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Der britische Sänger James Blake veröffentlicht mit "Overgrown" sein zweites Album.

Albumveröffentlichung

James Blake voller Sehnsucht  

Berlin - Hohe Erwartungen: Dubstep-Wunderknabe James Blake veröffentlicht mit "Overgrown" den Nachfolger seines vielgelobten Debüts. Wieder dröhnen Bässe durch eine stille Melancholie. Nur ein Hit fehlt - gut so!

Klar und prägnant steht er da: Auf dem Cover seines zweiten Albums "Overgrown" hebt sich der ganz in schwarz gekleidete James Blake deutlich von der kargen Mauer im Hintergrund ab. Keine Verwischungen und Uneindeutigkeiten á la Gerhard Richter wie noch auf der Plattenhülle seines hochgelobten Debüts "James Blake". Eine feine Kontur umreißt mittlerweile auch seine Musik.

Blakes Vorab-Single "Retrograde" hat schon im Februar die Stoßrichtung seiner jüngsten Platte vorgegeben: Alles wirkt strukturierter. Freilich sind da noch der Soul, seine helle Stimme, der Mut zur Pause, die Synthesizer und dicken Bassteppiche. Aber plötzlich klingt es sehnsüchtiger und leichter, wenn er singt: "Suddenly I´m hit" (Auf einmal hat es mich erwischt).

"Ganz einfach: Ich habe mich verliebt", erklärt der 24-jährige Brite die neuen Töne in einem Interview auf "hotpress.com". "Ich kann es nicht bestreiten. Es gibt keinen Grund, etwas anderes zu behaupten: Als es passierte, hat es einen bleibenden Eindruck hinterlassen."

Sein zweites Album ist weit weg von frühen Veröffentlichungenwie  "CMYK" oder "Klavierwerke". Blake, der in seiner Jugend klassischen Klavierunterricht erhielt, plündert auf "Overgrown" -  neben seinen vertrauten Arrangements - die Schatzruhen von R&B und Hip-Hop. Für "Take A Fall For Me" holt er sich sogar Wu-Tang-Clan-Mastermind RZA ins Boot. Hinter diessen tiefen Rap legt Blake sein leises Blubbern, den mehrstimmigen Chor und das gewohnt spärliche Rauschen seiner Bässe. So muss Hip-Hop 2013 klingen.

Über zwei Jahre ist es her, dass Blake die kanadische Sängerin Feist coverte und mit "Limit To Your Love" die Indie-Welt in Aufruhr versetzte. Es wurde gejubelt, Feists großartiger Song habe durch den Briten nochmals an Kraft gewonnen. Seine Musik bekam das Label "Post-Dubstep" . Wie nebenbei füllte der stille Londoner damals den Berliner Techno-Tempel Berghain. Legendär, hieß es - sowohl das Konzert, als auch der Ort.

Höhenflügen erteilt Blake nun aber bereits im lieblich und zart verzerrten Album-Opener "Overgrown" eine doppeldeutige Absage: "I don´t wanna be a star, but a stone on a shore" (Ich will kein Stern sein, sondern ein Stein am Gestade). Die Erwartungen sind dennoch ungeheuer hoch. "Viele wollen mir einreden, ich bräuchte noch ein weiteres "Limit To Your Love". Das bringt dich total durcheinander. Ganz besonders, wenn diese Leute für den Verkauf deiner Platte verantwortlich sind", scherzt er in dem "hotpress"-Interview.

Und so fehlt dem Album wirklich nur eines: der Hit. Schlimm ist das nicht. Das Album wirkt sowieso eher als Ganzes. Mal klingt der R&B-Rhythmus in "Life Round Here" nach Blakes Landsmann Jamie Woon. Dann wieder erinnern die düsteren Beats und der Mantra-Gesang in "Digital Lion" an die Ambient- und Dubstep-Sounds von Genre-Urgestein Burial - aber nicht als Abklatsch, sondern als Weiterführung. 

Das Verblüffende und Einzigartige von Blakes Debüt ist jetzt - zwei Jahre später - auf "Overgrown" sicher nur noch weniger verblüffend und einzigartig. Denn mittlerweile bedient sich auch der Chart-Pop am Dubstep. Doch Blake ist viel mehr: Experimentierfreudig sprengt er die Grenzen der Hörgewohnheit und hält doch zugleich an greifbaren Songstrukturen fest. Das ist hervorragender, abstrakter Pop. Und James Blake einer dessen modernster Vertreter

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