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Ringo Starr wird 70 Jahre alt.

70 Jahre Ringo Starr: Ruhestand nicht in Sicht

Frankfurt/Main - Ein Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood, eine Fernseh-Doku und ein neues Album: Ringo Starr wird zwar schon 70 Jahre alt, doch von Ruhestand kann auch 2010 keine Rede sein.

Der Trubel um den Geburtstag des berühmten Beatles-Gitarristen zeigt, dass er auch ein halbes Menschenalter nach Auflösung der “Fab Four“ weder vergessen noch sein Ruhm verblasst ist. Starr hat den Aufstieg vom tristen Arbeiterviertel Dingle in Liverpool bis zur exklusiven Hotelsuite in Beverly Hills geschafft. Manchmal ist er arg ins Straucheln geraten, und er hat sich auch beinahe wie Who-Drummer-Kollege Keith Moon totgesoffen. Seit 22 Jahren aber rührt er Alkohol und Drogen nicht mehr an. Und seinen trockenen Humor hat der Beatles-Spaßvogel nie verloren. Auch wenn er am 7. Juli sein siebtes Jahrzehnt abschließt: Ringo ist noch immer dieser schräge Hippie, bei dessen jungenhaftem Charme und Humor niemand auf die Idee kommt, ihn “alt “ zu nennen.

Die Beatles - ein Mythos

Die Beatles - ein Mythos

Ringo Starkey hat perfekt in das Quartett gepasst, das mit langen Haaren und unbekümmert charmanten Popsongs die Welt eroberte. 1962 stieß Starr für den wegen seiner unzulänglichen Schlagtechnik gefeuerten Pete Best als Schlagzeuger zu den damals schon berühmten Beatles. Tausend Mal wurde schon gesagt, dass er der musikalisch am wenigsten begabte Beatle war, tausend Mal wurde auch bezweifelt, ob er überhaupt ein guter Schlagzeuger ist. Was aber alles auch nichts bringt; Ringo war das joviale Herz der “Fab Four“, der Clown, der die Beatles zu einer herzerfrischend anderen Band machte. In deren ersten beiden Spielfilmen, “A Hard Days Night“ und mehr noch bei “Hi-Hi-Hilfe!“ (“Help“) rettete Ringo mit seinem Komiker-Talent die Aneinanderreihung von Gags. Ringo ist sarkastisch, ohne zu verletzen, er kann mit einem Scherz Spannungen in Luft auflösen - was unerhört wichtig bei dem Stress gewesen sein dürfte, dem die Beatles bis zu ihrer Auflösung 1970 ausgesetzt waren.

Du bist der größte Schlagzeuger der Welt

Und überhaupt: Paul McCartney, der überlebensgroße der beiden noch lebenden Ex-Beatles, hat es ihm 1969 per Postkarte bestätigt: “Du bist der größte Schlagzeuger der Welt. Wirklich.“ Die Postkarten, die die anderen Beatles Ringo auch nach dem Ende der Band noch schickten, hat er vor einiger Zeit zufällig bei einem Umzug in einem Schuhkarton gefunden. Seit den Liverpooler Tagen hatten die anderen gewusst, dass er gerne Postkarten bekommt - je weiter weg, umso besser. Zwei Songs hat Ringo für die Beatles geschrieben, die auch tatsächlich auf Alben veröffentlicht wurden: “Octopus's Garden“ und “Don't Pass Me By“.

Lead-Sänger durfte er etwas öfter sein: “With A Little Help From My Friends“ und “Yellow Submarine“ waren Beatles-Hits; Rock'n'Roll-Nummern wie “Honey Don't“ und “Boys“, Country-Balladen wie “What Goes On“ bewiesen hinreichend, dass er nicht ganz so talentfrei war. Ringo, als Schlagzeuger mit einem perfekten Timing ausgestattet, hat zwar immer ein bisschen Hilfe benötigt: Solohit “Photograph“ schrieb er mit George Harrison, bei “It Don't Come Easy“ spielte Harrison mit und “Back Off Boogaloo“ wurde von dem Ex-Beatles-Gitarristen produziert. Diese drei Lieder waren seine größten Hits; nach den 70ern sank Starr, was die Plattenverkäufe angeht, in die Bedeutungslosigkeit ab.

Neues Album “Y Not“

Parallel zur zunächst vielversprechenden Solokarriere als Musiker versuchte sich Starr in den 70ern auch als Filmschauspieler - vom Spaghetti-Western “Blindman“ bis zu Frank Zappas “200 Motels“ und Ken Russels “Lisztomania“. 1980 nahm er eine Rolle in “Caveman“ an, die Dialoge bestanden aus Grunzen. Bei den Dreharbeiten lernte er seine zweite Frau Barbara Bach kennen, mit der er seit 1981 verheiratet ist. Aus der ersten, 1975 geschiedenen Ehe mit Maureen Cox stammen zwei Söhne und eine Tochter. Sohn Zak, der bei Moon trommeln lernte, war schon mal Schlagzeuger bei den Who und bei Oasis. Dank Zak wurde Ringo als erster der Beatles Großvater. Mit Barbara Bach führte Starr bis 1988 ein ausschweifendes Jet-Set-Leben. Dann machten beide in den USA eine Alkoholentziehungskur.

Dass sich Starr in absehbarer Zeit zur Ruhe setzt, ist nicht zu erkennen. Erst Anfang des Jahres kam wieder ein neues Album von ihm, “Y Not“, auf den Markt. Zudem zieht Starr seit Jahren immer wieder mal mit seiner All-Starr Band durch die Hallen der Welt, so auch 2010. Die Termine im Tour-Kalender sind dicht gedrängt. An seinem Geburtstag wollte er in der Radio City Music Hall in New York auftreten. An Ehrungen fehlt es nicht bei seinem Geburtstag. Die zweite Staffel einer US-Fernsehserie über berühmte Künstler (“Live From the Artists Den“ - “Live aus der Höhle des Künstlers“) beginnt in diesen Tagen mit einer Folge über Starr; im New Yorker Metropolitan Museum of Art ist seine goldene Trommel ausgestellt. Ringo, das Arbeiterkind aus Liverpool, der trockene Alkoholiker, er ist auch mit 70 noch präsent - und nach wie vor beliebt.

dapd

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