigkeit. Doch die Else Kling, die sich charakterlich sehr von der liebenswürdigen und weltgewandten Münchnerin unterschied, war die Rolle ihres Lebens: "Sie hat mir zu einer Popularität verholfen, wie ich sie mir in den kühnsten Träumen nicht erhofft habe", sagte Wendl. "Und das in einem Alter, in dem die meisten schon im Ruhestand sind."

WDR-Intendant Fritz Pleitgen würdigte am Montag die Schauspielerin und sagte: "Mit dem Tod von Annemarie Wendl (...) verliert das deutsche Fernsehen eine beeindruckende Charakterdarstellerin." Durch sie habe die Sendung ein unverwechselbares Gesicht bekommen. "Ihre Auftritte im Treppenhaus oder an der offenen Wohnungstür waren legendär." Auch Produzent Geißendörfer reagierte mit tiefer Trauer auf den Tod. "Im Januar stand Annemarie noch vor unseren Kameras. Im Mai haben wir die unverwechselbare Figur der Else Kling in der Serie beerdigt", sagte Geißendörfer. "Und jetzt hat sie auch unsere Wirklichkeit verlassen."

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