Jopie, der Jahrhundertstar

- Starnberg - "Dieser Mann brennt für seinen Beruf", versucht Schauspielerkollege Thomas Fritsch das Phänomen Heesters zu erklären. Denn es sind nicht nur "Jopies" Begeisterung für die Bühne und sein Image als charmanter Bonvivant. Es sind die ungeheure Disziplin und der unermüdliche Drang, auch im hohen Alter weiter zu arbeiten, die aus dem im niederländischen Amersfoort geborenen Kaufmannssohn das gemacht haben, was er heute ist: ein Jahrhundertstar.

<P>Obwohl er eigentlich Priester werden wollte, fasste Johan Marius Nicolaas Heesters bei einem Theaterbesuch an seinem 16. Geburtstag den Entschluss, es mit der Schauspielerei zu versuchen. Bereits mit 17 stand er dann in Amsterdam zum ersten Mal auf der Bühne, 1924 in dem Stummfilm "Cirque Hollandais" sogar vor der Kamera. </P><P>Ein Jahr zuvor wurde Heesters' musikalisches Talent entdeckt. Als sein Theaterdirektor eine Besetzung für die Gesangsrolle in Strindbergs "Traumspiel" suchte, schlugen ihn die Kollegen dafür vor: "Sie sagten: Da oben sitzt der Heesters in der Garderobe und plärrt herum. Es ist nicht mehr anzuhören - aber er hat eine gute Stimme", erinnert sich Jopie schmunzelnd.<BR><BR>1934 kam dann der Ruf der Wiener Volksoper, Heesters folgte ihm zusammen mit seiner ersten Frau, der belgischen Schauspielerin Louise Ghijs, und seiner ältesten Tochter Wiesje. Er war begeistert von Wien - und die Wiener von ihm. Nach seinem Debüt in der Operette "Der Bettelstudent" avancierte er zum gefeierten Bühnenstar, gastierte mit der "Gräfin Mariza", der "Lustigen Witwe" (in seiner Paraderolle als Graf Danilo), mit der "Hochzeit im Paradies" und unzähligen anderen Operetten auf allen großen Bühnen Deutschlands, Österreichs und der Niederlande, häufig auch am Münchner Gärtnerplatz-Theater.<BR><BR>Gleichzeitig entdeckte ihn der Film erneut für sich und brachte ihm nach dem Umzug nach Berlin den endgültigen Durchbruch: "Hallo Janine" (1939) oder "Illusion" (1941) gehören heute zu den Klassikern der Filmgeschichte.<BR><BR>Die Medien warfen Johannes Heesters nach dem Zweiten Weltkrieg vor, er habe sich - als Lieblingsschauspieler Hitlers - von den Nazis instrumentalisieren lassen und sogar vor SS-Offizieren im Konzentrationslager Dachau gesungen. Heesters hat Letzteres immer bestritten. Im Gegenteil: Als Joseph Goebbels ihn aufforderte, "Deutscher zu werden", habe er sich verweigert und durfte daraufhin erst einmal nicht mehr für die Ufa drehen, erzählt der in Starnberg lebende Schauspieler in seiner Autobiografie "Auch hundert Jahre sind zu kurz" (erschienen im Langen Müller Verlag; 352 Seiten; 19,90 Euro).<BR><BR>Trotzdem hörte Heesters nicht auf, in Deutschland zu arbeiten. Dazu war allerdings ein "gehöriges Maß an Selbstverleugnung" nötig, gibt Heesters heute zu. Sein Publikum jedenfalls blieb dem "Grandseigneur der Operette" auch nach dem Krieg treu. Er brillierte in zahlreichen Filmen wie "Bel Ami" (1955) und "Viktor und Viktoria" (1957), in Musicals wie "Gigi" (1975) und Theaterstücken wie Flatows "Gesegnetes Alter" (1996).<BR><BR>Privat sorgte er 1992 für Schlagzeilen, als er seine zweite Frau, die 46 Jahre jüngere Schauspielerin Simone Rethel, heiratete. Bis heute steht Heesters - getreu seinem Lebensmotto: "Was spiele ich als Nächstes?" - regelmäßig auf der Bühne, was ihm sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde verschafft hat: als ältester aktiver Schauspieler der Welt.</P>

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