Neue Reihe

Auf dem Laufsteg des Lebens

Jorge González, Designer, Modelcoach und König der High Heels, bekommt bei Vox einen eigenen Sendeplatz. Stöckelschuhe dienen in seiner „Chicas Walk Academy“ als Trainingsgeräte bei der Suche nach mehr Selbstbewusstsein und einer aufrechten Haltung.

Die Nagelfeile kommt noch kurz zum Einsatz. Muss ja alles perfekt sein. Jorge González nimmt Haltung an, grüßt mit seinem strahlenden Lächeln, einem festen Händedruck und schlägt die endlos langen, durchtrainierten Beine übereinander. Seine Füße stecken in bis hoch zum Knie geschnürten, glitzernden Römersandalen. Der gebürtige Kubaner sprüht vor Energie, tanzt als Designer, Choreograph, Stylist und Imageberater auf den verschiedensten Hochzeiten und erobert nach und nach die deutsche Fernsehlandschaft.

Seit vergangenem Jahr sitzt er neben Motsi Mabuse und Joachim Llambi in der Jury von „Let’s Dance“ (RTL). Bekannt wurde er zuvor als Modelcoach in „Germany’s Next Topmodel“ (Pro Sieben). Seine oft abenteuerlichen Satzkonstruktionen, untermalt von lateinamerikanischer Melodik, sind Kult. Genauso seine High Heels, die er auch mal mit 20 Zentimeter hohen Absätzen trägt. González ist ein Publikumsliebling, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Sympathisch geradlinig, nie um einen Spruch verlegen.

Jetzt will er anderen „Chicas“ helfen, ihren „inneren Glam“ zu entdecken. Anfang des Jahres eröffnete der 46-Jährige in Hamburg seine „Chicas Walk Academy“, an der Frauen – und auch Männer – in Kursen lernen, „den Laufsteg des Lebens zu meistern“. Ein Fernsehteam von Vox begleitete Jorge. Daraus entstanden ist eine sechsteilige Reihe, die der Sender nun dienstags zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr ausstrahlt.

„Dick, dünn, groß, klein, schwarz, weiß, blond, dunkel – das ist ein kosmopolitischer Chicas-Walk-Cocktail“, beschreibt der Mann mit den langen schwarzen Haaren seine Kursteilnehmer, die zwischen 14 und 62 Jahre alt sind. „Bei der Chicas Walk Academy wollen wir das Selbstbewusstsein, die innere Haltung stärken und das auch optisch umsetzen.“ Es gehe nicht darum, die Frauen bloß umzustylen. „Einfach zu sagen: Du wirst jetzt blond, weil ich das besser finde, ist totaler Quatsch“, meint Jorge González. Auch der Kleiderschrank müsse nicht komplett neu bestückt werden. „Zu sagen: Kauf’ dir Gucci-Pucci – das kann jeder. Ich gehe auch nach Hause zu den Chicas, gucke was da ist, ändere die Mischung ein bisschen, und schon schmeckt der Salat besser“, beschreibt er seine Arbeit in diesen wunderbar schrägen Bildern.

„Zu mir kommen viele sehr selbstbewusste Frauen, die Karriere gemacht haben“, erzählt er dann. „Eine davon hat bislang nur mit Männern gearbeitet. Jetzt, mit 62 Jahren, leitet sie ein Frauenteam und sagt: ,Ich muss mich ein bisschen anpassen, meinen Kleidungsstil ändern, lernen mich zu schminken.‘ Und sie hat es gemacht, sich High Heels gekauft und an der Academy gelernt. Das geht alles – auch mit über 60 Jahren.“

Stöckelschuhe sind Trainingsgeräte an seiner Schule. „Das Gehen auf High Heels ist eine spielerische Basis dafür, neue Facetten an sich zu entdecken und zu fühlen, dass die Körpersprache und die Körperhaltung sich verändern, wenn wir solche Waffen wie 15-Zentimeter-Absätze benutzen“, so Jorge. Auf High Heels zu laufen, könne jede Frau lernen, ist sich der Trainer sicher. Doch neben der Technik müsse vor allem die innere Haltung stimmen: „Sonst geht es schief.“ Sein Ziel sei es nicht, dass die Frauen nun jeden Tag topgestylt durch den Alltag stöckeln. „Es geht darum, dass die Chicas wissen, sie können auch anders sein, wenn sie es möchten“, sagt er schmunzelnd.

Er selbst wusste das schon sehr früh. Mit vier Jahren entdeckt Jorge González die Stöckelschuhe seiner Oma, posiert damit vorm Spiegel. Sie werden sein Lieblingsspielzeug. Heute verdient er damit sein Geld, schreitet selbstsicher und scheinbar federleicht durchs Leben auf schwindelerregend hohen Absätzen.

Seit rund 20 Jahren lebt González, der in einem kleinen kubanischen Städtchen aufwuchs und in der slowakischen Hauptstadt Bratislava Nuklearökonomie studierte, bereits in Deutschland. Bei all dem Glanz und Glamour, bei all dem Erfolg wirkt er dennoch bodenständig. Als „Paradiesvogel mit konservativen Werten“ beschreibt er sich in seiner Autobiografie. „Ich war und bin ein sehr zufriedener Mensch“, sagt er heute. „Ich blicke auf das, was jetzt gerade ist. Morgen ist schließlich ein anderer Tag, vielleicht erlebe ich ihn ja gar nicht. Ich glaube, dass Menschen, die nur daran denken, was sie alles nicht haben oder was sie noch alles erreichen müssen, sich kaputt machen.“

Stefanie Backs

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