Jackie Kennedy starb vor zehn Jahren

- New York - Geblieben ist das Gefühl eines Verlustes, eine Art kultureller Phantomschmerz. Nicht jeder empfindet ihn, doch es gibt viele Amerikaner, die zehn Jahre nach dem Tod Jacqueline Kennedys dem Glanz nachtrauern, den sie der Nation verlieh.

<P>In Zeiten, in den denen das Weiße Haus vor Biederkeit strotzt, wünscht sich mancher das kosmopolitische Flair zurück, für das einst die elegante Jacqueline sorgte.</P><P>"Vielen Menschen erschienen Jack (John F.) und Jackie als König und Königin", schrieb die Autorin Sally Bedell Smith. Ihr Buch "Grace and Power" ist nur eines von vielen, die zu Jackies zehntem Todestag am 19. Mai deren "Erhabenheit, Klugheit, Schönheit und Menschlichkeit" in Erinnerung bringen und damit gut Kasse machen.</P><P>"Jackie wollte Versailles in Amerika haben", sagte einst ihr Lieblingsdesigner Oleg Cassini. Zu ihren Vorbildern gehörte Madame de Maintenon, die einen Pariser Salon führte, ehe sie sich von Louis XIV. heiraten ließ. Ausgerechnet ihre "french connection" half der bildhübschen Tochter der New Yorker Bankiersfamilie Bouvier, die Herzen ihrer Landsleute zu erobern.</P><P>Anfangs hielt sich die Begeisterung für die fließend französisch sprechende, gerade erst 31-jährige First Lady in Grenzen. Der Durchbruch kam, als Amerikaner im Mai 1961 sahen, wie ihre junge Präsidentengattin bei einem Staatsbesuch in Frankreich umjubelt wurde. "Ich bin der Mann", sagte John F. vor dem Rückflug, "der Jacqueline Kennedy nach Paris begleitet hat."</P><P>Nun verzieh man ihr sogar, dass sie das Weiße Haus für Millionen von Dollar völlig umdekorierte, weil es "aussah, als wäre es aus einem Discount-Laden möbliert worden". Wie nachhaltig Jackies Stil Amerika beeinflusste, zeigte sich, als das Metropolitan Museum 2001 ihre Designer-Garderobe ausstellte. Zehntausende kamen, um unter anderem die hellrosa Robe zu bewundern, die Nikita Chruschtschow zu der Bemerkung verleitet hatte, die "bessere Hälfte" des US-Präsidenten kleide sich "wie eine russische Zarin".</P><P>Immer wieder hieß es, mit aristokratischem Luxus habe Jackie die notorischen Seitensprünge ihres Gatten kompensiert. Gewurmt habe sie aber auch, dass sich der Präsident rein gar nichts aus ihren engen Freundschaften mit Männern wie dem UN-Botschafter Adlai Stevenson und Verteidigungsminister Robert McNamara zu machen schien, berichtete der mit dem Kennedy-Clan befreundete Arzt Frank Finnerty in einem neuen Buch. Nervös sei JFK allerdings geworden, als sie auf der Jacht des griechischen Reeders Aristoteles Onassis eine Ägäis-Rundreise unternehmen wollte.</P><P>Nach den tödlichen Schüssen auf Kennedy am 22. November 1963 bewunderte die Nation die Courage und Würde, mit der sie den Schmerz überwand. Sie schwor, sich ganz auf ihre Kinder Caroline und John zu konzentrieren. Doch 1968 heiratete Amerikas "Königin" den mehr als zwei Jahrzehnte älteren Onassis - und löste einen Aufschrei der Empörung aus. "Ich konnte nicht länger als Kennedy-Witwe leben", sagte sie später. "Es war ein Ausbruch von der beklemmenden Besessenheit, mit der die Amerikaner mich und meine Kinder in Anspruch nahmen."</P><P>Nachdem Onassis 1975 starb, begann die Witwe zweier mächtiger Männer eine eigenständige Karriere, von der sie lange geträumt hatte. Als Lektorin betreute sie bis kurz vor ihrem Krebstod im Alter von 64 Jahren die Herausgabe von Büchern, von denen viele zu Bestsellern wurden. In New Yorks Kulturkreisen genoss sie es, nicht als die "prominente Doppelwitwe", sondern als studierte Literaturwissenschaftlerin wahrgenommen zu werden.</P>

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