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Sabrina Setlur pocht auf die Kunstfreiheit.

Stilelement "Sampling"

Setlur gegen Kraftwerk: Streit um zwei Sekunden Musik

Karlsruhe - Seit rund 18 Jahren läuft der Streit zwischen Rapperin Sabrina Setlur und der Kultband Kraftwerk. Dabei geht es um zwei Sekunden Musik. Der BGH will jetzt eine Entscheidung treffen.

Als Komponisten von elektronischer Musik sind die Karlsruher Verfassungshüter nicht bekannt. Dass sie gleichwohl über ein wichtiges Stilelement dieser Musik, das "Sampling" genannte Kopieren fremder Songschnipsel, befinden können, werden die Richter ab Mittwoch unter Beweis stellen. Dann verhandelt das Bundesverfassungsgericht über einen seit 18 Jahren schwelenden Rechtsstreit um eine zwei Sekunden lange Tonsequenz. Es geht aber um mehr: Die Grenzen der Kunstfreiheit stehen auf dem Prüfstand.

Auf diese Kunstfreiheit pocht die deutschsprachige Rapperin Sabrina Setlur. Für ihr 1997 eingespieltes Stück "Nur mir" hatten ihre Produzenten Moses Pelham und Martin Haas eine etwa zwei Sekunden lange Rhythmussequenz aus "Metall auf Metall" der Düsseldorfer Kultband Kraftwerk elektronisch kopiert und als Endlosschleife dem Setlur-Stück unterlegt. Die Kraftwerk-Musiker Ralf Hütter und Florian Schneider-Esleben sahen durch dieses "Sampling" ihre Rechte verletzt und zogen vor Gericht.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte dann in dem Fall zwei Urteile gefällt. Danach kann ein Sampling gegen die sogenannten Leistungsschutzrechte der Plattenlabel verstoßen.

Entscheidung des BGH sei "remixkulturfeindlich"

Laut der Entscheidung von Ende 2012 ist die freie Nutzung selbst "kleinster Tonfetzen" von einem fremden Tonträger nicht zulässig, wenn sie so einfach sind, dass sie ein "durchschnittlicher Musikproduzent" technisch selbst hätte herstellen können. Mit anderen Worten: Hätte er es selbst machen können und war nur zu bequem, es zu tun, dann soll er auch für die Nutzung fremder Töne zahlen.

Nur wenn die Tonsequenzen technisch so komplex sind, dass sie gleichwertig nicht hergestellt werden können, dürfen sie für einen Remix frei kopiert werden, heißt es im Urteil weiter.

In der Musikszene wird diese Entscheidung zugunsten von Kraftwerk als "remixkulturfeindlich" und lebensfremd kritisiert. Auch deshalb, weil mittlerweile unzählige Jugendliche Tonfolgen sampeln und für ein eigenes Remix ins Internet stellen, technisch aber nicht in der Lage sind, die Tonfolgen selbst zu reproduzieren.

Die Verfassungshüter wollen deshalb nun prüfen, ob die Nutzung von Musikschnipseln zu finanziellen Einbußen der Plattenlabel führt oder ob das BGH-Urteil "die Musikschaffenden" in ihrer "künstlerischen Entfaltungsfreiheit" unzulässig einschränkt.

Kraftwerk ist wieder am Netz

AFP

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