Jackson-Prozess: Ansturm von Presse und Fans

- Santa Maria - Mehr als 1000 Pressevertreter und Fans haben den Auftakt des Missbrauchprozesses gegen Michael Jackson am Montag im kalifornischen Santa Maria zu einem Medienspektakel gemacht. Nach monatelangem juristischen Tauziehen sollen nun in den kommenden Tagen die Geschworenen für den vermutlich sechs Monate dauernden Prozess ausgewählt werden.

<P>Der 46-jährige Popstar musste sich für den Start des Hauptverfahrens auch selbst vor Gericht einfinden. Jackson werden in zehn Anklagepunkten unzüchtige Handlungen an einem Minderjährigen, Kindesentführung, versuchte Erpressung und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft. Er streitet die Vorwürfe ab.</P><P>Wenige Stunden vor Prozessbeginn kündigte Jackson-Sprecherin Raymone Bain in einer CBS-Sendung an, dass der Sänger "sehr geschäftsmäßig und ernst" vor Gericht auftreten werde. Er habe eine "dicke Haut" und trage sich nicht mit Selbstmordabsichten. Jackson hatte am Sonntag auf seiner Webseite erneut seine Unschuld beteuert. Die Vorwürfe seien ein Albtraum. Er rechne fest mit einem Freispruch, "wenn die Wahrheit ans Licht kommt". Laut Anklage soll er im Frühjahr 2003 einen damals 13 Jahre alten krebskranken Jungen missbraucht haben.</P><P>Jackson-Fans aus Europa und vielen Teilen der USA waren schon am Vortag zu Mahnwachen vor dem Gericht aufgezogen. Einige campierten über Nacht mit Spruchbändern wie "Michael wir lieben dich", "Gnade für Jackson" und "Michael ist unschuldig" vor dem Gebäude. Bereits bei Sonnenaufgang leisteten sie ihrem Idol lautstark moralischen Beistand. "Es gibt nichts Wichtigeres als für das Leben eines Menschen zu kämpfen", erklärte die Kalifornierin Sheree Wilkins. Sie habe ihren Job in Los Angeles gekündigt und sei eigens für den Prozess nach Santa Maria gezogen, versicherte die 33-jährige Kindergärtnerin.</P><P>Über 1000 Journalisten und Fernsehteams haben sich nach Angaben des Gerichtskoordinators angemeldet. Durch Maschendrahtzäune, Barrikaden und ein großes Polizeiaufgebot werden Reporter, Fans und Schaulustige an ihren jeweiligen Platz verwiesen. Ein Chaos wie vor einem Jahr, als sich Jackson tanzend unter die Fans mischte, wollen die Ordnungshüter künftig verhindern.</P><P>750 mögliche Juroren sollen in den nächsten Tagen vor den Richter treten. Die Auswahl von 12 Geschworenen und 8 Vertretern kann sich aus Sicht von Rechtsexperten über mehrere Wochen hinziehen. Richter Rodney Melville hat Kameras aus seinem Gerichtssaal verbannt. Pressevertreter und Zuschauer, die teilweise per Los ermittelt werden, dürfen aber dem öffentlichen Verfahren beiwohnen.</P><P>Als Hauptzeugen der Anklage sollen der jetzt 15 Jahre alte Junge, dessen Familie und sein Psychotherapeut aussagen. Die Forderung der Staatsanwaltschaft, den jugendlichen Kläger nur hinter verschlossenen Türen zu hören, lehnte Melville kürzlich ab. Dagegen lässt er "sexuell eindeutiges" Material, das auf Jacksons Neverland-Ranch konfisziert worden war, zu. Den Juroren soll auch eine BBC-Dokumentation vorgeführt werden, die den Sänger Hand in Hand mit dem betroffenen Jungen zeigt.</P><P>Starverteidiger Thomas Mesereau werde vermutlich Jackson persönlich in den Zeugenstand holen, berichtete die "Santa Barbara News Press". Der frühere "King of Pop" sei das Opfer einer Rufmordkampagne, argumentieren seine Anwälte. "Wir wissen, dass er kein Pädophiler ist", sagte Vater Joe Jackson in einem CBS-Interview, das am Wochenende ausgestrahlt wurde.</P>

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