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Paul Kuhn (85) ist tot.

Schlussakkord für den "Mann am Klavier"

Jazz-Pianist Paul Kuhn (85) ist tot

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Berlin - Er hat den Deutschen nach dem Krieg den Marsch ausgetrieben und den Swing beigebracht. Jetzt starb der legendäre Jazz-Pianist, Bandleader und Entertainer "Paulchen" Kuhn im Alter von 85 Jahren.

Der Schlager "Es gibt kein Bier auf Hawaii" aus den 1960ern war das musikalische Markenzeichen von Paul Kuhn, sein markant zerknautschtes Gesicht sein optisches. "Mann am Klavier" wurde er voller Respekt genannt, nach seinem gleichnamigen Hit aus dem Jahr 1954. Jetzt spielte der große Jazz-Pianist, Bandleader und Schlagersänger seinen Schlussakkord: Er starb 85-jährig in einer Klinik in der Schweiz, wo er seit 1980 in dritter Ehe lebte, vermeldet die "Bild". Eine Sprecherin seiner Agentur in Durchhausen bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht.

Kuhn war einer der bekanntesten Unterhaltungskünstler der deutschen Nachkriegszeit. Der am 12. März 1928 in Wiesbaden geborene Sohn eines Croupiers zeigte schon als Kind früh sein musikalisches Talent. Mit acht Jahren präsentierten ihn die Nationalsozialisten als Wunderkind am Akkordeon auf der Berliner Funkausstellung im damals versuchsweise betriebenen Fernsehen. Kuhn lernte bald noch Klavier und Klarinette - und verlor sein Herz an den Jazz.

Seine Karriere startete er dann nach 1945 als Jazzpianist bei den US-Truppen in Deutschland. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs spielte Kuhn als Pianist in Clubs, die von alliierten Soldaten besucht wurden. Schnell erwarb sich der junge Deutsche, der fast das ganze Repertoire von Glenn Miller beherrschte, einen hervorragenden Ruf als Musiker und Entertainer. Der US-Soldatensender AFN stellte ihn fest an, mehrmals die Woche wurden Live-Konzerte von Kuhn und seiner Combo übertragen.

Dass Paul Kuhn aber bis heute einem Massenpublikum bekannt ist, hat er einer jahrelangen Abkehr vom Jazz zu verdanken. Nach seinen beiden größten Hits war Kuhn in den 60ern richtig drin im Schlagergeschäft, arrangierte auch für andere Künstler. Es war die Hochphase von Kuhns Schaffen. Ab 1968 bekam er die Leitung des Unterhaltungsorchesters des Senders Freies Berlin (SFB). Als Sketch-Partner von Harald Juhnke und mit eigenen Sendungen wie "Hallo Paulchen" und "Pauls Party" wurde er einer der Fernsehstars der 70er Jahre.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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In den 1980er Jahren wurde es ruhiger um Kuhn. Dem SFB war das Orchester auf einmal zu teuer, Kuhn flog raus. Auch seine Fernsehshow wurde eingestellt, sein Plattenvertag gekündigt, seine zweite Ehe scheiterte. Kuhn trank mehr als vernünftig war. Geholfen hat ihm seine dritte Frau Ute. Kuhn zog von Berlin nach Köln, baute dort sein eigenes Orchester auf und begleitete fortan Peter Alexander.

Seit einiger Zeit war es dem Musiker gesundheitlich nicht mehr gut gegangen: Im April hatte er nach einer lebensbedrohlichen OP einen Herzschrittmacher erhalten, die Nieren machten Probleme, er litt an Gürtelrose und konnte wegen einer Augenkrankheit keine Noten mehr lesen. Zu seinem 85. Geburtstag erfüllte er sich auch einen Lebenswunsch: Er nahm in den legendären Capitol Studios in Los Angeles eine Platte auf.

Die Musik gab dem Mann, der 2010 den Jazz Echo für sein Lebenswerk erhalten hatte, auch im Alter immer Kraft. Und so hatte er auch für die Leverkusener Jazztage im November dieses Jahres zugesagt mit seinem Trio aufzutreten. Diese Verpflichtung wird er jetzt leider nicht mehr wahrnehmen können.

 Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) würdigte Kuhn als "charismatischen Bandleader und Pianisten", der maßgeblich dazu beigetragen habe, dass der Jazz - insbesondere der Swing - von der musikalischen Landkarte Deutschlands nicht mehr wegzudenken ist". SWR-Intendant Peter Boudgoust teilte mit, das Land verliere mit ihm "den vermutlich wichtigsten Vertreter des traditionellen Jazz in Deutschland und gleichzeitig auch eines der markantesten Gesichter der deutschen Fernsehunterhaltung."

Auf Hawaii mag es kein Bier mehr geben, im Himmel aber geht für Paulchen Kuhn sicher eine Runde aufs Haus.

hn/afp

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