Dierk Sindermann mit Jennifer Lawrence.

Schauspielerin im Interview

Jennifer Lawrence: Ich bin ganz klar bescheuert

Los Angeles - Mit 26 Jahren ist Jennifer Lawrence erfolgreich wie nur wenig andere in ihrem Alter. Im Interview spricht die Schauspielerin über harte Arbeit, Paparazzi und über Schläge.

Für die meisten Menschen kommt der Erfolg erst mit den Jahren. Jennifer Lawrence, gerade erst wegen eines durchsichtigen Outfits in die Schlagzeilen geraten, ist eine Frühstarterin: Mit 22 gewann sie den Oscar und mit 26 ist sie die Stamm-Heldin in zwei Blockbuster-Filmen: "Hunger Games" und "X-Men". 

Legt Ihr Erfolg die Latte für Ihre Zukunft nicht zu hoch?

Jennifer Lawrence (grinst): Ich weiß, ich weiß, mein Höhepunkt ist erreicht.

Haben Sie Ihr Leben von hinten aufgezäumt?

Lawrence: Stimmt, bei mir kam der Erfolg ziemlich schnell und ich bin ein bisschen eher erwachsen geworden. Aber ich hoffe doch nicht, dass es von jetzt bergab geht. Schließlich habe ich mein Lehrgeld bezahlt.

Wie viel?

Lawrence: Ich habe in einem Ratten-Loch gelebt, als ich 14 war. Und mir wurde oft genug gesagt, was es kostet, nach oben zu kommen. Ich habe Blut, Schweiß und Tränen investiert.

Haben Sie, was man eine “alte Seele” nennt?

Lawrence: Das Gefühl habe ich nicht. Aber ich habe eine Menge Sch... gesehen (stimmt lachend den alten Gospelsong "Nobody knows the trouble I have seen" an). Danke, dass Sie mich für gereift halten. Was Sie spüren, ist vermutlich, dass ich seit meinem 14. Lebensjahr in keiner Schule war und kaum Leute meiner Altersstufe um mich herum hatte.

Sie stammen aus Kentucky, dem Staat der Pferderennen. Haben Sie schon einmal gewettet?

Lawrence: Ich muss zu hart für mein Geld arbeiten. Wenn ich zwei Dollar verschwende, dann bin ich schon sauer.

Würden Sie gerne einige Dinge ändern, die Sie im Leben gemacht haben?

Lawrence: Vielleicht ein paar ... Aber ich habe aus jedem Fehler gelernt. Das einzige, was ich ändern würde, sind die Gesetze für Paparazzi. Das würde unser aller Leben verbessern.

Was meinen Sie mit den Paparazzi-Gesetzen?

Lawrence: Die Pressefreiheit wurde vor Hunderten von Jahren in der Verfassung verankert. Damals gab es noch keine Promis. Heutzutage bietet sie ein gigantisches Schlupfloch. Die Paparazzi sind geschützt, aber nicht ich. Zehn Männer mit Kameras schlafen vor meinem Haus. Sie sind da, wenn ich nachts ins Bett gehe und morgens sehe ich sie als erstes. Das ist nicht lustig.

Würden Sie gerne in einem anderen Zeitalter leben?

Lawrence: Ich finde unsere Epoche ganz gut. Ich wünschte nur, dass die Entwicklung der Technologie sich ein bisschen verlangsamen würde. Ich fange an, mich überfordert zu fühlen. Ich bin eine Null am Computer.

Sie spielen in der neuen Folge von “X-Men” wieder “Raven”. Es ist jetzt das dritte Mal. Wird das nicht langweilig? Oder ist es so etwas wie ein Wettbewerb mit sich selbst. Nach dem Motto "Ich mache es besser als beim letzten Mal."

Lawrence: Weder noch. Ich habe keine Angst, mich zu wiederholen. Man muss spüren, wie sich eine Figur weiter entwickelt. Sie immer neu und frisch machen.

Was unter dem blauen Make-up, das sie tragen, nicht leicht zu erkennen ist. Haben Sie sich an die Prozedur, sich in eine Art sexy Schlumpf zu verwandeln, gewöhnt?

Lawrence: Das Auftragen ist nicht so schlimm, aber es wieder loszuwerden, ist eine Qual. 15, 16 Stunden darunter zu schwitzen, hinterlässt Male am Körper, wenn der Klebstoff entfernt wird. Und dann ist da natürlich das alte Problem mit dem aufs Klo gehen ...

Jennifer Lawrence: "Ich wollte immer schon Regie führen"

Vielleicht ergeben sich ja diese Probleme nicht mehr. Wie es heißt, wollen Sie in die Regie wechseln.

Lawrence: Oh, mein Gott. Da habe ich etwas ausgeplaudert. Ja, ich wollte immer schon Regie führen. Aber ich weiß nicht, ob etwas daraus wird. Fragen Sie mich bitte nicht weiter. Ich bekomme Angstzustände.

In den letzten drei Jahren haben Sie sage und schreibe elf Filme gemacht. Sind Sie ein Workaholic?

Lawrence Wahrscheinlich. Aber ich arbeite eben einfach gerne. Die Schauspielerei ist meine Leidenschaft.

Können Sie Ferien machen, mal abschalten?

Lawrence Höchstens für eine Woche, dann muss ich irgendetwas zu tun haben. So war ich schon immer. Ich erinnere mich an Sommerferien, wo ich all meine Stofftiere auf ein Wägelchen geladen und sie in der Nachbarschaft verkauft habe. Anschließend habe ich mich gefragt: "Wo sind alle meine Stofftiere?" (Kichert) Ich bin crazy. Ganz klar bescheuert.

Sie machen sich immer über ihr Beziehungsleben oder besser gesagt den Mangel daran lustig. Wie steht's jetzt damit?

Lawrence Nächste Frage. Immer, wenn ich über Boys rede, bricht die Welt zusammen. Jedes Zitat verfolgt mich bis ans Ende meiner Tage. Also werde ich nie, nie mehr über Jungs reden.

Dann sagen Sie uns wenigstens etwas über das Spiel mit den Boys.

Lawrence Welches Spiel?

Wir haben gehört, dass es "Box-Spiel" heißt und Sie sollen es aufgebracht haben.

Lawrence Okay. Also technisch gesehen habe ich es von “Tribute von Panem” zu “X-men” gebracht. Bei den “Tributen” haben ich und die Boys uns gegenseitig Boxschläge versetzt. Aber keiner hat versucht, jemand anders dauerhaften Schaden zuzufügen. Aber bei “X-Men” sind meine Kollegen Fassbender, McAvoy und Hugh eingestiegen, und die hauen zu so hart, wie sie können. Der Arm von James (McAvoy) war schwarz vor Blutergüssen. Es sah aus, als ob ihn der fleischfressende Virus erwischt hätte. Um es klar zu stellen: Ja, ich habe das Spiel mitgebracht - aber nicht die Psychose, die sich daraus entwickelt hat (lacht schallend).

Dierk Sindermann

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