Johannes Paul II. "wie ausgewechselt"

- Rom - Mit der Karwoche rückt auch dieses Jahr unweigerlich der Gesundheitszustand von Papst Johannes Paul II. in den Mittelpunkt des Interesses. Hatte das 82-jährige Oberhaupt der katholischen Kirche vor einem Jahr noch extrem gebrechlich gewirkt, so machte er am Palmsonntag, dem Auftakt der Karwoche, einen überraschend erholten Eindruck. Das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit, an der er seit Jahren leidet, scheint vorerst gestoppt zu sein - in Rom rätselt man über die Gründe.

 "Erscheint wie neugeboren zu sein", kommentierte das italienischeFernsehen. "Der Papst wirkt wie ausgewechselt", meint auch derDoyen der italienischen Vatikan-Journalisten, Marco Tosatti vonder Tageszeitung "La Stampa". "Der Papst nimmt neue Medikamente",glauben die Zeitungen der Ewigen Stadt die neue Vitalität desPapstes erklären zu kennen. Der französische Forscher LucMontagnier, als Entdecker des HIV-Virus zu Weltruhm gelangt, solldie neue Medizin persönlich dem Papst bei einem Besuch in Romverschrieben haben.

Der Arzt hat jedoch in Interviews diese Darstellung abgeschwächt. Es handle sich um keine Medizin, sondern um Vitaminpräparate. Kernstück des "Elixiers" sei ein Papaya-Extrakt, der die Nervenzellen des Gehirns vor dem Verfall schützen soll - denn Parkinson ist eine Krankheit, bei der das Gehirn langsam abstirbt. Zunächst werden der Bewegungsapparat und die Sprechfähigkeit immer mehr gelähmt, danach lassen auch die Denkfähigkeiten nach.

Offiziell hat sich der Vatikan zu dem Thema Papst-Gesundheit immer wortkarg gezeigt und damit allerhand Spekulationen ausgelöst. Insider wollen aber wissen, dass der Papst jetzt schon deshalb einen erholten Eindruck macht, weil er begonnen habe, sich ernsthaft an den Rat der Ärzte zu halten. So hat er sich körperlich geschont und ist seit letztem August nicht mehr auf Reisen gewesen. Zudem soll der Papst regelmäßig Physiotherapie betreiben und auch Sprechunterricht nehmen. Seine Aussprache hat sich gegenüber dem Vorjahr, als seine Predigten oft von anderen Geistlichen verlesen werden mussten, auch überraschend gebessert.

Mit der Gehbehinderung, neben den Sprechproblemen sichtbarste Folge von Parkinson, scheint sich der Papst abgefunden zu haben. So soll er Medienberichten zufolge bereit sein, künftig auch den Rollstuhl zu benutzen. Bei der Palmsonntagsmesse zelebrierte er erstmals sitzend die Eucharistie - bisher quälte sich der für seine Willensstärke bekannte Pole, um stehen zu können.

Über die geistige Präsenz von Johannes Paul II. herrscht kein Zweifel. Eindrucksvoll hatte er in den vergangenen Monaten öffentlich vor einem Irak-Krieg gewarnt und sich für den Weltfrieden eingesetzt. Dabei wich er auch von vorbereiteten Redetexten ab und erinnerte daran, dass er den Zweiten Weltkrieg hautnah erlebt habe. Die Zweifel vieler Beobachter, ob Johannes Paul der großen Arbeitsbelastung eines Papstes gewachsen ist, kann dies zwar nicht ausräumen - doch die zuletzt immer wieder kehrenden Gerüchte über einen Rücktritt sind vorerst verstummt.

In den kommenden Monaten will sich Johannes Paul II. etwas weniger schonen und auch einige Auslandsreisen absolvieren - zunächst Anfang Mai nach Spanien und im Juni nach Kroatien. Jene nach Kroatien wäre die 100. Auslandsreise seit seiner Wahl vor fast 25 Jahren, am 16. Oktober 1978. Geplant sind für dieses Jahr auch noch Besuche in Bosnien-Herzegowina, der Slowakei und der Mongolei. Zu seinem 25. Amtsjubiläum, das vor ihm erst zwei Nachfolger auf dem Stuhl des Apostels Petrus erreicht haben, sind zudem große Feierlichkeiten geplant, in deren Verlauf auch Mutter Teresa von Kalkutta selig gesprochen werden soll.

Die gebesserte Gesundheit könnte den Papst auch dazu bewegen, die Ernennung neuer Kardinäle hinauszuzögern, wird in Rom spekuliert. Die meisten Beobachter hatten bisher noch in diesem Jahr damit gerechnet. Das Kardinalskollegium zählt nur noch 112 Mitglieder unter 80 Jahren - nur sie sind zur Wahl des nächsten Papstes berechtigt. Der Papst hat die Zahl der Papstwähler auf maximal 120 beschränkt. Doch aus Altersgründen scheiden laufend Kardinäle aus.

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