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Jessica Watson hatte 576 Schokoriegel an Bord.

Jessica Watson liebt Schokolade

Sydney - Sie ist alleine um die Welt gesegelt und hatt dabei keine Hilfe. Doch 576 Schokoriegel halfen der 16-jährigen Weltumseglerin Heimweh, Angst und Langeweile zu vertreiben und den Mut nicht zu verlieren.

16 Jahre ist Jessica Watson jung, und hat schon hinter sich, wovon die meisten Menschen nicht mal zu träumen wagen: Rund um die Welt ist sie gesegelt, mutterseelenallein, sie hat mit Stürmen und Technik, mit Langeweile und Heimweh gekämpft. Eiserner Willen, ein sonniges Gemüt und genau 576 Schokoriegel haben ihr dabei geholfen. Als sie am Samstag am berühmten Opernhaus im Hafen von Sydney von den schwankenden Planken ihrer Jacht “Ella's Pink Lady“ an Land kletterte, war für Australien eine neue Heldin geboren.

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Doch Watson mag das Etikett nicht: “Ich betrachte mich nicht als Heldin“, meinte sie. “Man muss niemand Besonderes sein, um etwas Außergewöhnliches zu schaffen. Man braucht nur einen Traum, man muss dran glauben und hart arbeiten.“ Weise Worte von einem Teenager, der auszog, um die Welt zu inspirieren. Man muss das zierliche Mädchen mit der kurzen Hose und dem zerzausten Haar dabei sehen, um sich zu vergewissern, dass hier eine 16-Jährige spricht. Während viele ihrer Altersgenossinnen stundenlang über Make-Up-Farben brüten oder den langen Blonden aus der Tanzstunde anschmachten, kämpfte Watson ums Überleben. “Du bist mitten im Sturm und wirst fast umgedrückt. Was tun?“ sagte sie. “Du kannst schlecht alles hinschmeißen. Du machst einfach weiter und siehst zu, dass Du durchkommst“, sagt sie. So einfach ist das.

Eltern lehrten sie Überleben und Improvisieren

Watson hat von ihren Eltern eine gehörige Portion Abenteuerlust mitbekommen. Die Familie lebte jahrelang auf einem Boot, dann packten Julie und Roger die Sachen und zogen mit Jessica und ihrem Bruder über Land durch ganz Australien. Die Eltern unterrichteten die Kinder selbst - vor allem im Improvisieren, im Überleben, und darin, das Leben so zu nehmen, wie es kommt. Ein Fernsehgerät gab es bei den Watsons nicht. Und so ist im Oktober vergangenen Jahres wahrscheinlich eine junge Frau auf große Fahrt gegangen, die ohnehin schon anders war als andere.

Während die Nation mit Politikern und Jugendforschern darüber diskutierte, ob es nicht unverantwortlich sei, ein so junges Mädchen losfahren zu lassen, studierte Watson Navigationskarten und übte, bei Windstärke zehn ein Segel einzuholen. Die Debatte ließ sie kalt, und die Eltern zeigten keine Minute Zweifel an ihrer Tochter. Sie segele schon ihr halbes Leben, versicherten sie. Am Ende waren die Kritiker still. Einen Gänsehaut-Moment beschrieb eine von ihnen, die Premierministerin von Queensland Anna Bligh, als sie Watson über die Ziellinie fahren sah. “Ich glaube nicht, dass je wieder einer von uns Zweifel an Jessica Watson äußert“, meinte ihre Kollegin aus New South Wales, Kristina Keneally.

Tausende Fans haben Watson dankbar geschrieben, wie sie durch ihre Leistung selbst Kraft für Außergewöhnliches fanden. “Sie hat unglaublichen Mut bewiesen“, meinte Alana MacIntyre, die eigens zum Hafen gekommen war. “Wenn ich an sie denke, dann macht mir das auch Mut, für kleinere Dinge. Ich glaube dann an mich selbst und gebe nicht auf.“ Das ganz Normale an dieser 16-Jährigen beruhigt dann wieder. Auch junge Weltumseglerinnen haben Schwächen. Der ängstliche Blick zurück zu ihrer Jacht, als sie das Boot erstmals seit sieben Monaten verließ zum Beispiel. Und ihre Beichte, dass sie vor lauter Einsamkeit manchmal die Ohrwürmer ihrer Lieblingsband lauthals in den Wind geschrien hat. Und dann die 576 Schokoriegel - fast drei pro Tag! “Ich bin ein ganz normales Mädchen“, versichert Watson kichernd, und in diesem Moment glaubt man es tatsächlich.

dpa

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