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Joe Jackson, der Vater des King of Pop.

Jackson und sein Vater: Eine traurige Beziehung

Los Angeles - Es wird vielleicht noch Wochen dauern, bis die Welt weiß, was Michael Jackson umgebracht hat. Aber eines ist schon wenige Tage nach dem Tod des Sängers klarer geworden als je zuvor.

Der selbsternannte “King of Pop“ war in Wirklichkeit ein Ritter von der traurigen Gestalt, ein zutiefst verunsichertes, einsames, nie erwachsen gewordenes Kind. Schlüsselfigur für das unglückliche Leben ist Jacksons Vater Joe (79), der durch den Rummel um seinen Sohn unverhofft wieder ins Rampenlicht gelangt. “Mein Vater hat sich über mich lustig gemacht, und ich habe das gehasst.

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Ich habe jeden Tag geweint“, erzählte der Megastar 1993 der US-Talkqueen Oprah Winfrey über seine Jugend. “Er war sehr streng, sehr hart, sehr strikt. ... Es gab Zeiten, da ist mir schlecht geworden, wenn er zu mir kam, ich musste mich übergeben.“ Schon von früh an führte der Vater sein eisernes Regiment. Eigentlich Kranfahrer, hatte er sich zwischenzeitlich selbst in einer Band versucht. Die Sache ging schief, und so konzentrierte er seinen gesamten Ehrgeiz auf die insgesamt neun Kinder.

Im Schwarzen-Ghetto von Gary im US-Bundesstaat Indiana geboren, sollte aus den musikalisch begabten Kids etwas ganz Großes werden. Die “Jackson Five“, wie die kometenhaft aufsteigende Geschwistergruppe hieß, wurde gnadenlos und ohne einen Anflug von Liebe zu Höchstleistungen angetrieben. Später bestritt Joe Jackson (“Bad Daddy“) mit einer recht eigentümlichen Erklärung, den Superstar der Familie auch geschlagen zu haben. “Ich habe ihm mit einer Gerte oder einem Gürtel eine übergezogen. Ich habe ihn nie geschlagen. Schlagen tut man mit einem Stock.“

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Auch die Brüder, teils eifersüchtig auf den Überflieger, hielten sich mit Sticheleien ebenfalls wenig zurück. Sie hänselten Jackson wegen seiner Akne und seiner breiten Afro-Nase, die er sich später in x Anläufen zu einem missglückten Stupshaufen ummodeln liess. “Ich schämte mich so, dass ich mein Gesicht im Dunkeln gewaschen habe“, berichtete Jackson von damals und klagte, ihm sei die Kindheit “gestohlen“ worden. Seine Biografen sehen darin den Schlüssel für viele bizarre Aktionen, mit denen “Whacko Jacko“ (Der verrückte Jacko) später für Aufsehen sorgte. “Statt ein starkes Selbst und einen realistischen Blick auf die Welt zu entwickeln, ziehen sich Menschen wie Jackson in ein Phantasiereich zurück, in dem sie ihren Träumen frönen können, ohne die Realitäten zu sehen“, schrieb die “Los Angeles Times“ diese Woche. Mit dem Kauf der Neverland Ranch in den späten 80er Jahren schenkte der Sänger sich selbst das vielleicht teuerste Spielzeug aller Zeiten. Bezeichnend: Er nannte das riesige Anwesen in der Nähe von Santa Barbara nach dem mythischen Land von Peter Pan, in dem Jungen nie groß werden. Mit Kindern aus sozial schwachen Familien, später mit seinen eigenen Kindern holte der Star hier zwischen Karussells, Spielplätzen und Tiergehegen einiges nach, was er einst so schmerzlich vermisst hatte. “Die Kinder waren Michaels Leben“, sagte sein langjähriger Vertrauter und Sicherheitschef Mike La Perruque am Mittwoch in einem Interview.

“Wenn man eines über Michael sagen kann, dann dass er ein wirklich guter Vater war.“ Besondere Ironie des Schicksals sind jetzt die Zweifel, die an der biologischen Vaterschaft Jacksons für seine drei Kinder Prince, Paris und Blanket, heute zwölf, elf und sieben Jahre alt, angemeldet werden. Trotz aller Eskapaden arbeitete Jackson zumindest anfangs mit einem solch eisernen Willen an seiner Solokarriere, als ginge es darum, die Liebe des Vaters nachträglich durch Ruhm zu erkaufen.

In seinen schweren Zeiten, als er 1993 und dann noch einmal zehn Jahre später spektakulär des Kindesmissbrauchs beschuldigt wurde, bekam er von der Familie einiges zurück. Der Clan schloss hinter ihm die Reihen. Zu seinem wohl düstersten Moment vor Gericht erschien er 2005 gemeinsam mit seinem Vater - der Alte hielt seinem Sohn die Hand. Sollte der “King of Pop“ nun in seinem Testament, wie spekuliert wird, wirklich den fast 80-jährigen Familienpatriarchen nicht bedacht haben, wäre dies eine späte Rache.

Sicher ist aber wohl, dass sich “Jacko“ seine Mutter Katherine (79), eine musikalische und tiefreligiöse Frau, als künftige Ziehmutter seiner drei Kinder gewünscht hat. Aber das ist noch nicht ausgemacht - auch Ex-Frau Debbie Rowe könnte Ansprüche erheben.

dpa

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