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Jörg Kachelmanns Anwalt spricht von einem "Justizskandal".

Jörg Kachelmanns Anwalt geht in die Offensive

Mannheim - Der Anwalt des Wetterexperten Jörg Kachelmann geht in die Offensive und spricht von einem "Justizskandal", der seinem Mandanten widerfahren ist. Worum es geht:

Nach 100 Tagen Untersuchungshaft geht die Verteidigung des TV-Wettermoderators Jörg Kachelmann in die Offensive. Mit schweren Vorwürfen gegen die “Mannheimer Justiz“ befeuert Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock die Auseinandersetzung in einem Fall, der von Anfang an nicht nur vor Gericht, sondern auch intensiv über die Medien verhandelt wurde. Birkenstock spricht von einem “Justizskandal“ - und äußert in einer Pressemitteilung einen geradezu ungeheuerlichen Verdacht: Die Verteidigung habe “dringenden Anlass zu der Befürchtung, die Mannheimer Justiz schütze durch die Aufrechterhaltung des Haftbefehls gegen Herrn Kachelmann die Täterin einer Falschbeschuldigung“.

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Die Fakten: Eine ehemalige Geliebte beschuldigt den Wettermoderator der Vergewaltigung. Die Details klingen überaus brutal: Kachelmann soll sie mit einem Küchenmesser bedroht und am Hals verletzt haben, erklärte die Frau. Er soll gedroht haben, sie umzubringen. Wie so oft in Vergewaltigungsfällen steht oder fällt der Vorwurf mit der Glaubwürdigkeit des Opfers. Kachelmann hat die Anschuldigungen stets bestritten. Letztlich ist es die Aufgabe des Gerichts, die Aussagen des mutmaßlichen Opfers und Kachelmanns zu beurteilen. Bislang hat das Gericht aber noch nicht darüber entschieden, ob es die Anklage für überzeugend genug hält, um die Hauptverhandlung zu eröffnen. Derweil wird in den Medien über die Glaubwürdigkeit der Frau diskutiert. Der “Spiegel“ und “Die Zeit“ haben in langen Artikeln über psychologische Gutachten berichtet, welche angeblich zu dem Schluss kommen, das mutmaßliche Opfer berichte “zum Teil Unwahrscheinliches bis Unmögliches“. Die Staatsanwaltschaft erwiderte, die Journalisten hätten wohl nur Teile der Gutachten gesehen. “Das komplette Gutachten stützt die Anklage“, sagt der Sprecher der Mannheimer Staatsanwaltschaft. Doch können dürre Erklärungen einer Behörde den Eindruck korrigieren, den acht Seiten im “Spiegel“ erzeugen?

Kachelmann - die ersten Fotos aus der Haft

Kachelmann - die ersten Fotos aus der Haft

Wer genau die Gutachten an Medien weiter gab, ist nicht klar. Die prozessbegleitende Öffentlichkeitsarbeit hat sich unter der Bezeichnung “Litigation PR“ in den vergangenen Jahren zu einem neuen Geschäftsfeld mancher Anwälte entwickelt. Sie versuchen, den Ausgang des Verfahrens über die öffentliche Meinung zu beeinflussen oder aber wenigstens zu verhindern, dass ein Prozess allzu verheerende Auswirkungen auf den Ruf ihrer Mandanten hat. Die Anwälte Kachelmanns hätten sich “die Medien insofern zunutze gemacht, als dass hoher Nachrichtendruck bestand und es keine neuen Nachrichten gab“, sagt der Hannoveraner Rechtsanwalt Tobias Gostomzyk, selbst Experte für Litigation-PR. “Allerdings verfolgen die Medien das eigene Interesse, eine gute Geschichte zu haben, die letztendlich eine Unterhaltungsgeschichte ist - das hilft nicht unbedingt der Wahrheitsfindung.“

Der Berliner Medienanwalt Christian Schertz sagt, die Staatsanwaltschaft habe bei ihrer Pressearbeit die Persönlichkeitsrechte Kachelmanns nicht ausreichend geschützt. Es bestehe eine “Fürsorgepflicht“ des Staates gegenüber dem Beschuldigten. Selbst die bloße Bestätigung, dass sich ein Prominenter in Haft befinde, könne “einen medialen Tsunami verursachen, der zu Beeinträchtigungen führt, die sich nicht wiedergutmachen lassen“. Doch auch die Rolle der Ermittler ist nicht einfach. Die Mannheimer Staatsanwaltschaft sei nicht von selbst in die Öffentlichkeit gegangen, betont deren Sprecher Oskar Gattner. Schon zwei Tage nach der Verhaftung hätten die Medien gefragt, ob Kachelmann in Haft sitze. “So etwas bleibt nicht geheim.“ Gattner bleibt nur ein bitteres Fazit: “Es ist eine Katastrophe, wie diese Sache in der Öffentlichkeit verhandelt wird. Nicht nur für Herrn Kachelmann, sondern auch für die Geschädigte und ihre Familie.“

dpa

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