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Janet Jacksons Konzert im Berliner Tempodrom war ihr einziger Tourneeauftritt in Deutschland.

Kein "Nipplegate", kaum Jacko-Pathos

Berlin - Janet Jackson zum einzigen Deutschlandkonzert ihrer aktuellen Tour - ausgerechnet am Vorabend des zweiten Todestages ihres berühmten Bruders Michael. Macht sie daraus ein Drama oder nicht?

Immer wieder hört man von misslungenen Pop-Konzerten: Stars, die ihr Programm nur runterspulen oder aber - noch schlimmer - Promis, die Auftritte zum Fremdschämen hinlegen, zuletzt etwa die völlig derangierte Amy Winehouse oder aber Whitney Houston, die stimmlich letztes Jahr nicht mehr zu alter Größe fand.

Mit diesen Vorzeichen konnte man vorab bange Fragen stellen, wenn man am Freitagabend zu Janet Jackson und dem einzigen Deutschlandkonzert ihrer “Number Ones“-Tournee (Number Ones Up Close and Personal Tour) ging: Versucht die inzwischen 45-Jährige, einst berühmt für ihre Tanz-Performance, womöglich vergebens den Anschluss an die hippe Lady-Gaga-Ära? Ist es von Nachteil, dass sie das Konzert nur in einer eher kleinen Halle in Berlin gibt? Und: Reist die kleine Schwester des vor zwei Jahren gestorbenen Michael Jackson bloß noch auf dem Ticket des Jacko-Gedenkens? Nein, nein und nochmals nein.

Die “Queen of Pop“ bezaubert ihre Fans immer noch mit dem typischen Janet-Jackson-Kichern. Sie tanzt immer noch eindrucksvoll, auch wenn sie dann Pausen einlegen muss und die große Leinwand ein paar Minuten Videos oder Fotos aus ihren Glanzzeiten zeigt. Janet, die eher gemütlich durch die Welt tourt und bereits vier Tage vor dem Konzert ankam und dann beim Joggen im Tiergarten oder beim Sushi-Essen auf dem Kurfürstendamm gesehen wurde, tritt ganz schlicht in schwarzen Klamotten auf (Top und enge Jeans). Sie zeigt keinen Hang mehr zur Provokation. Im Jahr 2004 sorgte sie noch beim Super Bowl für Aufsehen: Justin Timberlake riss ihr vor Millionen TV-Zuschauern das Leder-Bustier vom Leib und entblößte die rechte Brust, was als “Nipplegate“ in die US-Fernsehgeschichte einging.

Die Atmosphäre im Rund des Berliner Tempodroms ist angenehm familiär. Etwa 3000 Verehrer, darunter Promis wie die RTL-Moderatorin Inka Bause (“Bauer sucht Frau“) oder der TV-Juror und Choreograph Detlef D! Soost sind gekommen. Im Publikum viel zu sehen: Familien (Mama, Papa, Teenietöchter), gemischte Cliquen (Leute von 16 bis 60) oder Männergruppen (oft Schwule, die zu Janets bester Zeit in den 90er Jahren zur Schule gingen). Zu Beginn des Konzerts widmet der Star ihnen allen (“to the beautiful people of Berlin“) den Videoclip des Songs “Rhythm Nation“. 

 

Was ihren Bruder Michael angeht: Das Deutschlandkonzert findet ausgerechnet am Vorabend von dessen zweitem Todestag statt. Doch Janet macht keine großen Bemerkungen dazu. Kurz vor Schluss sehen und hören die Zuschauer den “King of Pop“ nur kurz auf der Videoleinwand. Zum Programm der mehr als 20 Hits gehört das Duett “Scream“ der zwei Geschwister. Am Ende des gut anderthalbstündigen Auftritts sind auch Kinderfotos der beiden zu sehen. Doch das war es dann auch schon. Kein übertriebenes Pathos, nur ein schlichter Blick gen Hallendecke, also Himmel. “Ich danke euch sehr für eure Liebe und Unterstützung, die ihr nicht nur mir gebt, sondern meiner ganzen Familie.“ Dem einen war das zu unpersönlich, dem anderen gerade recht.

dpa

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