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Ein Multitalent: Julie Delpy feiert ihre Erfolge als Schauspielerin, Regisseurin, Drehbuchautorin und Musikerin.

„Für meinen Vater bin ich spießig“

München - An diesem Samstag stellt Julie Delpy beim Münchner Filmfest ihre neuen Filme vor – ein Gespräch über Erziehung und das Alter.

Sie ist ein echtes Multitalent: Julie Delpy feiert nicht nur als Schauspielerin Erfolge, sondern auch als Regisseurin, Drehbuchautorin und Musikerin. Mit Ethan Hawke bildete sie in „Before Sunrise“ das Traumpaar der Generation X, als Co-Autorin der Fortsetzung „Before Sunset“ bekam sie eine Oscar-Nominierung. Ihr Regiedebüt „2 Tage Paris“ wurde in über 80 Länder verkauft. Nun kommen gleich zwei neue Komödien von und mit der 42-Jährigen in unsere Kinos: „2 Tage New York“ läuft am 5. Juli an, „Familientreffen mit Hindernissen“ am 9. August. Beide Filme feiern am heutigen Samstag in Anwesenheit von Julie Delpy ihre Deutschlandpremiere beim Münchner Filmfest. Wir trafen die charmante, spritzige und selbstironische Pariserin schon vorab zum Interview.

In „2 Tage New York“ jonglieren Sie erneut augenzwinkernd mit Vorurteilen über Franzosen und Amerikaner. Steckt in diesen Klischees auch ein Funken Wahrheit?

Definitiv. Franzosen sind in sexueller Hinsicht tatsächlich offener und nicht so puritanisch wie Amerikaner. Das heißt allerdings keineswegs, dass wir Franzosen auch häufiger Sex hätten – wir quatschen bloß öfter darüber. Sogar als meine Großmutter über neunzig Jahre alt war, sollte ich ihr noch immer jedes pikante Detail aus meinem Privatleben erzählen.

Ihre Drehbücher erwecken den Eindruck, dass Sie ein Faible für frivolen Humor haben.

Ja, ich liebe schmutzige Witze! Auch im Alltag fallen mir ständig anzügliche Bemerkungen ein. Vielleicht liegt es an meiner Erziehung, dass ich im Hinblick auf Verbalerotik keinerlei Hemmschwelle habe.

Wie wurden Sie denn erzogen?

Meine Eltern waren Schauspieler aus der Pariser Untergrund-Theaterszene – und in jeder Hinsicht liberal. Sie haben mir sämtliche Freiheiten gelassen: Ich durfte alle Arten von Büchern lesen und Filme gucken, wie ich wollte. Schon als junges Mädchen verschlang ich die Romane des Marquis de Sade. Nichts wurde vor mir verborgen: Bereits mit vier Jahren habe ich meine Eltern nackt auf der Bühne gesehen.

Gab es in Ihrer Jugend – ähnlich wie in „2 Tage New York“ – auch peinliche Situationen, wenn Sie Ihren Eltern einen neuen Freund vorgestellt haben?

Ja. Manchmal hatte ich meinen Eltern vorab schon zu viel über mein Liebesleben mit dem jeweiligen Typen erzählt – und wenn der dann zu uns kam, machte mein Vater ständig irgendwelche schlüpfrigen Andeutungen. Das war mir bisweilen schon etwas unangenehm!

Ihr Vater spielt auch in „2 Tage New York“ Ihren Vater. Wie war für Sie als Regisseurin, ihn herumzukommandieren?

Im Prinzip ließ er sich gern von mir führen; nur manchmal grummelte er vor sich hin, wenn er anderer Meinung war als ich. Er hat meinen Leinwand-Partner Chris Rock ein wenig nervös gemacht, weil er so unberechenbar ist und aus purer Lust gern verrückte Dinge tut: Chris hatte Angst davor, dass mein Vater ihm ohne Vorwarnung einen fetten Schmatz auf die Lippen drückt.

Was ist das Wichtigste, das Ihr Vater Ihnen vermittelt hat?

Sein schräger Humor. Und die Fähigkeit, das Leben zu genießen. Meine Eltern waren stets für jede Party zu haben. Bis heute feiert mein Vater mehr als ich. Ich trinke keinen Alkohol und nehme keine Drogen – in seinen Augen bin ich vermutlich eine missratene, spießige Tochter! (Lacht.)

Sie leben zusammen mit dem Münchner Filmmusik-Komponisten Marc Streitenfeld und Ihrem gemeinsamen dreijährigen Sohn Leo. Ihre Filme zeigen, dass die Familie Ihnen sehr wichtig ist. Wie möchten Sie Ihren Lebensabend verbringen? In einer Großfamilie? Mit Freunden?

Vorzugsweise in der Bretagne, wo ich herkomme, im Kreise von Freunden, umgeben von bodenständigen bretonischen Männern – die waren mir immer am liebsten. Mein Traum wäre es, so zu enden wie John Huston: Der hat mit achtzig unterm Sauerstoffzelt seinen letzten Film inszeniert und zwischendurch noch seine Krankenpflegerin vernascht. Auf dieses Ziel arbeite ich hin. Oh Gott, Marc wird mich umbringen, wenn er das erfährt! (Lacht.)

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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